Die Sternenberger Neu-Bauern setzen auf Kräuter und Zeltferien
Vor rund zweieinhalb Jahren haben Martina und Andreas Guyer den Schürlihof in Sternenberg gekauft. Die beiden sind Quereinsteiger in der Landwirtschaft. «Da wir aber nur achteinhalb Hektaren Land haben, müssen wir weiterhin auch auswärtig arbeiten», erklärt Andreas Guyer.
Seine Frau arbeitet Teilzeit als Lehrerin, er ist im Nachtpikettdienst in einem Kinderheim tätig. Finanziell gesehen sind diese Jobs ihre Haupteinnahmequellen. «Doch wenn wir die Stunden betrachten, ist der Bauernhof ganz klar unsere Hauptbeschäftigung.»
Auf dem Schürlihof oberhalb von Sternenberg kümmern sich die beiden Neu-Bauern um Schafe, Ziegen, Hühner – und seit letztem Herbst auch um neun Kühe. Damals haben sie den Stall umgebaut, damit sich Tiere darin frei bewegen können.
Fleisch gibt Geld
Das meiste Geld beim Landwirten verdienen die beiden mit dem Verkauf von Fleisch – bisher fast ausschliesslich im Direktverkauf. Ihre Abnehmer finden sie zum einen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Und ganz klassisch durch das Verteilen von Flyern.
«Für einen Hof unserer Grösse macht dieser Vertrieb am meisten Sinn», ist Martina Guyer überzeugt. «Ausserdem ist es schöner, wenn man die Kontrolle behält.»
«Wie andere Betriebe auch, müssen wir genau rechnen.»
Andreas Guyer, Bauer aus Sternenberg
Für den Grossverteiler müsse ein Tier genau den Normen entsprechen. «Ist es zu fett oder zu mager erhalten wir weniger Geld», ergänzt ihr Ehemann. Wenn das Fleisch dann nicht verkauft werde, werde es am Schluss noch mit Rabatt veräussert oder gar entsorgt. «Und für das wollen wir ein Rind nicht töten», betont die Bäuerin.
Kastanien und Pilze
Die Fleischproduktion wollen sie in Zukunft noch weiter ausbauen: «Unser Ziel ist es, jährlich rund 1000 Kilogramm Rindfleisch und 150 Kilo Lammfleisch zu produzieren», meint Andreas Guyer. Ihren Schafbestand haben die beiden letztes Jahr bereits reduziert. «Rindfleisch ist für uns lukrativer», erklären sie unverblümt. «Wie andere Betriebe auch, müssen wir genau rechnen.»
Trotzdem werden die Guyers auch in Zukunft nicht nur auf den Fleischverkauf setzen. «Wir befinden uns in einer Testphase», betont Martina Guyer. So hat sie beispielsweise einen Garten mit Kräutern angelegt. «Von diesen möchte ich bald Tinkturen oder Tee-Mischungen herstellen», sagt sie.
Zudem hat sie einige Holzstämme mit Pilzbrut geimpft, damit sie bald ihre eigenen Pilze züchten kann. Die Stämme lagern aktuell noch im Keller. «Sobald erste Pilze wachsen, kommen sie an einen schattigen Platz.» Von diesen gebe es auf dem Hof genug.
Experimente erlaubt
Auch zwei Kastanienbäume, die tiefe Wurzeln schlagen und als hitzebeständig gelten, möchte Andreas Guyer setzen. «Da wir noch wir noch unsere gesicherten Einkünfte haben, können wir uns diese Experimente auch erlauben.»
Ein weiteres Experiment betreiben die beiden abseits der klassischen Landwirtschaft im Agrar-Tourismus. Bereits im letzten Jahr sammelten Guyers erste Erfahrungen als Gastgeber. Damals standen bei ihnen zwei spezielle Bungalows, mit je einem Fenster über dem Bett. Aus der sogenannten Star Base konnten die Übernachtungsgäste in der Nacht den Sternenhimmel beobachten.
Das Projekt hatten zwei Reiseblogger initiiert. Doch die Betreuung der Gäste übernahmen Guyers – und sind so auf den Geschmack gekommen. «Es war zwar sehr anstrengend, aber wir haben den Austausch mit den Gästen sehr geschätzt», sagt Andreas Guyer.
«Tente à Tête»
Deshalb haben sie nach einer Alternative gesucht und dieses Jahr auf ihrem Land ein Zelt für die Übernachtungsgäste aufgestellt.
«Tente à Tête» nennen die beiden ihr neues Angebot. 95 Franken kostet eine Übernachtung im Zelt, indem sich ein Bett für zwei Personen befindet. Frühstück inklusive.
«Für uns ist es auch immer wieder eine Möglichkeit, Abnehmer für unser Fleisch zu finden», sagt Andreas Guyer. So bieten sie den Gästen gegen einen Aufpreis zum Beispiel eine Grillplatte an. «Die Leute schätzen dieses Angebot sehr.»
Die ersten Buchungen haben Guyers bereits erhalten. Im Gegensatz zur Star Base wollen sie es aber etwas lockerer angehen. «Gewisse Tage werden wir sperren, so dass wir auch einmal eine Pause haben.»
Und mindestens einmal wollen sie selber im Zelt übernachten. «Nur schade, dass uns dann niemand das Frühstück bringt.»