Dübendorfer Stadtrat will Steuern senken – doch wer würde profitieren?
Geht es nach dem Stadtrat, sinkt der Steuerfuss um drei Prozentpunkte. Geringverdiener würden das kaum merken, doch je höher die Steuerrechnung, desto grösser der Effekt. Wir nennen das Sparpotenzial anhand von Beispielen.
Im Dezember kommt es im Gemeinderat von Dübendorf zum grossen Steuerfuss-Showdown. Die Budgetsitzung hat immer etwas Episches an sich, weil die Fraktionen über den Voranschlag die Politik des Stadtrats beeinflussen und ihre Duftmarken setzen möchten.
Dieses Jahr kommt dazu, dass der Stadtrat den Steuerfuss um drei Prozentpunkte senken möchte – beflügelt durch die massiv höheren Steuereinnahmen in der Hochrechnung und einem Ressourcenzuschuss von 15 Millionen Franken aus dem Honigtopf des Kantons.
Reduzieren die Parlamentarier den Steuerfuss wie vom Stadtrat beantragt von 78 auf 75 Prozent, entgehen der Stadt dadurch Einnahmen von knapp 2,9 Millionen Franken. Rechte und Bürgerliche haben damit in der Regel kein Problem. Sie argumentieren mit der Entlastung für die Steuerzahler und das Gewerbe. Und dass ein niedriger Steuerfuss gut sei für die Standortattraktivität. Die Linken hingegen wünschen sich anstelle von Einsparungen mehr Investitionen in die Infrastruktur, die Wohnbauförderung und das Zusammenleben in der Stadt.
61 Franken weniger – ist das viel?
Doch was sind die direkten monetären Auswirkungen einer Steuersenkung? Das Dübendorfer Steueramt hat für diese Redaktion ausgerechnet, wie stark Private und Firmen von einer Reduktion des Steuerfusses um drei Prozentpunkte profitieren würden.
Die Berechnung beruht auf dem Tarif für Konfessionslose ohne Vermögen und zusätzlich unter Berücksichtigung des aktuellen Steuerfusses der Sekundarschulgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach von 18 Prozent (siehe Box).
90 Prozent der Singles und Paare in Dübendorf versteuern laut Angaben des Steuerarmts nach Abzügen ein jährliches Einkommen bis 150’000 Franken. Würde der Steuerfuss von 96 auf 93 Prozent reduziert, müssten unverheiratete Personen ohne Kinder mit einem steuerbaren Einkommen von 50’000 Franken pro Jahr 61 Franken weniger Steuern bezahlen. Bei 100’000 Franken Einkommen wären es 186 Franken, bei 150’000 Franken schon 336 Franken.
Effekt steigt mit dem Gewinn
Etwas niedriger sind die Werte in dieser für Dübendorf repräsentativen Gruppe beim Tarif für Verheiratete, Familien und Alleinerziehende. Hier wäre die Steuerrechnung für Einkommen von 50’000 Franken um 41 Franken niedriger. Bei 100’000 Franken wären es 144 Franken. Und wer 150’000 Franken versteuert, spart bei einer Senkung um drei Prozentpunkte 270 Franken.
Die Progression sorgt also dafür, dass mit höherem Einkommen nicht nur der Steuersatz steigt, auch Steuersenkungen (oder -erhöhungen) wirken sich deutlicher aus.
Nackte Zahlen sind nicht alles
Für juristische Personen – darunter fallen etwa Unternehmen wie Aktiengesellschaften und GmbHs – geht die Berechnung des Steueramts von null Franken Kapital aus. Bei einem steuerbaren Reingewinn von 20’000 Franken brächte die stadträtliche Steuersenkung eine Ersparnis von 42 Franken im Jahr. Beträgt der Reingewinn 50’000 Franken, wären es 105 Franken, bei 100’000 Franken stiege dieser Wert auf 210 Franken.
Juristische Personen mit einem steuerbaren Reingewinn von einer Million Franken hätten 2100 Franken weniger auf der Steuerrechnung. Und wenn wir grad beim Rechnen sind: Bei einem Reingewinn von 10 Millionen pro Jahr betrüge die Ersparnis für ein Unternehmen 21’000 Franken.
Letztlich sind es aber nicht die nackten Zahlen, die den politischen Diskurs bestimmen, sondern deren Interpretation je nach finanzpolitischer Zielsetzung der Parteien. Das wird sich auch an der Sitzung des Dübendorfer Gemeinderats am 8. Dezember wieder zeigen.
Auch die Sek will runter mit den Steuern
Der Steuerfuss der Sekundarschulgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach soll um einen Prozentpunkt auf 17 Prozent gesenkt werden. Das beantragt die Schulpflege der Gemeindeversammlung vom 2. Dezember.
Das vorgelegte Budget für das Jahr 2026 weist bei Gesamtausgaben von 30,9 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von 150’000 Franken auf. Damit erhöht sich das Eigenkapital leicht auf 50,2 Millionen Franken – «ein solides Fundament», wie die Schulpflege in der Weisung schreibt.
Trotz Steuersenkung stelle der Voranschlag die Finanzierung der laufenden Ausgaben sicher und schaffe gleichzeitig Spielraum für Investitionen. Besonders hebt die Schulpflege den Ressourcenzuschuss des Kantons hervor, der sich mit 3,9 Millionen Franken beinahe verdoppelt. Dies erlaube eine weitere Vorfinanzierung für die Sanierung der Schulanlage Stägenbuck, heisst es weiter. tba