Abo

Sport

Vom Pool ins offene Gewässer

Dieser Wechsel zahlte sich aus

Der Fischenthaler Paul Niederberger feiert bald seine WM-Premiere im Open Water. Dabei verlief sein erstes Rennen in dieser Disziplin alles andere als planmässig.

Lange Distanzen sagen Paul Niederberger zu – ob im freien Gewässer oder im Schwimmbecken.

Foto: Lucie Niederberger

Dieser Wechsel zahlte sich aus

Vom Pool ins offene Gewässer

Der Fischenthaler Paul Niederberger feiert bald seine WM-Premiere im Open Water. Dabei verlief sein erstes Rennen in dieser Disziplin alles andere als planmässig.

Für ihn läuft es derzeit richtig rund. Ende Mai nimmt Paul Niederberger an der EM in Kroatien teil, Mitte Juli feiert der junge Schwimmer in Singapur sein WM-Debüt. Nicht etwa im Bassin stehen für den 21-jährigen Fischenthaler aufregende Wettkämpfe an, sondern über 10 Kilometer in freien Gewässern. Open Water heisst die olympische Disziplin, in der sich Niederberger innert kurzer Zeit nach oben kämpfte. Er bestreitet aktuell erst seine zweite Saison.

Erst wenige Weltcup-Einsätze ist seine Open-Water-Karriere alt. Wetterbedingungen, Kälte, Wellen und Strömungen sind alles Faktoren, mit denen die Schwimmer umgehen müssen. «Es ist ganz was anderes», zieht Niederberger einen Vergleich zum Poolschwimmen. Und lässt keinen Zweifel daran, wie gut ihm die Open-Water-Rennen gefallen.

Sein erster Kontakt verlief eher weniger erfreulich, wie er lachend erzählt. Die Premiere verpatzte er. «Ich hatte das totale Chaos», sagt Niederberger. Was konkret heisst: Er fiel schnell aus dem Feld, das eine ähnlich wichtige Rolle spielt wie in Velorennen. Man kann sich in ihm überspitzt gesagt mittreiben lassen und hat auch alles im Blick. Nachdem Niederberger aber aus der Gruppe gefallen war, «bin ich sozusagen zwei Stunden lange allein im Kreis geschwommen», erinnert er sich.

Dass er nach diesem Negativerlebnis nicht gleich wieder aufgab, passt zum Oberländer, der Disziplin, Willenskraft und Anpassungsfähigkeit zu seinen Stärken zählt. «Ich wollte mir beweisen, dass ich es besser kann», sagt er. Und legte einen Steigerungslauf hin.

Es profitieren beide

Ungewöhnlich ist es indes nicht, dass der im Nationalen Leistungszentrum in Tenero trainierende Niederberger im Freischwimmen schnell beachtliche Resultate erzielte. Schliesslich ist er im Bassin auf der Langstrecke über 1500 m zu Hause – wie generell viele Open-Water-Schwimmer.

Welche Eigenschaften sind in Niederbergers neuer Disziplin wichtig? Eine gewisse Übersicht und Rennintelligenz, findet er. «Aber auch mentale Stärke, um einstecken zu können.» In den Massenstartrennen geht es im Feld rau zu und her. Bei Positionskämpfen gehören Schläge und Tritte dazu.

In den Wettkämpfen ist die Rivalität gross. «Vorher und nachher aber sind alle sehr nett», schwärmt Niederberger über die kleine Open-Water-Szene, die er mit einem Wanderzirkus vergleicht.

Weil er im Freischwimmen aktuell erfolgreicher ist als im Bassin, legt Niederberger seinen Fokus heuer auf die Open-Water-Rennen. Was wiederum nicht heisst, dass er keine Ambitionen mehr hat über 1500 m. Im Gegenteil, der Oberländer ist überzeugt: «Beides profitiert voneinander.»

Die Olympischen Spiele 2028 sind sein ganz grosses Ziel. Ob Bassin oder Open Water ist ihm einerlei. «Ich würde beides nehmen», sagt Niederberger.

Mit 12 verlässt er das Elternhaus

Erst 21 ist er – und investiert doch seit Jahren viel in seinen Olympiatraum. «Wo kann ich möglichst viel schwimmen?», fragte Niederberger einst seine als Schwimmlehrer arbeitenden Eltern. Und zog daraufhin schon mit 12 in ein Internat nach Potsdam. «Das fiel mir relativ einfach», sagt Niederberger. «Ich habe zwar eine starke Bindung zur Familie, aber freute mich eben auch auf ein Abenteuer.»

Mit 15 wechselte Niederberger ans nationale Leistungszentrum in Tenero – zusammen mit Schwester Lucie und Bruder Julien. Letzterer ist noch immer im Tessin und gehört dem Schweizer Nationalkader im Pool an, Paul Niederberger steht im Open-Water-Nationalkader.

Die Schwester hat mittlerweile mit Schwimmen aufgehört und ist nach Fischenthal zurückgekehrt. «Da läuft alles zusammen», sagt Paul Niederberger und bezeichnet die Tösstaler Gemeinde weiterhin als sein Zuhause, obwohl er im Tessin wohnt.

Im Sommer schliesst der für Lausanne Aquatics schwimmende Niederberger das KV mit Berufsmatura ab, im Sommer steht aber auch sein bisheriger Karrierehöhepunkt auf dem Programm. Was rechnet er sich an der WM aus? «Im Kopf schwebt mir eine Top-16-Platzierung vor», sagt Niederberger.

Wie realistisch dieses Ziel ist, kann er momentan nicht abschätzen. Anders als im Weltcup sind an den Titelkämpfen nur zwei Schwimmer pro Nation zugelassen. Das verändert die Ausgangslage, weiss Niederberger. Und sagt: «Es ist ein Umfeld, das ich mir nicht gewohnt bin.»

Gut für ihn, hat er in den letzten Jahren immer wieder bewiesen, wie anpassungsfähig er ist.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.