Mönchaltorfer macht mit Divertimento-Komiker gemeinsame Sache
Stellenplattform Jobshot
Eine Stellenplattform, die ähnlich wie Tiktok funktioniert: Das ist Jobshot. Hinter der App stehen Entertainer Zeki Bulgurcu, Comedian Manu Burkart – und ein Mönchaltorfer.
Eine Stellenplattform, die wie Tiktok funktioniert: mit kurzen Videos, die man sich in Endlosschleife angucken kann. Die Videos stammen von Firmen, die Jobs zu vergeben haben. Die App-User antworten bei Interesse mit einem Video, einer Sprachnachricht oder einer schriftlichen Message. Das ist Jobshot, eine App, die am 5. Juli der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Im Gründungsteam der Firma sind bekannte Namen zu finden: Entertainer Zeki Bulgurcu, Manu Burkart vom Comedy-Duo Divertimento und die Jungunternehmer und zweifachen Eltern Yaël Meier und Jo Dietrich. Sie alle an einen Tisch gebracht hat Jonny Billeter aus Mönchaltorf, der als CEO fungiert und als Einziger operativ tätig ist.

«Ich bin ein Netzwerker», sagt der gelernte Mechaniker über sich selbst. Manu Burkart kannte er bereits, Zeki Bulgurcu schrieb er einfach an, weitere Beziehungen ergaben den Kontakt zu Meier und Dietrich. Die Frage, die sich die fünf stellten, war folgende: Wie bringt man Stellensuchende und Arbeitgeber in der heutigen Zeit sinnvoll zusammen?
Ziemlich schnell wurde klar, dass sich der Stellenmarkt nicht den neuen Zeiten angepasst hat. Die Idee einer videobasierten Stellenplattform auf einer App und eines simplen Erstkontakts vom Smartphone aus war geboren.
Bestätigt wurde Billeter durch einen befreundeten Unternehmer, der ihm sein Leid klagte. «Er sagte, er finde kaum Leute für seine Firma.» Dabei sei dieser Typ sehr motivierend und sympathisch, ein toller Patron und ein gutes Vorbild. «Dies zu visualisieren und die Leute damit anzusprechen, ist das Ziel von Jobshot.»
Hätte mir vor ein paar Monaten jemand gesagt, dass er auf 80 Prozent reduzieren will, hätte ich gedacht, der ist einfach faul.
Jonny Billeter
CEO von Jobshot
Er selbst hat sich zum Marketingplaner und Verkaufskoordinator weitergebildet, hatte seine eigene Handelsfirma, die er 2014 verkaufte. Danach war er als Managing Director bei einem deutschen Unternehmen in der gleichen Branche tätig, bis dieses die Schweizer Tochterfirma auflöste und Billeter auf der Strasse stand. Aus der Not machte er eine Tugend und investierte seine Zeit und sein Geld in das Start-up, das er mit den vier anderen zusammen gründete.
Mit seinen 54 Jahren ist er der Älteste im Gründungsteam der Firma. Manu Burkart ist 44, Zeki Bulgurcu 34, Jo Dietrich 26, Yaël Meier 23 Jahre alt. «Als Teamplayer wusste ich, dass ich Leute dazuholen muss, die zur Generation Z gehören», sagt Billeter. «Denn sie sind unsere Zukunft.»
Missverstandene Generation Z
Dass viele Menschen über diese Generation die Nase rümpfen, kann Billeter verstehen – er selbst gehörte auch dazu. Doch er habe in der Zwischenzeit viel gelernt.
«Hätte mir vor ein paar Monaten jemand gesagt, dass er auf 80 Prozent reduzieren will, hätte ich gedacht, der ist einfach faul und hat keine Ambitionen», sagt er. «Heute weiss ich, dass es darum geht, sich nicht kaputtzumachen und in ein Burn-out zu rennen, wie es unsere Generation tut.»
Mit seinen Co-Foundern mache er nur gute Erfahrungen. «Sie sind zielstrebig, intelligent und zuverlässig. Eine tolle Bereicherung für mein Netzwerk und meinen Arbeitsalltag.»
Jobshot soll als erster Kontakt zwischen Arbeitgeberin und Jobsuchendem fungieren – ohne dass schon Zeugnisse und Motivationsschreiben eingereicht werden müssen. Die Unternehmervideos dürfen maximal zwei Minuten lang sein, und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Billeter zeigt das Video des Spitals Männedorf, das Assistenzärzte sucht. Der Chef sitzt auf einem Boot und wirbt mit dem tollen Arbeitsort und dem hauseigenen Spitalschiff zur freien Benützung. Dann fragt er: «Und, alles im Kasten?», worauf ihm zwei Angestellte unterwürfig ein Bier reichen – eine ironische Pointe am Schluss des Films. In einem anderen Video fliegt ein behelmter Superheld vom Himmel herunter, direkt in ein Büro hinein, das IT-Fachleute sucht.
Kritisches Aussuchen von Arbeitgebern
Jetzt, wo Fachkräftemangel herrsche, seien viele Unternehmen zu Bittstellern geworden, was noch nicht bei allen angekommen sei, sagt Billeter. Ein halbes Jahr habe er Türklinken geputzt, um Betriebe für die App zu gewinnen. «Wenn ich in manchen Firmen frage, warum man bei ihnen arbeiten soll, wissen sie keine Antwort. Das ist ein Armutszeugnis.»
Heutzutage müssten Unternehmen kreativ und flexibel sein und sich Mühe geben. Nicht mit kostenlosem Kaffee oder einem Obstkorb gewinne man Arbeitnehmer, sondern mit einer tollen Firmenkultur.

Die Generation Z suche sich ihren Arbeitgeber sorgfältig und kritisch aus. «Die wollen es lässig haben beim Arbeiten und mehr davon haben als einfach den Lohn am Monatsende», sagt Billeter. Ausserdem wünschten sie sich einen grossartigen und vorbildlichen Vorgesetzten. «Und das ist vollkommen verständlich und legitim, schliesslich verbringt man kaum irgendwo mehr Zeit als bei der Arbeit.»
Für ein Video, das vier Wochen lang aufgeschaltet ist, zahlen die Unternehmen 650 Franken. Jedes zehnte Inserat ist kostenlos. Jobsuchende können die App kostenlos konsumieren.
Seit Januar hat Billeter ein eigenes Büro im Keller einer Genossenschaftssiedlung in Mönchaltorf, fünf Minuten von seinem Zuhause entfernt. Am 1. Mai hat das Gründungsteam die App in einem Soft-Launch im Bekanntenkreis gestreut. Nach ein paar Verbesserungen war nun am 5. Juli der sogenannte Hard-Launch. Nun wird sich zeigen, ob sich Jobshot längerfristig etabliert.