Die Heuberger-Villa steht zum Verkauf
Der sonnenverwöhnte Goldenberg-Hang mit Blick über die Stadt ist die begehrteste Wohnlage, die Winterthur zu bieten hat. Rychenberg heisst er hier, der Name ist selbsterklärend. Hierhin zog es auch Robert und Ruth Heuberger. In einer grossen, aber nicht protzigen Villa, Baujahr 1993, verbrachte das Unternehmer-Ehepaar (Siska Immobilien) seinen Lebensabend.
Nun steht das Gebäude zum Verkauf. Als Makler agiert die Ginesta Immobilien AG von der Goldküste, die sich auf ein gehobenes Kundensegment spezialisiert hat. Sie verkaufte schon das Schloss Eugensberg, in dem Pleitier Rolf Erb bis zu seinem Tod gelebt hatte. Weil die Heuberger-Villa auch auf Immobilienplattformen wie «Homegate» gelistet ist, dürfen auch Normalverdiener einen Blick in ein Haus erhaschen, das fast jedes Winterthurer Budget sprengt.
«Best of Winterthur»
Sieben Millionen Franken ist die Preisvorstellung der Verkäufer. Dafür gibt es zehn Zimmer mit total 622 Quadratmetern Wohnfläche, mehrere Terrassen und Balkone mit unverbaubarer Aussicht, einen Weinkeller und ein Hallenbad mit Massage- und Ruheraum. «Best of Winterthur» schwärmt das Inserat – «das Mass der Exklusivität».
Vier Etagen sind oberirdisch, drei unterirdisch, alle verbunden durch einen Lift, der auch in die Tiefgarage führt. Die teilt man sich mit einem anderen Winterthurer, der es geschafft hat: Markus Hutter, Alt-Nationalrat der FDP und Auto-Unternehmer.
Ein Hauch Denver-Clan
Journalistin Kathrin Bänziger hatte die Heubergers 2004 für ein Porträt im «Winterthurer Jahrbuch» besucht, also etwa zehn Jahre nach Einzug. Sie beschreibt, wie Robert Heuberger, damals 82, auf der Terrasse Kaffee serviert, wie er der Perserkatze Sabrina im Fitnessraum das Fell bürstet und anschliessend ein paar Längen im Bassin schwimmt. Das Haus bot eine gediegene Kulisse für den letzten Lebensabschnitt. Die Heubergers mochten bunte Spannteppiche und Seidentapeten, Wandvertäfelungen, goldene Akzente.
«Das Ambiente erinnerte an TV-Serien wie den Denver-Clan», erzählen mehrere Besucher. Die Bewohner selbst blieben allerdings stets bescheiden. Mittelpunkt im Leben der Heubergers, so Bänzigers Fazit nach ihrem Besuch am Rychenberg, blieb auch im hohen Alter die Arbeit. «Musse und Müssiggang ist etwas, das sie nie pflegten, und jetzt können sie nicht mehr aus ihrer Haut heraus.»
Robert Heuberger starb 2021 im Alter von 99 Jahren, seine Frau Ruth war ihm 2016 vorausgegangen. Seit ihrem Tod steht das Haus leer. Wer die neuen Bewohner werden – und ob diese mehr Zeit für Müssiggang haben –, wird sich zeigen. Von den drei Kindern zieht jedenfalls keines an den Rychenberg. Rainer Heuberger, der die Siska Verwaltungs AG führt, bewohnt das grün gelegene Elternhaus in der Nähe des Hauptbahnhofs, Günter Heuberger (Siska Immobilien, Radio und Tele Top) eine Stadtwohnung in Oberwinterthur. Die jüngere Schwester, Marion Maurer, wohnt seit langem in der Innerschweiz. (Michael Graf)