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Blaulicht

Das erzählen Nachbarn über den mutmasslichen Entführer von Hittnau

Vor zwei Wochen kam es in Pfäffikon zu einer Entführung, der Täter wurde inzwischen verhaftet. Im Gespräch mit Nachbarn wird klar: Der mutmassliche Täter zeigte «sonderbare Ansichten».

In Hittnau nahm die Polizei am vergangenen Freitag einen mutmasslichen Entführer fest. (Archiv)

Foto: Simon Grässle

Das erzählen Nachbarn über den mutmasslichen Entführer von Hittnau

Nach Verhaftung des Täters

Vor drei Wochen kam es in Pfäffikon zu einer Entführung, der Täter wurde inzwischen verhaftet. Im Gespräch mit Nachbarn wird klar: Der mutmassliche Täter zeigte «sonderbare Ansichten».

«Ich habe zuerst einen lauten Klapf gehört, danach Schreie», sagt eine Hittnauerin wenige Tage nach der Festnahme ihres Nachbarn. Als sie am Freitagmorgen draussen nach dem Rechten sah, entdeckte sie Polizisten in Vollmontur.

Die Kantonspolizei nahm gerade Paul K. (Name geändert) fest. Dieser steht unter dringendem Tatverdacht, Mitte Februar einen 27-jährigen Mitarbeiter der Gemeinde Pfäffikon entführt zu haben. Der Verdächtige ist in der Nachbarschaft derweil als Staatsverweigerer und Verschwörungstheoretiker bekannt.

Gemeindepräsident entwarnt

Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, verweisen die Gemeinden Pfäffikon und Hittnau auf die Medienstelle der Kantonspolizei Zürich. Äussern möchten sie sich zum Vorfall nicht. «Wir können uns auch gar nicht äussern», bestätigt Carlo Hächler (FDP), Gemeindepräsident von Hittnau.

Aus einem Gespräch mit Experten habe sich aber ergeben, dass es keinen Grund gebe, beunruhigt zu sein. Probleme mit Staatsverweigerern kenne Hittnau sonst nicht. «Massnahmen treffen wir keine, denn hier handelt es sich um einen Einzelfall.»

Trotzdem zeigt sich Hächler nachdenklich: «Was mich vor allem überrascht hat, ist, dass die Medien schon so viele Informationen und Bilder veröffentlicht haben.»

Verunsicherung während Einsatz

Das Grossaufgebot der Polizei am Freitag war im Dorf auch unübersehbar. Mehrere Personen aus der unmittelbaren Nachbarschaft fühlten sich unsicher, da sie den Grund des Einsatzes nicht kannten. «Ich war schon etwas ängstlich», gibt eine Nachbarin zu. Die Mutter wurde beim Frühstück mit ihren Kindern durch einen Knall aufgeschreckt. Sie vermutet, dass die Polizisten zu diesem Zeitpunkt mit Gewalt in das Haus einzudringen versuchten. Anderen Nachbarn fiel wiederum das Bellen eines Polizeihunds auf.

Auch wenn die Verhaftung das Dorf kurz vor dem Wochenende aufschreckte, ist mittlerweile kaum eine Verunsicherung zu verspüren. Wie die Mitarbeitenden einer Bäckerei sagen, sprechen die Menschen kaum über das Ereignis. Der Alltag gehe für sie wie gewohnt weiter.

Ein zurückgezogenes Leben

Doch wer kennt den 64-Jährigen? Mit seiner Partnerin, der auch das Grundstück gehört, lebt er seit einigen Jahren in Hittnau. Der Grossteil der umliegenden Nachbarn pflegt keine Kontakte zum Paar. Selbst auf der Strasse oder im Dorf sei man sich nur selten begegnet.

Nur wenige Nachbarn berichten von kurzen Gesprächen. «Es sind eigentlich nette Leute», erzählt ein Mann mittleren Alters. Auch in einem lokalen Geschäft hinterliessen sie einen anständigen Eindruck, wobei sich der Verdächtige eher selten blicken liess.

Begegnet ist man sich ansonsten höchstens auf Spaziergängen. Die Partnerin des Verdächtigen war dabei häufiger auf Rundgängen mit ihrem Hund anzutreffen. Eine Nachbarin führte vor der Corona-Pandemie ab und zu kurze Gespräche mit der Partnerin.

«Dann entwickelten die beiden jedoch sonderbare Ansichten.» Das Paar habe sich seither immer mehr zurückgezogen. Dass der 64-Jährige nun wegen einer mutmasslichen Entführung verhaftet wurde, schockiert aber trotzdem. «Es ist erschreckend, wie wenig gut man die Leute kennt.»

Eine ältere Dame aus dem Quartier bestätigt: «Sie leben eher anonym.» Das passe jedoch zu Hittnau, denn hier würden die Menschen eher ein zurückgezogenes Leben führen.

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