Die «Daniel Düsentriebs» von Uster
In Uster gibt es neu das Repnet‑Team. Es sind Ehrenamtliche des periodisch stattfindenden Repair‑Cafés, die neu das ganze Jahr über unentgeltlich Gegenstände flicken.
Am Anfang dieses Artikels steht ein Missgeschick der Autorin. Spätabends wollte ich noch Reis zubereiten, um ihn am nächsten Tag fürs Mittagessen mit auf die Redaktion zu nehmen. Der Reis wurde abgewogen und in den Reiskocher gegeben, die entsprechende Wassermenge gleich dazugegossen. Blöd nur, dass ich vor lauter Müdigkeit vergessen hatte, den Topf ins Gerät zu stellen. Wasser und Reis liefen also ins Gerät hinein – dorthin, wo sich die Heizplatte befindet.
Das Resultat: In der Küche knallte die Sicherung heraus. Ich stand im Dunkeln. Das Wasser lief teilweise unten am Gerät wieder hinaus, der Reis hatte sich im ganzen Innern verteilt. Um diesen zu entfernen, hätte ich den Reiskocher öffnen müssen, wozu mir jedoch das entsprechende Werkzeug fehlte. Auch den Reiskocher nach dem Kurzschluss wieder an den Strom anzuschliessen, um zu testen, ob er überhaupt noch läuft, wagte ich aus Sicherheitsgründen nicht.
Im «Regio» weisen wir regelmässig auf die Repair‑Cafés in den Gemeinden hin. Dort werden defekte Geräte von Ehrenamtlichen angeschaut und – wenn möglich – repariert. Also suchte ich online nach einem Repair‑Café in der Nähe. Da diese Anlässe meist nur ein- oder zweimal im Jahr stattfinden, wurde ich nicht fündig. In Uster findet das nächste Repair‑Café erst Ende Oktober statt. Auf der städtischen Website gibt es jedoch versteckt unter «Umweltaktivitäten» einen Hinweis auf www.repnet‑uster.ch. Dort kann man via E-Mail das Repnet‑Team kontaktieren und den Defekt schildern – das ganze Jahr über.
Schnelle Antwort vom Repnet-Team
Das habe ich gleich ausprobiert und per E-Mail eine Anfrage gestartet. Noch am gleichen Tag erhielt ich Antwort von Jürg Christener, der die Einsätze des Repnet‑Teams koordiniert. «Ich frage in unserem Reparatur‑Chat bei unseren rund zehn Mitgliedern nach, wer die Anfrage übernehmen möchte», sagte Christener.
Einen Tag später meldete sich Beat Funk bei mir. Er ist pensioniert, wohnt in Hittnau und findet es eine tolle Sache, einen sinnvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten zu können. Da er früher in Uster gearbeitet hat, engagiert er sich im Repnet‑Team und im Repair‑Café Uster, ist aber auch beim Repair‑Café in Pfäffikon mit dabei.
Beat Funk holte meinen Reiskocher sogar bei mir zu Hause ab – mit dem E‑Bike. Zwei Tage später meldete er sich wieder: Er hatte das Gerät geöffnet, den gesamten Reis aus dem Innern entfernt, es trocknen lassen und die Funktionsfähigkeit getestet. Nun läuft der Reiskocher wieder einwandfrei. Dem Repnet‑Team und Beat Funk sei Dank!
Reparaturen das ganze Jahr hindurch
Ich finde den Gedanken «reparieren statt wegwerfen» toll und nachhaltig und will mehr über das Team und seine Arbeit erfahren. Ich treffe mich deshalb mit Jürg Christener, Beat Funk, Martin Winter und Dorothea Kipfer bei Luzius Betschon. Er wohnt an der Kreuzstrasse in Uster und hat dort neben seinem Haus ein kleines Gebäude, das ihm als Werkstatt dient.
Bis auf den Informatiker Martin Winter – er ist einer der Elektroniker im Team – sind alle Repnet‑Mitglieder pensioniert. Sie verfügen über ein breites Wissen, sei es als Elektroingenieur, Maschinenmechaniker, Versuchstechniker oder versierte Hobbyhandwerkerin. «Wir möchten unser Wissen und Know‑how gerne weiter einsetzen und finden es sinnvoll, wenn Gegenstände nicht weggeworfen werden, sondern durch eine Reparatur ein zweites Leben erhalten», sagen die fünf unisono. Kennengelernt haben sie sich alle als Reparateurinnen und Reparateure im Repair‑Café Uster, das einmal jährlich stattfindet. «Wir wollten auch ausserhalb der Repair‑Cafés ehrenamtlich Reparaturarbeiten ausüben. Die wenigsten Leute warten ein Jahr bis zum nächsten Repair‑Café, um defekte Gegenstände reparieren zu lassen. Seit letztem Frühling bieten wir das ganze Jahr unsere Hilfe an und möchten unser Angebot in Uster und den angrenzenden Gemeinden bekannter machen», so Christener.
«Wir möchten dabei kein Gewerbe konkurrenzieren», erklärt Beat Funk. Deshalb werden zum Beispiel keine Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Handygläser repariert. «Wir kommen dann zum Einsatz, wenn ein Gerät vom Handel – etwa aufgrund des Alters – nicht mehr repariert wird und entsorgt würde. Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die defekt ist, und es lohnt sich durchaus, diese zu reparieren.»



Spenden fürs «Kaffeekässeli»
Es gibt weder eine Garantie für eine erfolgreiche Reparatur noch eine Garantie nach erfolgter Reparatur. Die Reparaturen sind grundsätzlich kostenlos, jedoch können Kosten für Ersatzteile anfallen, die vorgängig offeriert werden. Es gibt eine Trinkgeldkasse, mit deren Inhalt das jährliche Helferessen bezahlt wird. Die defekten Gegenstände werden nach Vereinbarung von den Kundinnen und Kunden zum Reparateur oder zur Reparateurin gebracht und dort wieder abgeholt. «Uns motiviert es, wenn die Menschen glücklich ihr geflicktes Teil wieder gebrauchen können. Oft bringen sie uns Gegenstände, die ihnen etwas bedeuten», so das Repnet-Team. Für ihr «Kaffeekässeli» nehmen sie auch gerne kleine Spenden entgegen. Repariert wird fast alles – neben Elektrogeräten auch Holzspielzeug, Kinder-Gokarts, Bobschlitten und vieles mehr. «Wir können auch schweissen, drechseln, nieten – und einiges mehr», sagt Beat Funk.
Reparieren wird dank dem Repnet‑Team zu einer echten Alternative zum Wegwerfen.
Gesucht: Raum für Werkstatt und Gleichgesinnte
Das Repnet-Team aus Uster und Umgebung repariert defekte Gegenstände ehrenamtlich das ganze Jahr über. Die meisten haben zu Hause eine Hobbywerkstatt und flicken dort die vorbeigebrachten Gegenstände. «Wir sind nun aber auf der Suche nach einem Raum, wo wir eine fixe Werkstatt einrichten und die Leute ihre Gegenstände vorbeibringen können», so die Repnet-Mitglieder. Da sie alle ehrenamtlich arbeiten, darf der Raum nichts kosten. «Vielleicht gibt es ja Privatpersonen, Organisationen oder Kommunen, die uns einen solchen Raum zur Verfügung stellen können», sagt Jürg Christener vom Repnet-Team in Uster. Er sollte idealerweise in Uster und gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sein. Hinweise und Angebote nimmt Jürg Christener gerne unter der E-Mail-Adresse info@repnet-uster.ch entgegen.
Willkommen sind auch Kontakte zu anderen Reparateurinnen und Reparateuren von weiteren Repair-Cafés, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, eine ganzjährige Anlaufstelle für die Reparatur von defekten Gegenständen anzubieten. «Wir könnten so unser Netzwerk von ehrenamtlichen Reparateurinnen und Reparateuren erweitern und dieses Angebot auch in anderen Gemeinden nah bei den Leuten aufbauen», regt Jürg Christener an. (bz)