Diese Teenager verhalfen Uster zum Aufstieg
Frauen vom TTC Uster wieder im Oberhaus
Die Frauen des TTC Uster sind in die höchste Liga aufgestiegen – und dabei spielten zwei Mädchen im Primarschulalter entscheidende Rollen.
Knapper kann man ein Duell kaum gewinnen. Die NLB-Frauen des TTC Uster und Wädenswil schenkten sich im Final um den Aufstieg in die höchste Schweizer Liga nichts. Am Ende stand es 5:5 nach Siegen und 18:18 nach Sätzen. Entscheidend waren letzlich die Punkte, wo Uster die Nase mit 336:319 knapp vorn hatte. Denkwürdig war der Aufstieg aber nicht nur wegen dieser knappen Entscheidung.
Wer sind die beiden Schwestern, die in Uster für Furore sorgten?
Es klingt paradox: Michelle (12) und Emily Wu (10) sind eigentlich die grossen Figuren des Ustermer Aufstiegs in die Swiss Table Tennis League (STTL). Michelle Wu gehört europäisch zu den Top-15 im U13-Alter und verfügt über die beste Klassierung (A16) der Ustermer Aufstiegsequipe. Im entscheidenden Duell gegen Wädenswil gewann sie alle ihre Einzel. Emily Wu rückte nach, weil sich die eigentliche Stammspielerin Lia Sierra verletzte.
Die beiden in der Stadt Zürich lebenden Mädchen sind im Schweizer Nachwuchskader, haben chinesische Wurzeln und waren bei Zürich-Affoltern, als ihr Onkel, einst selber Tischtennisspieler, an einem Turnier auf den TTC Uster aufmerksam wurde. Zwar gibt es in Uster keine Leistungssportstruktur (mehr) – ausschlaggebend war etwas anderes, ein sogenannt weicher Faktor: der soziale Zusammenhalt. «Die Mädchen haben eine gute Gruppendynamik», sagt Susanne Gutknecht vom TTC Uster. «Für den Onkel der Wu-Schwestern, der die beiden sportlich betreut, war es wohl wichtig, dass sie nicht nur den Sport haben, sondern auch dieses Element.»
Interessant dabei: Die Gruppendynamik basiert auch auf einem Projekt, das als Maturaarbeit von Nina Gutknecht entstanden ist, die nun der Teamcaptain der erfolgreichen Ustermer NLB-Equipe ist.

Was bedeutet der Aufstieg für den Tischtennisclub Uster?
Uster bleibt damit nicht nur attraktiv für die Wu-Schwestern, sondern hat den Vorteil, dass durch den Aufstieg gewissermassen die «Staugefahr» im Nachwuchs geringer wird. Während in anderen Klubs Mädchenmangel herrscht, führt Uster auf den jüngsten Stufen auch reine Mädchengruppen. Der TTC Uster ist einer der Klubs mit schweizweit am meisten Nachwuchsspielerinnen – 15 sind es in zwei Trainingsgruppen. Es gab schon Überlegungen, ein zweites NLB-Team zu stellen, das allerdings in der aufgrund von Distanzen unattraktiven und vom Niveau her schwächeren Westgruppe hätte spielen müssen.
Nun aber könnte Uster künftig auf allen Stufen vertreten sein. Das Erstliga-Team steht nämlich vor dem Aufstieg in die NLB. Gelingt das, wird man in Uster aller Voraussicht nach zusätzlich ein neues Erstliga-Team stellen, in dem die jüngsten Nachwuchsspielerinnen ohne Druck und an der Seite von erwachsenen Teamkolleginnen Spielpraxis sammeln können.
Wie aussergewöhnlich ist es, dass so junge Spielerinnen eine so grosse Rolle spielen?
Eigentlich sehr aussergewöhnlich, «auf diesem Niveau habe ich das in 30 Jahren nicht gesehen», sagt Susanne Gutknecht. Die Ausnahme gibt es aber gleich an zwei Orten. Beim STTL-Team Rio-Star Muttenz spielen die Schwestern Enya und Elina Hu, die gleich alt sind wie die Wu-Schwestern in Uster.
Interessant ist die Tatsache, dass die Altersspanne in der höchsten Liga sehr breit ist: Auf der einen Seite Mädchen, die kaum in der Pubertät sind – und auf der anderen Seite Frauen, die das Rentenalter bereits erreicht haben. Die in Wetzikon lebende Elmira Antonyan etwa wird in diesem Jahr 70. Sie spielte jahrelang für Uster in der NLA, war dabei, als Uster 2019 Vizemeister wurde, und ist noch immer in der höchsten Liga am Start. Derzeit spielt sie bei den Young Stars Zürich, die zudem zwei weitere Spielerinnen im Ü50-Alter gemeldet haben.
Was muss man über die höchste Schweizer Frauenliga wissen?
Sie heisst seit einigen Jahren nicht mehr Nationalliga A, sondern Swiss Table Tennis League, umfasst aber wie vorher sechs Teams, von denen die ersten fünf in der letzten Saison relativ eng beisammen waren. Dominanter Klub war lange der TTC Neuhausen, der seit 2005 14 Meistertitel gewonnen hat, in den letzten beiden Saisons aber Lancy den Vortritt lassen musste. Die beiden Teams beendeten die Qualifikation heuer auf den Rängen 1 und 2 und stehen sich im Super-Final am 24. Mai gegenüber.
Geht es in dieser Liga ohne teure ausländische Verstärkung?
Komplett ohne Verstärkungsspielerinnen dürfte es zumindest für die Spitzenränge nicht gehen. Aber Susanne Gutknecht stellt die Tendenz fest, dass die Klubs wieder vermehrt auf Eigengewächse setzen. «Es dominierten nicht mehr jene Teams, die am meisten Geld ausgeben.» Lancy beispielsweise hat Nachwuchsspielerinnen im Team, aber auch die Französin Bérénice Marteau. «Sie gibt den Jungen Halt und trägt sie», sagt Gutknecht.
Wie will sich Uster in der STTL positionieren?
Als die Ustermerinnen 2018 letztmals den Wiederaufstieg geschafft hatten, folgte gleich darauf der Vize-Meistertitel. Doch dann traten Leistungsträgerinnen wie Céline Reust nach und nach kürzer und legten den Fokus beispielsweise aufs Studium. Deshalb gelang es Uster nicht, sich nachhaltig in der Spitzengruppe zu etablieren. 2022 folgte die Relegation.
Dass Uster nun ins Oberhaus zurückkehrt, war nicht von langer Hand geplant – entsprechend werden die Ustermerinnen auch nicht gleich Titelambitionen verfolgen, sondern wollen sich auf höchstem Level wieder etablieren. Leicht wird das nicht werden, wie das Beispiel des letzten Aufsteigers Lausanne zeigt, der ohne einen einzigen Sieg sang- und klanglos wieder abstieg. Klar ist auch, dass Uster zumindest eine Verstärkungsspielerin benötigen wird.