Die Partnersuche: Warum sie für viele Landwirte schwierig ist
Wie lernen sich Bäuerinnen und Bauern kennen? Halten ihre Ehen? Und wie attraktiv ist ein «geschlossenes» Leben auf einem Hof überhaupt? Eine Suche nach Antworten.
Wussten Sie, dass Bauern im Schnitt 2,6 Traktoren besitzen, aber ein Viertel von ihnen keine Partnerin hat? Etwas zugespitzt und doch einer gehörigen Portion Ernsthaftigkeit hiess es im Volksmund: «Wenn Du Dir einen Bauern angelst, dann muss er immerhin reich sein.» Das Leben auf Höfen galt und gilt noch immer als entbehrungsreich und wenig attraktiv. Keine Ferien, kein Ausgang, dafür umso mehr Arbeit. Gemäss Agrarberichten der letzten Jahre arbeiten Landwirte durchschnittlich über 54 Stunden. In der Hochsaison mehr als 60 Stunden.
Eine junge Frau, die sich im letzten Jahrhundert auf einem Hof niederliess und sich für einen Bauern entschied, blieb dort meist bis zu ihrem Lebensende. Aber wie funktioniert das mit der Partnersuche in der Landwirtschaft heute? Und wo will man mit einem Leben, das sich hauptsächlich auf einem Hof abspielt, überhaupt eine Partnerin oder einen Partner finden?
Die Suche nach alleinstehenden Landwirten aus der Region, die ohne Scheuklappen über das Thema berichten, gestaltete sich schwierig. Vielen war es zu persönlich, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Manche haben in Sachen Liebe eine fixe Idee im Kopf, die mit der Realität meist nicht so ganz kompatibel ist. Wenn sich im Gepäck des eines potenziellen Partners dann noch ein zu bewirtender Bauernhof befindet, wird es in der Regel noch schwieriger mit einer ernsten Beziehung, wenn überhaupt einem ersten Kennenlernen.
Nicht allen hilft das Fernsehen
Der bekannteste Versuch, die Partnersuche von Landwirten zu veranschaulichen und am besten mit Erfolg zu krönen, ist die äusserst erfolgreiche Sendung «Bauer, ledig, sucht …», die hierzulande seit 2008 jeweils von Ende August bis Mitte Dezember mit einer neuen Staffel wöchentlich ausgestrahlt wird.
Gefühlt läuft die Sendung jedoch das ganze Jahr über, da der TV-Sender 3+ zu Senderandzeiten immer wieder Wiederholungen von alten Staffeln ausstrahlt. Also doch jede Woche Knistergefühle und zwischenmenschliche Geschichten direkt vom Lande – wenn auch ohne garantiertes Happy End.

«Noch einfacher geht es aber sicher über die Dating-Seite verliebt.bauernzeitung.ch» – heisst es zumindest auf dieser Plattform. Landwirte oder Bäuerinnen hätten grundsätzlich nur wenig Zeit und meist auch nicht die Gelegenheit, im Ausgang Gleichgesinnte kennenzulernen.
Ohnehin findet die Partnersuche heutzutage allgemein eher im Internet statt. Bei verliebt.bauernzeitung.ch sei es noch einfacher, da der Fächer hier etwas weniger breit ist und wegen der Rubrik Landwirtschaft sowieso gleich alle wüssten, worauf sie sich einlassen. «Gleich und gleich gesellt sich gern», finde hier laut den Betreibern tatsächlich statt.
Dann sind da auch noch zwei weitere Seiten für «farmersingles», wie sie im Internet genannt werden. Und zwar: zweisam.ch oder singelbuure.ch. Die in der Branche gern gelesene Zeitung «Schweizer Bauer» stellt online Kontaktanzeigen zur Verfügung.
Das Heu auf der gleichen Bühne
Sofern nicht alles in die komplett falsche Richtung geht, schweisst ein Leben auf einem Hof grundsätzlich eng zusammen. Wie alles hat diese Nähe Vor- und Nachteile, wie aus Gesprächen mit Landwirten in der Region hervorgeht. Und selbst wenn einmal nicht alles rund laufe, verbinde und verpflichte das Paar die strenge Arbeit zugleich. Bis es aber wie in den besten Fällen zu solch einer Verbundenheit kommen kann, müssen sich die Paare in der Landwirtschaft erst einmal finden, sprich bilden.
Denn aus mehreren Volkszählungen der letzten Jahre resultierte ein eher negatives Bild: gemäss Schätzungen war im Jahr 2000 jeder vierte Bauer Single. Und diese Zahlen dürften sich nicht allzu sehr verändert haben.
Zudem: Entscheidet sich eine Frau für eine Ehe mit einem Bauern, steht sie nach einer Trennung oder Scheidung meist vor dem nichts. Denn der Grossteil der Bäuerinnen arbeitet auf dem Hof ihrer Ehemänner – laut dem Bäuerinnen- und Landfrauenverband tun dies 70 Prozent von ihnen, rund 30’000 Frauen, ohne Entlöhnung, also auch ohne Vorsorge. Die Scheidungsrate liegt bei 40 Prozent. An erster Stelle steht der Hof oder das Wohl der Tiere. Eigene Bedürfnisse werden hintangestellt, Selbstverwirklichung ist sowohl für «sie» als auch für «ihn» eher ein Fremdwort.
Eine Frau mit Hof
In der Regel ist es so, dass sich ein Bauer mit einem Hof eine geeignete Partnerin sucht. Bei Claudia Ulrich von der Seeholz Farm beim Katzensee in Regensdorf war es genau umgekehrt. Sie übernahm den Hof 2012 von ihren Eltern und suchte nach einem Partner: «Für mich war klar, dass ich einen Bauern brauche. Aber wo finde ich einen Bauern, der nicht schon selber einen Hof hat?»
Die Problematik kannte sie auch von Berufskolleginnen. Aber die Bäuerin hatte Glück und lernte wenig später ihren Mann Stefan, mit dem sie zwei Kinder hat, zufällig in Mallorca kennen. Trotz dem Eheglück kamen die beiden auf die Idee, Single-Partys für Bäuerinnen und Bauern auf ihrem Hof zu organisieren. «Ohne meinen Mann hätte ich den Mut dazu wohl nicht gehabt», sagt Ulrich.
Früher waren es ab und an mehrere, jetzt organisieren sie noch eine grosse Single-Party pro Jahr mit jeweils bis zu 250 Besuchern. «Wir freuen uns immer, wenn sich daraus Paare ergeben, die sich nochmals melden und sich dankbar an die Partys zurückerinnern.»
Pro Party gebe es im Schnitt zwei positive Rückmeldungen. «Zwei der besten Freunde meines Mannes haben ihre Frauen bei uns kennengelernt», sagt Ulrich mit etwas Stolz.
Das erste Fest fand übrigens schon im Jahr 2014 statt. Die letzten zwei Jahre hatten die Ulrichs zu wenig Energie dafür. Am 4. Juli startet nun die nächste Sause von 19 Uhr bis 3 Uhr morgens. Weder für Frauen noch für Männer ist eine Anmeldung für die «Buure-Singleparty» nötig. Der Eintritt kostet bescheidene 10 Franken.
Von überall her
An den Partys von Claudia und Stefan Ulrich tummeln sich meist etwas mehr Männer als Frauen. «Es kommen Landwirte aus dem ganzen Land. Männer gerne von Bern, der Innerschweiz, dem Thurgau oder aus St. Gallen – sie fahren also gerne etwas weiter.» Die Frauen kämen meist aus dem Kanton Zürich, sprich dessen ländlichen Regionen wie dem Oberland und den angrenzenden Kantonen.
Auch Ulrich weiss: «Es ist einfach schwierig, da man mit Hof ortsgebunden ist, nicht viel Freizeit hat und manchmal auch die Eltern noch im Haus wohnen.» Zwar habe sich zur Generation ihrer Eltern schon vieles geändert, aber: «Trotzdem ist die Landwirtschaft halt nicht immer nur ein Ponyhof.»
Allein ist es schwierig
Die Schweizer Landwirtschaftspolitik ist auf familiäre Betriebe ausgerichtet. Oft arbeitet die gesamte Familie im Betrieb. «Das bedeutet oft, dass nicht nur der Betriebsleiter oder die Betriebsleiterin im Betrieb arbeitet, sondern auch der Partner oder die Partnerin», bestätigt Pablo Nett vom Zürcher Bauernverband.
Er selber hat das Sorgentelefon «Puurehilf» ins Leben gerufen, wo er gemeinsam mit einer Kollegin über eine Handynummer Anrufe entgegennimmt, in schwierigen Momenten hilft und unbürokratische Hilfe anbietet. Er meint, dass die Arbeit oft geteilt werden müsse: «Jemand arbeitet draussen mit Tieren und Kulturen, andere im Haushalt oder im Büro.» So gesehen sei es schwierig, allein einen Betrieb zu führen.

Und hat man eine Partnerschaft und führt gemeinsam einen Hof, kommt es mehr als bei früheren Generationen auch zu Scheidungen. «Dadurch, dass meist beide im Betrieb mitarbeiten, haben beide Anteil am Erfolg», sagt Nett. Als Unternehmer investieren Landwirte das gewonnene Geld meist vollumfänglich in den Betrieb. Es tragen beide dazu bei, dass der Betrieb wächst. «Bei einer Scheidung haben wir zwei Probleme: Beide haben mitgearbeitet, damit haben beide zur Errungenschaft beigetragen, und alles muss geteilt werden.»
Was heisst: Alle Investitionen stecken im Betrieb – muss dieser geteilt werden, gehe er auch zugrunde, wie Nett weiss: «Gesetzlich ist es sogar so, dass ein Betrieb nicht geteilt werden darf, wenn er eine gewisse Grösse erreicht hat.» Deshalb müsse sich die Person, die den Hof verlässt, entscheiden, ob sie leer ausgehen wolle, damit der Betrieb überlebe und allenfalls die Kinder einen gut funktionierenden Betrieb erben können. «Oder man zieht die Scheidung mit dem Risiko durch, dass der Betrieb verkauft werden muss, damit die eigene Forderung gestillt wird.»