Die Asiatische Hornisse ist noch ihr kleinstes Problem
Schwieriges Honigjahr
Der neue Fressfeind nimmt auf dem Sorgenbarometer der Zürcher Imker noch eine tiefe Position ein. Dafür tritt ein altbekanntes Phänomen heuer verbreitet auf.
Mit ihren maximal 3,2 Zentimetern Länge ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) kleiner als ihr einheimisches Pendant. Von der Europäischen Hornisse unterscheidet sie sich vor allem durch ihr dunkles Äusseres: Ihr Rumpf ist komplett und ihr Hinterleib mehrheitlich schwarz, während auf dem Hinterleib der einheimischen Art die Farbe Gelb dominiert und ihr Kopf braun-rot ist.
Taucht Vespa velutina vor einem Bienenstock auf, verheisst das für die Honigbienen Todesgefahr. Denn um ihren Nachwuchs mit Eiweiss zu versorgen, gehen die Asiatischen Hornissen in diesen Tagen bevorzugt auf Bienenjagd. Dabei können sie ihre Beutetiere dank ihrer überlegenen Flugeigenschaften sogar in der Luft einfangen.

Nun wurde bekannt, dass sie unlängst an zwei Orten im Kanton Zürich Nester gebaut hatten, die im August entdeckt und vernichtet wurden: in Rafz sowie in Illnau. Imkerinnen und Imker aus der nahen Umgebung der beiden Fundorte scheinen darob nicht etwa verunsichert, sondern vielmehr: erstaunt.
«Das höre ich jetzt zum ersten Mal», sagt Heidi Meyer, die im Rafzer Nachbarort Wil gemeinsam mit Manuela Keller die Bienenheimat GmbH betreibt. «Das habe ich nicht mitbekommen, und gesehen habe ich die Asiatische Hornisse auch noch nie», meint Edy Ebenwaldner von Edysbienen in Illnau.
Besonders beunruhigt wirken sie beide nicht, als sie am Telefon die Kunde von der Ankunft des Bienenkillers in der Nachbarschaft ihrer Bienenvölker vernehmen.
Gefahr vor allem für schwache Völker
Vom neuen Fressfeind der Wild- und Honigbienen habe er gehört, sagt der Hobby-Imker aus Illnau. «Aber gross mit Vorkehrungen befasst habe ich mich noch nicht.» Dabei verweist Edy Ebenwaldner auf seine Erfahrungen mit anderen Bienenfeinden.
«Vor ein paar Jahren sind wir vor dem Kleinen Beutenkäfer gewarnt worden, der von Italien her zu uns vordringt, Eier im Bienenstock ablegt und nach dem Schlüpfen Brut, Pollen und Honig frisst – von dem Schädling hat man seitdem aber auch nichts mehr gehört.»

Heidi Meyer, die auch als Zucht- sowie Betriebsberaterin tätig ist und Kurse gibt, hat sich indes vertiefter mit der Asiatischen Hornisse auseinandergesetzt. «Sie wird kaum aufzuhalten sein», schätzt sie. «Der beste Schutz dagegen ist die Bienengesundheit.
Die Erfahrung aus Frankreich zeigt, dass nur Völker, die schon schwach sind, von der Asiatischen Hornisse ausgelöscht werden können.» Gesunde, starke Völker mit mehreren Zehntausend Bienen könnten Angriffe der Hornissen abwehren.
Im heiklen Herbst das Flugloch verkleinern
Beat Jörger, der Präsident des Bienenzüchtervereins des Bezirks Horgen, hat seine Gedanken über die besten Schutzmassnahmen gegen die Asiatische Hornisse noch nicht abgeschlossen. Der Hobby-Imker wacht auch als Bieneninspektor über die Gesundheit der Bienenvölker in den Bezirken Horgen und Affoltern.
Angesichts der potenziellen Gefahr durch die Asiatische Hornisse empfiehlt er umso mehr, schwache Völker mit anderen zusammenzuführen.

«Nach allem, was mir Imker-Kollegen aus Frankreich berichtet haben, braucht ein gesundes Bienenvolk im Frühjahr und Sommer keinen besonderen Schutz», erklärt Jörger. «Aber später im Herbst, wenn die Völker schrumpfen und die Bienen wegen der tieferen Temperaturen nicht mehr ausfliegen, ist es ratsam, das Flugloch so zu verengen, dass die Hornissen gar nicht erst durchpassen.»

Beunruhigt seien seine Horgner Imkerkolleginnen und -kollegen durch die Präsenz des neuen Bienenjägers im Kanton nicht. Auch im Herbst 2023, als es in Horgen einen bestätigten Fund einer Asiatischen Hornisse gab, hätten sich seine Vereinsmitglieder nicht gross an ihn gewandt.
Das Jahr des Zementhonigs
«Das Hauptproblem dieses Jahr ist der Melezitosehonig», sagt denn auch Erwin Reutimann, als Präsident des Kantonalverbands Zürcher Imkervereine sozusagen der höchste Imker im Kanton. Der Seuzemer betont: «Das hat viele Imker betroffen und viel stärker beschäftigt als die Asiatische Hornisse.»
Melezitosehonig wird auch Zementhonig genannt. Er entsteht, wenn Honig zu mehr als 20 Prozent aus dem Dreifachzucker Melezitose besteht. Ist dies der Fall, kristallisiert Honig innerhalb kurzer Zeit in den Waben und wird dort so hart, dass er anschliessend nur äusserst aufwendig oder gar nicht mehr schleuderbar ist.
Den Imkerinnen und Imkern drohen dadurch empfindliche Ertragseinbussen. Dass diese je nach Standort unterschiedlich ausfallen, hat mit dem Hauptproduzenten der Melezitose zu tun: der Fichtenquirlschildlaus.
Wie andere Lausarten auch scheidet sie zuckerhaltigen Honigtau aus. Sie zählt dabei zu jenen Arten, welche dies auch in Form von Dreifachzuckern, wie etwa Melezitose, tun.
Der Honigtau wiederum dient den Bienen im Sommer, wenn es nur noch wenig Nektar gibt, als Hauptnahrungsquelle. In den Verkauf gelangt dieser Honig häufig als «Waldhonig». So weit, so gut und fein.

«Aber bei feuchten und gleichzeitig warmen Wetterbedingungen vermehrt sich die Fichtenquirlschildlaus stark», erklärt Reutimann, «dann nehmen die Bienen mehr Honigtau auf, der von ihnen stammt, dementsprechend steigt der Melezitosegehalt im Honig.»
Daher fanden Imker, deren Bienen in Waldgebieten mit vielen Fichten aktiv sind, besonders häufig Zementhonig in den Waben vor. «Im Tösstal ist das besonders ausgeprägt, da habe ich von einem Imker gehört, der 70 Prozent Melezitosehonig hatte», berichtet Reutimann.
Nasskaltes Frühjahr lässt nur wenig Honig fliessen
Bevor das Melezitose-Problem die sommerliche Honigernte an vielen Orten schmälerte, hatten die lange Zeit tiefen Temperaturen und häufigen Niederschläge im Frühjahr an einigen Orten im Kanton für Verdruss gesorgt.
«Letztes Jahr war es noch schlechter, aber auch in diesem Frühling gab es nur wenige Flugtage», sagen Heidi Meyer aus Rafz und Beat Jörger aus Horgen dazu unisono. Während ihre Bienen im Frühjahr 2023 gerade mal genügend Honig für ihren Eigenbedarf produziert hätten, habe es heuer wenigstens für eine – unterdurchschnittliche – Frühlingsernte gereicht, schildert Meyer.
Jörger gibt für seine eigene Imkerei mit rund 45 Völkern an, im Frühjahr nur rund ein Drittel so viel Honig gewonnen zu haben wie in einem durchschnittlichen Jahr.