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Gesellschaft

Die neue Sporthalle in Russikon ist wie eine Wundertüte

Mit der Fertigstellung dieses Bauwerks erfüllt Russikon die Wünsche von Schule und Bevölkerung gleichermassen.

Für den Bau der Schulräume wurde auf Holzelemente gesetzt.

Foto: Karin Sigg

Die neue Sporthalle in Russikon ist wie eine Wundertüte

Gerüstet für die Zukunft

Unscheinbar fügt sich das Bauwerk in Russikons Gesamtbild ein. Eine erste Besichtigung vor Ort zeigt jedoch, weshalb es weit mehr als eine Sporthalle ist.

Noch sind die Räumlichkeiten leer, und rund um das Gebäude vermitteln die letzten Bagger weiterhin Baustellen-Feeling. Doch in wenigen Wochen werden hier die Schüler und Sportler einziehen und Leben in die Bude bringen.

In Russikon wurde soeben die neue Sporthalle fertiggestellt. Kostenpunkt: rund 20 Millionen Franken. Ein sehr teures Projekt für eine 4500-Seelen-Gemeinde, das eine lange Vorgeschichte hat.

Trotzdem müssen die Einwohner von Russikon nicht befürchten, dass sie in den kommenden Jahren deswegen mehr Steuern bezahlen müssen. «Wir konnten in den vergangenen Jahren genügend Reserven bilden, sodass sich unsere Gemeinde dieses Projekt leisten kann», erklärt Gemeinderat Raphael Alder (FDP).

Eine weitere wichtige finanzielle Spritze von rund 5 Millionen Franken habe die Gemeinde zudem mit der Erbschaft von Klaus-Peter Eggert im Jahr 2016 erhalten. Der in Russikon wohnhafte Millionär hinterliess sein gesamtes Vermögen seiner Wohngemeinde. «Sämtliche Erträge der Erbschaft wurden in der laufenden Rechnung verbucht und führen dazu, dass die Sanierung der alten Turnhalle zeitlich vorgezogen werden kann», liess der Gemeinderat damals in einer Mitteilung vom 12. April 2016 verlauten.

Schulraumplanung abgeschlossen

Das Besondere an diesem Bauwerk ist, dass es Sporthalle, Schulzimmer und Tagesstruktur unter einem Dach vereint. Laut Schulpräsident David Goldschmid (SVP) ist man damit für die nächsten Jahre gerüstet. «Wir erwarten moderat steigende Schülerzahlen.»

Auch Raphael Alder bestätigt: «Mit diesem Jahrhundertprojekt ist die Schulraumerweiterung in Russikon abgeschlossen.» Projekte, die in naher Zukunft anstehen würden, seien lediglich Renovierungen älterer Schulhäuser. «Das denkmalgeschützte Schulhaus in Madetswil steht als nächstes auf unserer Pendenzenliste.»

Für die Schule sind die Räumlichkeiten, die für die Tagesstruktur genutzt werden, ein grosser Gewinn. Bisher habe man etwa 30 Schüler für das Mittagessen in einem Provisorium unterbringen können. «Künftig werden wir etwa doppelt so viele Kinder, von Kindergarten- bis Oberstufenalter, betreuen können», freut sich David Goldschmid.

Mit der Erweiterung des Angebots entspreche man dem Bedürfnis vieler berufstätiger Eltern in Russikon. Die Tagesstruktur steht ganztags, von 7 bis 18 Uhr, zur Verfügung und kann individuell gebucht werden. So könnten die Kinder bei Bedarf bereits ihr Frühstück vor Ort einnehmen und Hausaufgaben erledigen. Als Pilotprojekt sei auch eine Ferienbetreuung geplant.

Endlich können die Provisorien weg

Ein weiterer Meilenstein für die Schule Russikon sind die neuen Schulräume, die auf dem Dach der Sporthalle erbaut wurden. Zwei Schulzimmer und ein Raum für Psychomotorik.

Bisher habe man für die Psychomotorik an drei Tagen pro Woche die Turnhalle in Madetswil genutzt. «Es musste alles immer sehr aufwendig auf- und wieder abgebaut werden», erklärt Schulleiter Daniel Lauber. Er ist froh, dass mit dem Neubau nun ein eigener Raum allein zu diesem Zweck zur Verfügung steht, «er wird täglich genutzt werden».

In die beiden neuen Klassenzimmer werden die Unter- und die Mittelstufenschüler einziehen, die bisher in einem Provisorium in Madetswil untergebracht waren. «Der entsprechende Container war am Ende seiner Lebenszeit und auch energietechnisch nicht mehr tragbar», sagt David Goldschmid. Somit handle es sich nicht um eine Erweiterung, sondern lediglich um eine Verlegung von bestehendem Schulraum.

Die neue Sporthalle ist grösser als die bisherige Turnhalle und verfügt über eine moderne Infrastruktur. Mit deren Bau ist man gemäss Alder primär auf den Wunsch aus der breiten Bevölkerung eingegangen. «In unserem Dorf haben wir ein sehr aktives Vereinsleben. Vor allem in den Abendstunden wird sie künftig von Fussball-, Gymnastik- oder Turnvereinen genutzt.»

Mit Tribüne, Küche, Kiosk und Mehrzweckraum, der als Festwirtschaft genutzt werden kann, ist die Doppelhalle auch wettkampftauglich. Der sogenannte kombielastische Sportboden soll gemäss Architekt Ueli Hertig für verschiedene Sportarten geeignet sein und das Risiko von schwerwiegenden Verletzungen bei Unfällen mindern.

Der Neubau liegt eingebettet zwischen den bestehenden Schulhäusern. Damit sind alle Altersstufen von Kindergarten bis Oberstufe zentral an einem Ort. Schulleiter Daniel Lauber zeigt, was im Aussenbereich noch alles geplant ist. Wo aktuell Erdflächen und leere Betonkisten brachliegen, sollen Spielelemente, ein Baumlehrpfad und eine 100-Meter-Laufbahn die Kinder zur Bewegung während der Pausen animieren.

Einen Wermutstropfen hat Lauber allerdings anzumerken: «Früher hatten wir einen grösseren Aussenbereich.» Heute stehe dafür mehr Innenfläche zur Verfügung, «das vereinfacht die Planung von grösseren Anlässen mit den heutigen wechselhaften Wetterbedingungen».

So soll die Begrüssung nach den Sommerferien mit Schülern, Eltern und Lehrpersonen erstmals in der neuen Halle gefeiert werden. «Früher mussten wir dafür in die Riedhus-Halle ausweichen.» Die Handwerker und die Bauverantwortlichen arbeiten in den nächsten Wochen mit Hochdruck, um für das neue Schuljahr bereit zu sein. Damit sich das Jahrhundertbauprojekt mit Leben füllen kann.

Man sieht die Verantwortlichen der Sporthalle bei der Schlüsselübergabe.
Schlüsselübergabe von Architekt Ueli Hertig an Gemeinderat Raphael Alder.

Als die knapp 30 Meter hohen Betonträger für die Sporthalle mit riesigen Trucks nach Russikon geliefert wurden, herrschte helle Aufregung im Dorf. «Einige Russiker meinten, wir würden ein Fussballstadion errichten», erzählt Architekt Ueli Hertig lachend. Die 15-jährige Planungszeit, in der das Projekt immer wieder zurückgestellt wurde, und die zweijährige Bauzeit wurden mit der kürzlich erfolgten Schlüsselübergabe nun offiziell beendet. (ks)

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