Die offene Werkstatt bringt Leben ins Hochbord
Kreativität in Dübendorf
In der offenen Werkstatt in der Westhof-Überbauung im Hochbord darf jeder malen, basteln und werkeln wie es ihm gefällt. Das unkonventionelle Konzept soll Quartierbewohner einander näher zu bringen.
Die Farbe an den Wänden und der Glitzer an den Stühlen sind Zeugen der Kinder und Erwachsenen, die in den letzten Jahren in der Werkstatt im Westhof in Dübendorf gewerkelt, gemalt und gebastelt haben.
Es ist ein spezielles Konzept, das sich «offenes Atelier» nennt: Jeder darf unangemeldet, gegen einen kleinen Unkostenbeitrag, an einem Mittwoch oder Samstag im kleinen Raum auftauchen, die Pinsel, Sägen, Federn, Farben oder Perlen nach Belieben nutzen und irgendetwas kreieren.
Das «gewisse Etwas» fürs Quartier
Das Ziel: «Mit der Werkstatt schaffen wir ein Quartierzentrum», sagt die Leiterin Enid Kohler. «Ein Treffpunkt nicht nur für die Bewohner des Westhofs, sondern für die ganze Stadt Dübendorf und darüber hinaus.»
Für die Betreuung dieses Angebots sorgen sie als Angestellte der Eigentümerin einer Hälfte des Westhofs sowie ein kleines Team von drei Frauen. Allesamt Künstlerinnen oder Pädagoginnen. Kohler hat den Aufbau des Projekts initiiert und geplant. «Ich fand, dem Quartier fehlt etwas.» Aus diesem Etwas ist nun die Werkstatt geworden. Und: «Es läuft gut. Die Nachfrage ist gross.» Im offenen Atelier würden sie wöchentlich mindestens 24 bis 40 Kinder samt Begleitpersonen, aber auch Erwachsene besuchen.
An diesem Mittwochmorgen befinden sich drei Erwachsene mit mehreren Kindern im Vorschulalter im Raum. Einige vergnügen sich mit Spielsachen auf den Matten am Boden, ein Kind schneidet an einer langen Werkbank Formen in eine Folie, und eines knetet Lehm an einem Tisch neben einer bunten Malwand.
Resultate sind nicht wichtig
Was sie kreieren, ist Kohler egal. «Hier ist im Gegensatz zur Schule kein Ergebnis vorgegeben», erklärt die gelernte Kindergärtnerin. «Unsere Besucher dürfen den Umgang mit Materialien kennenlernen, ihren eigenen Ideen folgen und ihre Grenzen austesten.»
Sie helfe auch Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder, da vielen das Wissen für das Heranführen eines Kinds an Gestaltung fehle. «Sie kennen teilweise nur die tendenziell leistungsorientierte Gestaltung aus der Schule und sind froh um weitere Inputs.» Dabei sei ein offener Umgang mit Kreativität sehr wichtig. «Es hilft den Kindern unter anderem, ihre eigene gestalterische Sprache zu entdecken, und fördert ihr Selbstbewusstsein.» Auch Erwachsene würden die Atmosphäre schätzen. «Eine Frau kam zum Beispiel vorbei, um eine grosse Leinwand zu bemalen, wofür sie zu Hause keinen Platz gehabt hätte.»
Treffpunkt für Hochbord-Bewohner
Neben dem Fokus auf Kunstvermittlung ist Kohler auch der soziale Aspekt der Werkstatt wichtig. «Viele Menschen im Quartier haben das Bedürfnis, sich kennenzulernen. In der Werkstatt können sie sich begegnen und austauschen.» Auch Kinder würden profitieren: «Gerade weil es dem Hochbord bisher an einem typischen Dorfkern fehlt, sind die Angebote der Werkstatt umso wichtiger, um sich bereits vor dem Schuleintritt kennenzulernen.»
Neben dem offenen Atelier finden an zwei weiteren Tagen noch eine Chrabbelgruppe und eine Kreativspielgruppe, organisiert vom Familienzentrum Dübendorf, in der Werkstatt Platz. Und das Programm soll sich noch erweitern. «Unsere Angebote sind bereits oft ausgelastet. Eine Idee ist, das offene Atelier auszuweiten auf weitere Tage. Auch die neue Öffnungszeit am Montagabend ist ein Versuch, die Werkstatt noch mehr auf berufstätige Erwachsene auszurichten.»