Diese närrische Freundschaft reicht von Uster bis nach Prenzlau
Gemeinsame Fasnacht trotz Entfernung
Hoher Besuch an der Ustermer Fasnacht: Die Fasnachtsgesellschaft Humoria Uster empfängt ein Prinzenpaar aus der deutschen Partnerstadt Prenzlau. Ein Einblick in die royalen Tätigkeiten.
Hat das neue Jahr erst einmal begonnen, sind die Narren nicht mehr weit. Ab Mitte Februar vertreiben Guggenmusik, Konfetti und Schlager den Winter – die Fasnacht hält Einzug.
In Uster wird dieses Jahr hoher Besuch erwartet: Der Prenzlauer Carnevalclub (PCC) reist fürs Fasnachtswochenende an, um mit den Ustermer Fasnächtlern zu feiern. «Ein närrisches Treffen, das die Städtefreundschaft lebendig hält», sagt Sandra Pauli, Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft (FG) Humoria Uster.
Prenzlau liegt im Norden Deutschlands, 100 Kilometer nordwestlich von Berlin und rund elf Autostunden von Uster entfernt. Eine Distanz, die beidseitig gerne überwunden wird; seit 1996 pflegen Uster und Prenzlau eine Städtepartnerschaft.
Diese Verbindung wird aber nicht nur auf politischer Ebene gelebt. 2001 fand eine erste Kontaktaufnahme zwischen den beiden Fasnachtsvereinen statt, 2002 reiste die FG Humoria Uster dann das erste Mal nach Prenzlau, und ein Jahr später kamen die Prenzlauer in die Schweiz. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Silvio Grensing, Präsident des Prenzlauer Carnevalclubs.
Ein Prinzenpaar für Uster
Die gegenseitigen Besuche sind seither fester Bestandteil der jeweiligen Fasnachtssaison. In geraden Jahren reist die FG Humoria Uster nach Prenzlau, in ungeraden Jahren nimmt der PCC die Reise nach Uster auf sich; immer dann, wenn in Uster der grosse Fasnachtsumzug stattfindet. «Dadurch wird dieser noch etwas spezieller», sagt Humoria-Präsidentin Pauli.
Vor allem auch, weil die Narren aus Deutschland zwei besondere Gäste mitbringen: das Prinzenpaar. Ein Brauch, der hier kaum bekannt, in Deutschland jedoch weit verbreitet ist.
Wie der Name schon sagt, besteht das Prinzenpaar meist aus einem Prinzen und einer Prinzessin. Es gibt auch Fälle, wo die Prinzessin allein regiert. «Das Prinzenpaar ist ein ganz wichtiges Aushängeschild, es repräsentiert den Verein während der Saison», erklärt Silvio Grensing vom PCC.
Das Paar vertritt den Verein an örtlichen Feierlichkeiten, bei Umzügen, an Bällen und anderen Veranstaltungen und herrscht – symbolisch betrachtet – während dieser Zeit über die Stadt. «Die Prinzessin und der Prinz sollen die Freude und den Spass an Karneval nach aussen tragen», sagt Grensing.
Ein Traum seit Kindheitstagen
Eine Aufgabe, der sich Anja Strebelow und Kai Jackwitz in der Saison 2023/2024 annahmen. Sie verkörperten das damalige Prinzenpaar und reisten Anfang März mit dem PCC nach Uster. Dass ein ehemaliges und nicht das aktuelle Paar kommt, hat einen einfachen Grund. «Die aktuellen Hoheiten sind verhindert», so Grensing.
Ein Umstand, der Strebelow gelegen kommt; sie darf deshalb zurück in ihre Rolle als Prinzessin schlüpfen. «Rein ins Kostüm, und wir sind zurück, wo wir mal waren», sagt die 42-Jährige. Sie blickt gerne zurück auf ihre Zeit als Prinzessin von Prenzlau: Es sei eine aufregende Zeit gewesen. «Karneval ist schon seit meiner Kindheit ein Teil meines Lebens. Einmal Prinzessin sein, das war mein Traum!»
Als ihre Tochter dann dem PCC beitrat, wuchs Strebelows Bezug zum Prenzlauer Karneval, was der Prinzessinnenrolle noch mehr Bedeutung gab. 2023 fragte der Verein sie dann an, ob sie die Prinzessin sein will. Ihre Antwort? «Ja, aber nur, wenn ich einen schönen Prinzen kriege!»


Dass Kai Jackwitz die Rolle als Prinz übernimmt, war eigentlich nicht sein Plan. Karneval spiele zwar in seinem Leben eine grosse Rolle – «die ganze Familie ist im Verein» –, aber das Prinzendasein sei nichts, was er angestrebt habe. Dann ist der PCC aktiv an ihn herangetreten, weil ein Prinz für Anja fehlte. «Ich wollte zuerst nicht, liess mich dann aber überreden. Zum Glück!»
Seiner 20-jährigen Tochter, die seit 16 Jahren für den PCC tanzt, hat er nichts davon erzählt; sie sah ihren Papa bei dessen Krönung zum ersten Mal als Prinz. «Ihr war es nicht peinlich, sie fand es cool», sagt der ehemalige Prinz und lacht.
Eine Berufung, keine Entscheidung
Ihre Session, wie die Zeit als Prinzenpaar genannt wird, behalten die beiden in positiver Erinnerung. «Prinz oder Prinzessin zu sein, ist keine Entscheidung, sondern eine Berufung, die man aus Überzeugung und mit Herz macht», sagt Anja Strebelow.
Sie hätte im Voraus gerne gewusst, wie viele emotionale Momente es geben wird. «Ich musste oft Freudentränen zurückhalten», erzählt sie. Die Krone wieder abzugeben, fiel ihr sehr schwer. «Es hat mich mit Stolz erfüllt, meinen Verein und meine Stadt repräsentieren zu dürfen.»
Jackwitz hält sich kurz in seinem Fazit: «Anstrengend war es nicht, aber viel zu schnell vorbei.» Und: «Das Anstrengendste war das An- und Ausziehen der Kostüme!»
Musikalische, inhaltliche und farbliche Unterschiede
Nun schlüpfen die beiden für den Besuch in Uster nochmals in ihre Kostüme und somit auch in ihre Rolle als Prinz und Prinzessin. Auch Präsident Silvio Grensing ist mit von der Partie. Sie alle freuen sich auf die Schweizer Fasnacht. Diese unterscheide sich sehr stark von der Faschingskultur in Deutschland.
Die Musik sei beispielsweise ganz anders. «Als ich das erste Mal in Uster war, hatte ich einen Schock – aber positiv», führt Grensing aus. Er habe sich schnell in die Guggenmusik verliebt.
In Deutschland hingegen gibt es eher Karnevalsbands oder Stimmungskapellen. Diese spielen traditionelle Karnevalshits oder Stimmungsmusik. Das töne ganz anders als die Musik der Guggen.
Ausserdem unterscheide sich das ganze Programm der Fasnacht stark. «In Prenzlau liegt der Fokus auf Tanzvorführungen von Garden, Parodien, Solisten oder der Büttenrede», führt Grensing aus. Bei Letzterem nimmt eine Rednerin oder ein Redner oft aktuelle gesellschaftliche oder politische Themen auf die Schippe.
Ein Auftritt der Prinzengarde: Tanzeinlagen wie diese spielen am deutschen Karneval eine grosse Rolle.
Ein Unterschied bleibt sprichwörtlich haften, selbst noch lange nach der Fasnacht: «Ich finde heute noch Konfetti von meinem letzten Besuch in der Schweiz in meinen Kleidern», sagt Grensing und lacht.
Die bunten Papierschnipsel sind in Deutschland kaum ein Thema, in gewissen Städten sogar verboten. «Oft trägt man als Verein halt die Reinigungskosten. Die Millionen Schnipsel zu beseitigen, geht ins Geld», führt Grensing die Gründe aus.
Und doch ist Konfetti mittlerweile ein fester Bestandteil des Karnevals ins Prenzlau. Vor allem, wenn die Ustermer zu Besuch kommen. «Wir haben starke Staubsauger», sagt Grensing mit einem Grinsen.
Ustermer Fasnacht 2025
Am Sonntag, 9. März, folgt dann der grosse Fasnachtsumzug. Dieser startet um 14.30 Uhr und führt durch das Stadtzentrum. An diesem Umzug laufen 33 Gruppen mit, darunter auch der Prenzlauer Carnevalclub und das letztjährige Prinzenpaar. Nach dem Umzug wird im Stadthofsaal die «Uslumpätä» gefeiert, der glorreiche Abschluss des Wochenendes.
Am Freitag, 14. März, findet in der reformierten Kirche noch der Fasnachtsgottesdienst statt. Dieser startet um 19 Uhr. (tas)