Die «Artischocke» macht in Seegräben das Rennen
Altersdurchmischte Siedlung
Im Sack soll «Cynara» erblühen. In einem Architekturwettbewerb für altersdurchmischtes Wohnen in der Gemeinde Seegräben vermochte das Projekt mit dem lateinischen Namen die Jury zu überzeugen.



Anfang März haben die Seegräbner an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung mit einem Mehr von gut zwei Drittel dem Verkauf einer 4200 Quadratmeter grossen Parzelle zugestimmt. Den Zuschlag hat die Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich (WSGZ) erhalten, die für das Land 6,3 Millionen Franken zahlt.
Drei Büros eingeladen
Sie will dort eine Überbauung für altersdurchmischtes Wohnen erstellen. Gemäss der Bau- und Zonenordnung müssen die Baukörper sowie deren Umschwung besonders gut gestaltet werden. Die Parzelle liegt in einem Wohnquartier mit Einfamilien- und Reihenhäusern. Sie grenzt an ein Feld, einen Wald, einen Sportplatz sowie einen Kindergarten.
Um diesen Gestaltungsvorgaben Rechnung zu tragen, hat sich die WSGZ dazu entschieden, einen Wettbewerb zu lancieren. Sie lud drei Architekturbüros ein, ihre Vorstellung einer optimal bespielten Fläche aufzuzeigen. Was sie erarbeitet hatten, war kürzlich während einer Woche zu sehen. Interessierte konnten sich selbst ein Bild machen.
Zwei Baukörper
Das Urteil der Jury aus Fachexperten sowie Vertretern der WSGZ und der Gemeinde Seegräben jedenfalls fiel einstimmig aus: Ausgewählt wurde das Projekt «Cynara», auf Deutsch die Artischocke. Entwickelt worden ist es von den Zürcher Büros Zita Cotti Architekten AG und Kolb Landschaftsarchitektur GmbH.
Das Projekt besteht aus zwei in sich gestaffelten Zeilenbauten mit zwei Vollgeschossen plus Attika. Nach dem Urteil der Jury heben sich die Bauten von der Umgebung ab, wirken jedoch dank ihrer Staffelung kleinteilig und massstäblich.
«Durch die Staffelung der Fassaden wird ein grosszügiger, gemeinschaftlicher Innenhof gebildet, welcher sich nach Süden öffnet und selbstverständlich in die öffentliche Spielwiese überführt», beschreibt die Jury die Gestaltung.
Quartiertreffpunkt inbegriffen
Die Überbauung umfasst neben 24 2,5-, 3,5- und 4,5-Zimmer-Wohnungen auch einen multifunktional nutzbaren Gemeinschaftsraum. In diesem Quartiertreff sollen auch öffentliche Anlässe und Veranstaltungen durchgeführt werden können. Im Verkaufsvertrag ist dieser Wohnungsmix verpflichtend festgehalten, genauso wie die Bestimmung, dass die ganze Siedlung hindernisfrei gestaltet sein muss.
Auch wenn das Projekt noch nicht in allen Punkten überzeugt – bemängelt wird etwa die Materialwahl für die Wege, die Anordnung der Besucherparkplätze oder der Witterungsschutz der privaten Aussenbereiche –, lautet das Urteil der Jury: «Das Projekt überzeugt durch eine sorgfältige Setzung der Bauvolumen.»

Die Funktionalität und Raumanordnung in den Wohnungen sei bei geringen Flächenverbrauch sehr hoch. «Es handelt sich insgesamt um ein sehr stimmiges Projekt, welches auf allen Ebenen einen hohen, sorgfältigen Durcharbeitungsgrad aufweist», lautet das Fazit.
Gestaltungsplan wird erarbeitet
Wie David Reinhard von der Asa AG, die den Projektwettbewerb begleitet, auf Anfrage erklärt, sei die WSGZ «mit dem Resultat sehr zufrieden». Auch wenn dieses Vorgehen zusätzlich Zeit und Geld benötigte, habe sich dieser Aufwand gelohnt.
Nun wird laut Reinhard das Siegerprojekt mit dem Architekturbüro zusammen weiterbearbeitet. Parallel wird dessen Basis ein privater Gestaltungsplan erarbeitet, welcher durch die Gemeindeversammlung zu bewilligen sein wird.
Zweite Abstimmung im 2024
Gemäss dem Seegräbner Hochbauvorstand Reto Gasser (SVP) sei wegen des Architekturwettbewerbs der Fahrplan angepasst worden. Der Gestaltungsplan soll bis Anfang 2024 vorliegen. An der Juni- oder der Dezember-Gemeindeversammlung sollen die Seegräbner dann darüber befinden können.

Das Bauprojekt soll bis gegen Ende 2024 ausgearbeitet werden. Frühestens 2025 erfolgten die Ausschreibung und Realisierung des Bauvorhabens.
Seegräbner bevorzugt
Kommen die Wohnungen dann auf den Markt, müssen bei der Vermietung prioritär Seegräbner berücksichtigt werden und zwar zuerst Einwohner ab 55 Jahren. Aber auch Einzelpersonen und Familien aus Seegräben sollen Platz finden.
Gibt es danach noch freie Wohnungen, so können sich auch Familien bewerben, welche neu in die Gemeinde zuziehen wollen. «Wir möchten, dass möglichst die Hälfte der Wohnungen an die erste Zielgruppe vergeben werden kann», meinte Gasser an der Gemeindeversammlung am 1. März.
Liberale Baugenossenschaft
Die Bauherrin WSGZ ist eine aktive, liberale Genossenschaft mit Sitz in Zürich. Gegründet wurde sie 1944.
Mit über 1100 Wohnungen gehört die WSGZ zu den mittelgrossen Genossenschaften in der Region Zürich. Rund ein Drittel der Wohnungen befindet sich in der Stadt Zürich, die übrigen verteilen sich auf den ganzen Kanton.