Diese Überbauung verändert im Zentrum von Gossau fast alles
2028 wohl bezugsbereit
Das Siegerprojekt für die Aufwertung des Gossauer Zentrums steht fest. Bereits in zwei Jahren will die Accum AG als Bauherrin mit den Arbeiten beginnen. Der vorgegebene Zeitplan ist eng getaktet.
Der Projektwettbewerb für das grosse Bauprojekt «Büelgass» in Gossau ist abgeschlossen. Aus dem Bewerbungsverfahren mit fünf Teams sind die jungen Squadrat Architekten aus Zürich mit ihrem Projekt «Stadt-Land-Fluss» als Sieger hervorgegangen.
Am Mittwoch hat der Verwaltungsratspräsident der Accum AG, Martin Trepp, das Grossprojekt aus Sicht der Bauherrschaft präsentiert. Mit von der Partie war Christof Glaus, Architekt der Halter AG und Mitglied der Wettbewerbsjury.

Vom 23. bis 29. Mai stellt die Accum AG die verschiedenen Projekte aller Teams öffentlich aus. Das Architekturbüro ist derweil schon damit beschäftigt, sein Siegerprojekt zu einem Richtprojekt umzuwandeln.
Die Accum AG wurde 1925 gegründet und ist seit 1931 in Gossau beheimatet. Einst stellte sie Speicheröfen, Heizstrahler, Brotröster, Haushaltsapparate und Bügeleisen her. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich die AG auf Elektro-, Bahn- und Ölheizungen. 2004 wurde die Firma in die beiden Bereiche Liegenschaftsverwaltung und Accum Wärmetechnik GmbH getrennt. Der Accum Liegenschaftsverwaltung ist Eigentümerin fast aller Liegenschaften im Gebiet Büelgass.
Straffer Zeitplan
Die zentrale Frage für das Projekt lautete: Wie plant man in einer Zone, wo es schon viele bestehende Bauten gibt? «Obwohl wir modern bauen, war es uns wichtig, kein austauschbares Projekt mit dem gleichen Siedlungscharakter auszuwählen, wie es ihn fast überall gibt», erklärt Trepp.
Zudem müsse man mit dem Projekt nicht über das Bauvolumen des bestehenden Gestaltungsplans hinausbauen. Dennoch würden Anpassungen nötig sein, die gemäss Plan an der Gemeindeversammlung im Sommer 2025 verabschiedet würden. Im Jahr 2026 sollen die Bauarbeiten beginnen, damit das Areal mit Gewerbeflächen für die Post und die Raiffeisenbank sowie den 60 neuen Mietwohnungen 2028 bezugsbereit ist.
«Natürlich sind wir seit längerer Zeit mit der Gemeinde im Austausch und sehen uns in der Verantwortung, das Ortszentrum von Gossau bestmöglich aufzuwerten», betont Trepp. Die genauen Kosten für die verbundenen Bauten sind nicht publik. Es soll sich um einen zweistelligen Millionenbetrag im oberen Bereich handeln.
Wohnen, einkaufen und flanieren
Der grösste Teil des Gossauer Zentrums befindet sich im Dreieck zwischen der Grüt- und der Laufenbachstrasse sowie der Büelgass. Auf dem Areal um die bestehende Büelgass-Überbauung wird demnach ein Ensemble von Gebäuden mit Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen, das auch Coop, Migros, Post und Raiffeisenbank in Gehdistanz vereint.
«Um den Übergang von kleineren, dörflichen Strukturen zu den grossen Gebäuden des Zentrums wie dem Migros-Gebäude zu markieren, hat das Architekturteam drei Gebäudepaare entwickelt», sagt Glaus. Diese treten dereinst an die Stelle der veralteten Wohnblöcke (20 Wohnungen).
Zusammen mit den öffentlichen Plätzen sollen die Gebäudepaare einen attraktiven Auftakt zum Dorfzentrum bilden. «Auch der Platz vor dem Coop wird zu einem Aufenthaltsort umgestaltet, und die Natur entlang dem Laufenbach erhält mehr Raum.»

Dazu will die Accum AG den ziemlich grossen Platz vor dem Coop zum Leben erwecken. Gelingen soll dies mit einem schattenspendenden Baum sowie einem Pavillon, der zu vielen Zwecken genutzt werden könnte. Genaue Pläne hierfür gibt es derzeit noch nicht. «Wir sind in Bezug auf Ideen seitens der Bevölkerung oder der Vereine gerne gesprächsbereit», sagt Trepp.
Fast nur noch Garagenplätze
Beim derzeitigen Parkplatz, der direkt neben der Bushaltestelle Zentrum liegt, wird ein weiteres Gebäude entstehen. «Die Raiffeisenbank Zürcher Oberland hat sich mit Interesse an uns gewendet, da sie ihren Standort von der Grütstrasse gerne dorthin verlegen möchte», sagt Trepp.
Neben ein paar Besucherparkplätzen vor der Raiffeisenbank sollen alle bisherigen Parkplätze unterirdisch verlegt werden. «Dies ist auch ein grosser Wunsch der Gemeinde.» Die künftige Garagenzufahrt soll über die Laufenbachstrasse erfolgen. Diese könnten dann auch die Besucher der Post nutzen. Gleiches gilt für die Mieterinnen und Mieter im Coop-Gebäude, die nicht mehr separat über das Areal in die Garage fahren sollen.
Generationen vereinen
Gemäss dem Verwaltungsratspräsidenten hat man bisher durchwegs positive Reaktionen bezüglich des Grossprojekts erhalten. «Auch die Mieter der bisherigen 20 Wohnungen haben offen betont, dass sie den Abriss der Gebäude aus den Siebzigerjahren nachvollziehen.»
Diesen Mietern will die Accum AG eine gewisse Vorlaufzeit gewähren, um Folgemieter zu werden, bevor die neuen Wohnungen öffentlich angeboten werden. Geplant sind 2½- bis 5½-Zimmer-Wohnungen, die sich für jüngere wie ältere Menschen oder Familien eignen. Die Preise im Vergleich zu den noch bestehenden Wohnungen würden sich zwar steigern, aber noch immer im mittleren Preissegment liegen.
Keine Gastronomie
Trotz den verschiedenen Aufwertungsmassnahmen bleibt ein Wermutstropfen. Es hat sich niemand aus der Gastronomie gemeldet, der vielleicht ein Restaurant oder einen Imbissstand auf dem Areal hätte betreiben wollen.
Dies hätte den durchgängigen Begegnungszonen vor allem bei schönem Wetter noch eine zusätzliche Aufwertung verliehen, die sich die Accum AG gross auf die Fahne geschrieben hat. Die vergangenen Jahre haben laut Trepp verdeutlicht, dass die Führung eines Gastrobetriebs in dieser Zone äusserst schwierig ist. «Darum haben wir ein solches Angebot nicht vorgesehen.»
Öffentliche Ausstellung Projektwettbewerb «Büelgass»
Wo: Im Zentrum 1 (Migros-Gebäude, 1. Stock), Gossau.
Wann: Samstag, 25. Mai, 9 bis 12 Uhr, Dienstag, 28. Mai, 17 bis 20 Uhr und Mittwoch, 29. Mai, 17 bis 20 Uhr. Weitere Informationen finden Sie unter www.buelgass.ch.