Die Zwillinge aus Pfäffikon gehen auf Tournee – mit Boxhandschuhen
Komikerduo
Vorfreude und Erschöpfung: Die Zwillinge sind im Endspurt für ihre neue Show. Dieses Mal soll es weniger Zwillingswitze geben. Die Gürtellinie wird dennoch unterschritten.
Der Proberaum des Comedy-Duos Die Zwillinge wirkt wie ein Relikt aus Teenagerzeiten. Ein Schülerkeller in Pfäffikon, alles ist improvisiert und voller Spuren vergangener Auftritte: Hinter dem Sofa hängen Plakate von Shows, oben an der Wand klemmt ein kleines Einhorn aus Plüsch hinter einem Rohr, neben den drei ganz unterschiedlichen Sesseln und dem kleinen Sofa stapeln sich Boxen mit Requisiten, obenauf liegt ein pinkes Tutu neben Boxhandschuhen. Das neue Bühnenprogramm von Roland und Matthias Portmann heisst «Voll auf die 2».
Der Titel ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. «Schon, dass wir gegeneinander antreten, ‹chiflen›, uns messen und auch mal unter die Gürtellinie gehen», sagt Roland Portmann, der fünf Minuten jüngere Zwilling.
Auf der Bühne wechseln die eineiigen Zwillinge mühelos die Rollen, feste Hierarchien gibt es keine. «Natürlich kokettieren wir damit, dass ich als Erstgeborener der Chef bin», sagt Matthias Portmann und schmunzelt. Tatsächlich entsteht die Rollenverteilung im Prozess: Wer welche Figur übernimmt, entwickelt sich in den Proben meist organisch.
Gleiche Kleidung – Zufall?
Für das Fotoshooting erscheinen die Zwillinge tatsächlich im Partnerlook. «Wir waren davor grad noch eingeladen bei einem Talk im TV», erklärt Roland Portmann fast entschuldigend.



Eine telepathische Verbindung schreiben ihnen als eineiigen Zwillingen viele zu. Die beiden relativieren. Nein, das funktioniere nicht. «Ich spüre ihn gar nicht, wenn wir uns nicht sehen», sagt Roland Portmann. «Stell Dir vor, Matthias ist zu Hause und macht Liebe mit seiner Frau, und ich hätte plötzlich so ein Kribbeln im Bauch …» Beide lachen.
«Aber», wirft Roland Portmann ein, «wir ziehen schon manchmal das Gleiche an, ohne dass wir es voneinander wissen. Und das Krasseste war, als wir beide zur genau gleichen Zeit eine Frozen Shoulder hatten. Wir konnten beide für ein Dreivierteljahr den Arm nicht heben.»
Die beiden sind bekannt für ihre klassischen Zwillingspranks. Wie in einem Youtube-Video, in dem einer der beiden sich hinter einer Werbetafel versteckt, der andere auf der Strasse Menschen anspricht – danach hinter der Tafel verschwindet und dann unglaublich schnell in anderer Kleidung die Passanten noch einmal überrascht.
Auch im Proberaum sind einige Kostüme zu sehen. Aus einer der Requisitenkisten quillt ein pinker Tüllstoff hervor. Ob es eine Nummer im Tutu ins Programm geschafft hat, lassen die beiden aber offen.
«Wir wollten auf jeden Fall etwas weniger Kostümwechsel als im ersten Programm», sagt Matthias Portmann bestimmt. «Das haben wir aber nicht geschafft», ergänzt sein Bruder und lacht. Mehr verraten sie nicht. Ausser: Das Programm werde abwechslungsreich, es gebe Stand-up-Comedy-Elemente, Videoeinspieler, Musik und klassische Sketche.

Anders als bei einem einzelnen Stand-up-Comedian funktioniert hier alles im Doppel. «Auf der Bühne können wir nicht spontan komplett ausbrechen», sagt Matthias Portmann. «Wir folgen schon einem Skript.» Da habe ein einzelner Stand-up-Comedian mehr Spielraum. «Da wir zu zweit sind, sind wir aufeinander angewiesen.»
Es gebe es aber auch, dass es manchmal in eine komplett andere Richtung gehe, weil sich einer nicht an die Abmachungen halte. «Dann kann es vorkommen, dass wir auf der Bühne einen Lachflash kriegen», sagt Roland Portmann.
Einen festen Raum für spontane Momente gibt es im zweiten Teil ihres neuen Programms. Dann beantworten die beiden Fragen aus dem Publikum, die während der Show per SMS eingehen. «Oft wird nach unserer Arbeit gefragt», so Roland Portmann. «Spätestens dann kommen die Polizeiwitze.»
Was guter Humor ist
Matthias Portmann arbeitet bei der Kriminalpolizei – dieser Hintergrund fliesst manchmal auch mit ein. «Es ist wichtig, dass man auch über sich selbst lachen kann», sagt er. «Dann kommen alle einmal dran – auch ich selbst.»
Das Komikerduo zielt zwischendurch auch unter die Gürtellinie. Die Zwillinge machen das, was sie selber lustig finden. «Alles andere wäre nicht authentisch», erklärt Roland Portmann. Es sei eine Frage der Dosis – und wie man die Witze einbette.
«Als Komiker brauchst du eine dicke Haut.»
Roland Portmann
Mitglied des Komikerduos Die Zwillinge
Der Weg dorthin ist ein Prozess. Vor einem ersten Try out wird das Programm gewissermassen «im Trockenen» entwickelt. «Du hast keine Ahnung, was funktioniert und was nicht», sagt Roland Portmann. «Als Komiker brauchst du eine dicke Haut.»
Der Moment auf der Bühne bringt die entscheidenden Erkenntnisse. «Es ist eine Erleichterung, wenn man merkt, dass der Flow stimmt und die Lacher kommen», so sein Bruder. Danach wird weiter gefeilt, gestrichen, angepasst – oft auch im Austausch mit Sparringpartnern.
«Ich würde ja schon gerne noch schwärzeren Humor auf die Bühne bringen, wie es die Engländer tun, aber das kannst du in der Schweiz nicht bringen», sagt Roland Portmann.
Zwei- oder dreimal die Woche treffen sich die Zwillinge in ihrem Proberaum. Vor allem so wie jetzt, kurz vor der Premiere. «Ausserhalb der Comedy sehen wir uns selten», sagt Matthias Portmann. Für Firmenanlässe und andere Auftritte sind die beiden oft unterwegs im Auto oder übernachten im Hotel. Witze entstehen auch dort, sie entstehen überall.
Humor und KI
Haben sie auch schon Witze von künstlicher Intelligenz schreiben lassen? «Ja», sagt Roland Portmann. «Aber das Ergebnis war absurd unlustig.» Bei einem Firmenanlass hätten sie diese Texte sogar einmal bewusst vorgespielt – als Beispiel dafür, wie Humor eben nicht funktioniere. Als Inspirationsquelle tauge KI durchaus, etwa für einzelne Formulierungen oder Denkanstösse. «Als Ganzes ist das aber nicht treffsicher genug», meint Matthias Portmann.
Ein schlechtes Publikum gibt es nicht
Wenn die beiden nach Auftritten und Firmenanlässen nach Hause fahren, analysieren sie den Abend. Nicht selten mit unterschiedlichen Einschätzungen. «Für den einen wars super, für den anderen manchmal weniger», sagt Roland Portmann. Ein schlechtes Publikum gebe es für sie aber nicht. «Wenn es nicht funktioniert, haben wir es nicht geschafft, es abzuholen.»
Gerade bei Firmenanlässen sei das eine Herausforderung. «Dort kann es vorkommen, dass die Leute gar nicht an Comedy interessiert sind oder lieber miteinander reden, als zuzuhören», sagt Roland Portmann. Bei ihren eigenen Shows hingegen komme ein Publikum, das bewusst Comedy sehen wolle.
Auch neue Formate schliessen sie nicht aus. Einen gemeinsamen Podcast wie denjenigen der Kaulitz-Zwillinge? «Wieso nicht», sagen beide. Ideen gebe es genug. Im Moment aber liegt der Fokus klar auf der Bühne. Nach der Pandemie sei es schwieriger geworden, Publikum zu mobilisieren. «Die Leute gehen weniger oft ins Theater oder in Comedyshows», sagen sie. Umso mehr freuen sie sich darauf, ihr neues Programm zu zeigen.
«Voll auf die 2» mit den Zwillingen
Mit ihrem neuen Programm «Voll auf die 2» zünden die beiden Komiker Die Zwillinge ein Feuerwerk aus Witz, Tempo und scharfem Humor. Sie schlüpfen dabei in urkomische Rollen. Wer von ihnen Roland und wer Matthias Portmann ist, bleibt natürlich ihr Geheimnis.
Premiere ist am Samstag, 11. April, um 20 Uhr in der Oberen Mühle in Dübendorf. Tickets und weitere Termine sind unter www.diezwillinge.ch/termine-tickets zu finden.