Gesellschaft

Verkleiden, feiern und Clowngruppe

Diese Ustermer sind wahre Fasnächtler mit Leib und Seele

Sie sorgen dafür, dass die Fasnacht in Uster nicht ganz ausstirbt: Die Humoria Uster, die auch einen Kostümverleih in einem alten Munitionsdepot betreibt und den morgigen Maskenball im Stadthofsaal organisiert. Ein Besuch vor Ort.

Fasnächler mit Leib und Seele: Bruno und Andrea Pauli.

Foto: Luc Müller

Diese Ustermer sind wahre Fasnächtler mit Leib und Seele

Sie sorgen dafür, dass die Fasnacht in Uster nicht ganz ausstirbt: Die Humoria Uster, die auch einen Kostümverleih in einem alten Munitionsdepot betreibt und den morgigen Maskenball im Stadthofsaal organisiert. Ein Besuch vor Ort.

Die zwei lassen sich nicht lange bitten: Schon setzt sich Andrea Pauli einen auffällig mit Früchten dekorierten Hut auf, und ihr Mann Bruno Pauli greift zur roten Perücke von Pippi Langstrumpf. «Wir sind Fasnächtler duch und durch», erklärt das Ehepaar und lacht.

Das Duo gehört seit Jahrzehnten zur Fasnachtsgesellschaft Humoria Uster. Bruno Pauli war jahrelang bis 2015 Präsident der Humoria Uster – inzwischen ist er Ehrenpräsident. Andrea Pauli ist Mädchen für alles. Und vor allem zuständig für die Kostüme, die man auch mieten kann.

Frau
Viele dieser Kostüme hat Andrea Pauli selber genäht.

«Vor rund zehn Jahren lief der Kostümverleih noch recht gut», erklärt Andrea Pauli. Viele der bunten und fantasievollen Verkleidungen hat die 64-Jährige selber genäht. «Ich bin ausgebildete Schneiderin.» Doch inzwischen seien die Kostüme fast nicht mehr gefragt. «Heute kann man sich alles zur Fasnacht billig im Internet bestellen – doch die Vielfalt leidet darunter. Viele tragen das gleiche Kostüm.»

Hüte
Im Depot lagern zahlreiche Kostüme und auch Cowboyhüte.

Bei ihr gibt es die ganze Vielfalt. In zahlreichen Kleiderschränken hängen rund 400 tipptopp gepflegte und saubere Kostüme. Teufel, Hexen, Burgdamen, Affen, Wikinger, verschiedene Clowns, Hippies, Lederhosen, Riesenbabys, Katzen, Bremer Stadtmusikanten, Hühner, Piraten, Matrosen, Cowboys, Robin Hood, Hasen, Stinktiere, Schotten, Bananen, Pinguine, Elvis, Donald Duck und Daisy oder Globi. Die Miete für ein Kostüm inklusive Reinigung kostet 60 Franken.

Plakat
Andrea Pauli und ihr Mann Bruno zeigen ein Fasnachtsplakat, das früher im Restaurant Falken in Uster hing.

«Wir bekommen immer wieder Fasnachtsgewänder oder auch Fasnachtsmasken», erklärt Andrea Pauli. Neu lagern im Humoria-Depot auch zahlreiche Plakate. Diese hingen jeweils im inzwischen geschlossenen Restaurant Falken. Dort dekorierte der damalige Wirt Heinz Kleiner die Wände mit grossen, von ihm gestalteten und gezeichneten Plakaten zur Fasnachtszeit.

Noch schnell ein Kostüm mieten?

Kurzentschlossene, die morgen Freitag am Humoria-Maskenball im Stadthofsaal noch mit einem speziellen Kostüm punkten wollen, können am Vormittag noch schnell bei Andrea Pauli nachfragen. Der Kostümverleih und das Lager der Humoria Uster befindet sich mit dem Auto gut erreichbar in einem alten Munitionsdepot unterhalb von Freudwil an der Freudwilerstrasse.

«Mein erstes Fasnachtskostüm als Kind? Ich war als Schwarzer verkleidet. Schwarz geschminkt mit schwarzer Kraushaarperücke auf dem Kopf und einem Bastrock», erinnert sich Bruno Pauli (76). Und seine Frau holt aus einem Schrank ein Kostüm, auf dessen Stoff Zeitungsschlagzeilen aufgedruckt sind. «Das war mein Kostüm als Kind – ich war ein Zeitungsmädchen.»

Wagen
Mit diesem Wagen ist die Fasnachtsgruppe Familie Toborli dieses Jahr an Umzügen dabei.

Während der Fasnachtstage sind Andrea und Bruno Pauli zusammen mit Tochter Sandra, Präsidentin der Humoria Uster, und Schwiegersohn als Familie Toborli unterwegs. Die Fasnachtsgruppe ist seit vielen Jahren als Clowns verkleidet auch an Fasnachtsumzügen dabei – immer mit einem eigenen Wagen.

In diesem Jahr zum Motto «Fasnachtsfabrik». In Anlehnung der Fischer Bettwarenfabrik in Au-Wädenswil, deren TV-Werbung legendär ist, stehen auf ihren Wagen diesmal zahlreiche Bettwaren-Waschmaschinen. Zudem zahlreiche dekorierte Püppchen. In anderen Jahren war die Famili Toborli auch schon mit einem Hippie-Bus-Wagen oder einem grossen Fonduetopf unter dem Motto «Chli stinke muess es» unterwegs. Nächstes Mal zu sehen sind sie an den Fasnachtsumzügen in Grüningen am 21. Februar und tags darauf in Robenhausen.

«Es könnten mehr sein»

Die Fasnachtsgesellschaft Humoria Uster ist sozusagen die Hüterin der Fasnachtskultur in Uster. «Früher gab es viele Fasnachtsgesellschaften, jetzt sind wir noch die letzte», erklärt das Ehepaar Pauli. So organisierte die Humoria nicht nur den Kindermaskenball vom Dienstag, sondern auch den Maskenball von morgen Freitag ab 19.30 Uhr im Stadthofsaal. «Es kommen bis zu 300 Personen – es dürfen aber schon noch mehr sein. Je mehr Fasnächtler da sind, desto grösser ist die Party», wirbt das Duo noch zum Schluss.

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