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Die fetten Jahre sind in Illnau-Effretikon vorbei

Illnau-Effretikon schliesst das Jahr 2024 mit einem Defizit von 1,5 Millionen Franken ab. Die Pro-Kopf-Verschuldung hat sich verdoppelt.

Jahrelang waren die Finanzen in Illnau-Effretikon im Lot. Nun hat der Wind gekehrt. (Archiv)

Foto: Enzo Lopardo

Die fetten Jahre sind in Illnau-Effretikon vorbei

Jahresrechnung

Nach jahrelangen Gewinnen verzeichnet Illnau-Effretikon erstmals wieder ein Defizit. Ein Grund sind rückläufige Steuereinnahmen.

Almut Berger

2019, 2020 und 2022 konnte sich Illnau-Effretikon über Rekordgewinne von jährlich über 10 Millionen Franken freuen. Und auch im letzten Jahr präsentierte der Stadtrat mit einem Überschuss von 5,5 Millionen Franken noch ein «solides Ergebnis trotz steigenden Kosten», wie er es damals formulierte.

Dass diese «Phase finanzieller Erfolge» passé ist, belegt die am Montag veröffentlichte Jahresrechnung 2024. Bei einem Ertrag von 137,6 Millionen und einem Aufwand von 139,1 Millionen schliesst sie mit einem Defizit von 1,5 Millionen Franken ab. Damit verschlechterte sich das Ergebnis gegenüber dem Budget 2024 um rund 1,9 Millionen.

Als Grund für das Defizit nennt der Stadtrat rückläufige Steuereinnahmen bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Ausgaben, insbesondere in den Ressorts Bildung und Gesellschaft. Während die ordentlichen Steuereinnahmen 2 Millionen unter Budget blieben, belief sich das Minus bei den Grundstückgewinnsteuern auf 3 Millionen.

Letztere sind aber nicht einfach weggebrochen, sondern werden voraussichtlich in diesem Jahr eingenommen. Buchgewinne aufgrund der Neubewertung von Liegenschaften sowie eine höhere Gewinnausschüttung der Zürcher Kantonalbank sorgten für einen Teilausgleich.

Mehr Schüler, weniger Sozialhilfebeziehende

Im Ressort Gesellschaft fielen die Ausgaben für die Pflegefinanzierung um 700’000 Franken höher aus als budgetiert. Anders bei der Sozialhilfe: Da diverse Empfänger eine Arbeitsstelle fanden, reduzierte sich der Aufwand um 400’000 Franken. Als laut Stadtrat «konstant hoch» erwies sich hingegen der Bedarf nach Massnahmen im Rahmen des Kinderschutzes mit Mehrkosten von 112’000 Franken.

Mehraufwände gab es auch in der Abteilung Bildung. Hier liegt das Nettoergebnis 3,8 Millionen (plus 11,5 Prozent) über dem Vorjahr. 1,8 Millionen entfielen auf die Volksschule, in erster Linie wegen höherer Schülerzahlen. Weitere Mehrkosten von 1,2 Millionen Franken generierten Sonderschulungen.

Positiv ins Gewicht fiel die nicht budgetierte einmalige kantonale Rückerstattung aus Versorgertaxen von knapp 4 Millionen. Der Kanton hatte die Taxen für Heimkosten von Kindern und Jugendlichen jahrelang fälschlicherweise von den Gemeinden erhoben.

Pro-Kopf-Verschuldung verdoppelt

Den Cashflow im steuerfinanzierten Haushalt von 4,8 Millionen Franken beurteilt der Stadtrat als «zu niedrig», er liege «wesentlich unter dem Zielband von 7 bis 10 Millionen Franken». Aufgrund hoher Investitionen in neu geschaffene Infrastruktur mussten deshalb «deutlich höhere Fremdmittel» aufgenommen werden. Die langfristigen Schulden stiegen wie budgetiert um 10 Millionen auf 50 Millionen Franken an, die Nettoschuld pro Kopf verdoppelte sich von 784 auf 1573 Franken.

Wegen des hohen Anlagevermögens von über 220 Millionen Franken (Vorjahr 204 Millionen) befinde sich die Stadt aber in einer «nach wie vor stabilen Finanzlage», schreibt der Stadtrat abschliessend. Mit dem im vergangenen Oktober angekündigten Sparpaket setze er alles daran, den Cashflow anzuheben und das weitere Schuldenwachstum zu bremsen.

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