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David Schweizer

Deshalb reisen die Fussballer aus der Region zur Saisonvorbereitung ins Ausland

Trainingslager sind auch für die Amateurfussballer ein wichtiger Bestandteil des Jahresprogramms. Wegen der Pandemie müssen sie derzeit aber nach Alternativen suchen.

Für die Amateurfussballer ist das Trainingslager im Winter ein saisonaler Höhepunkt.

Grafik: Anja Furrer/Fotos: Promo-one

Deshalb reisen die Fussballer aus der Region zur Saisonvorbereitung ins Ausland

Es sah im Januar nicht wirklich gut aus. Aufgrund der wiederholt hohen Fallzahlen reiste selbst von den Profis der Super League einzig der FC Zürich ins Trainingslager in die Türkei. Die restlichen neun Klubs sagten kurzfristig das geplante Vorbereitungscamp ab. 

Es waren keine guten Vorzeichen für die Amateurvereine, die es in der Regel ab Mitte Februar an die Sonne zieht. «Ich würde jetzt nicht mehr buchen», sagte Gossaus Trainer Andreas Häsler erst unlängst.

Nur wenige Wochen später scheint die Situa­tion nun bereits weitaus stabiler. Froh darüber ist auch Häsler. Das für im März geplante Trainingslager in Portugal sollte damit ohne ein mulmiges Bauchgefühl stattfinden können.

— Wer geht überhaupt in ein Trainingslager?

Die Gossauer stehen damit allerdings fast allein da.

«Ein Trainingslager kam dieses Jahr nie zur Sprache, da aufgrund der aktuellen Pandemie und der damit verbundenen Unsicherheit bezüglich Reisen zu viele Herausforderungen auf uns zugekommen wären», sagt dazu Lars Grimm, neu Assistenztrainer beim FC Rüti.

Und selbst der grosse Aufstiegsfavorit Uster zog im Januar die Reissleine. Gleich mit drei Teams wäre der Verein nach Portugal gereist. Ein Zückerchen hat der selbst seit vielen Jahren in der Trainings­lager-Branche tätige Sportchef Roland Leemann für seine erste Mannschaft dennoch bereit. Bei einem Wiederaufstieg in die interregio­nale 2. Liga würden die Spieler nämlich mit einem Trip nach Barcelona belohnt.

Fünf der sieben Zweitligisten aus der Region verzichten also auf eine Reise ins Ausland. Aus der Reihe tanzt da nur noch der FC Greifensee, den es nach Marbella zieht.

Dübendorf hat sich derweil zumindest für ein Alternativprogramm entschieden und verbringt das letzte Wochen­ende vor dem Start in die Rückrunde im Tessin. Klubs, die kurzfristig noch für ein paar Tage an die Wärme gehen, sind eher die Ausnahme (siehe «Nachgefragt»).

Und trotzdem: Das Trainingslager hat bei den Amateurklubs nichts von seiner Attraktivität verloren.

«Es verbindet alles, was den Spielern wichtig ist. Sie können so gemeinsam eine gute Zeit miteinander erleben und dabei bei besten Bedingungen trainieren», sagt Greifensees Sportchef Rolf Imhof. Es sei deshalb für ­viele die schönste Woche im Jahr. Diese verbringt der Zweitligist dieses Jahr wie erwähnt an der südspanischen Costa del Sol. «Wir sind bei der jeweiligen Wahl aber überhaupt nicht auf einen Ort fixiert», sagt Imhof. 

— Wo ist es am besten, und weshalb?

Andere Klubvertreter sind wählerischer. Für Dübendorfs Präsident Markus Herzog ist Gran Canaria der Lieblingsort. Unzählige Male war er schon auf Gran Canaria im Trainingslager oder zum Golfspielen. «Auf den Kanaren hat man 340 Sonnentage», sagt er. Überhaupt: Gute Rasenplätze, eine gewisse Wettersicherheit sowie «ein Hotel mit der nötigen Qualität» sind für ihn die Basis für eine gelungene Woche.

Gute Erfahrungen mit Gran Canaria hat ebenso Walter Remy gemacht. «Das ist das Höchste der Ge­fühle und wurde jeweils in vollen Zügen genossen», sagt der langjährige Leiter Aktive von Brüttisellen-Dietlikon.

Usters Sportchef Leemann streicht die Türkei her­aus. Die oft gehörte Kritik, dass für die Hobbyfussballer abseits des Rasens dort «nichts läuft», teilt er nicht. «Den Ausgang gibt es mittlerweile auch dort.»

— Wo soll es sicher nicht mehr hingehen?

Deutlich umstrittener ist Malta als mögliche Destination. Windig und kalt sei es, sagt Dübendorfs Herzog. «Und den Sandstrand suchst du vergeblich.» Für ihn ist deshalb die Mittelmeerinsel keine Option.

Dem pflichtet Gossaus Trainer Häsler bei. «Malta bietet zwar viel vom Nachtleben, es ist aber zum Trainieren nicht ideal.»

— Stimmen Aufwand und Ertrag überhaupt?

Der FC Uster hat sogar das Ziel, nach Brasilien zu reisen, sobald es die Situation wieder zulässt.

Ein solches Abenteuer erlebte der FC Rüti bereits. 2019 verschlug es ihn nach Thailand. «Das war ein Höhepunkt, wovon wir ­heute noch reden», sagt Lars Grimm.

Für Brüttisellens Remy ist der sportliche Nutzen eines Trainingslagers im Breitenfussball indes eher bescheiden. «Es ist aber fürs Team wichtig», bekräftigt er.

Gossaus Trainer Häsler nutzt dort die Zeit für Dinge, die sonst eher auf der Strecke ­bleiben, wie das Üben von Standardsituationen. Dabei geht es auch immer darum, einen guten Mittelweg zu finden – zwischen Training und Spass. «Schliesslich geben die Spieler eine Woche Ferien her.» Wichtig ist Häsler zudem, dass das Trainingslager jeweils nicht allzu weit vom Rückrundenstart weg stattfindet. «Für den guten Flow», wie er betont.

— Trainingslager sind teuer, wer finanziert sie?

Und dann sind noch die Kosten. Für eine Woche sind schnell 1000 Franken pro Kopf fällig – je nach eigenem Anspruch. Wie viel der Spieler dazu beiträgt, ist aber unterschiedlich. Und hängt oft davon ab, ob dieser beispielsweise Goal- und Matchbälle-Sponsoren findet.

Bei Rüti wird mit einem Gewinnspiel ein fast fünfstelliger Betrag generiert, und in Greifensee erhält das Team abhängig vom Tabellenplatz der Vorsaison einen Beitrag.

Bei vielen Zweit­ligisten bezahlen die Spieler so wohl maximal die Hälfte des Gesamtbetrags. Aussen vor ist nur der FC Uster. «Das Trainings­lager ist durch Sponsoring abgedeckt», sagt Sportchef Leemann.

«Es sind viele Klubs noch sehr zurückhaltend»

Kommt die Entspannung der Lage für Sie als Trainingslager-­Anbieter zu spät – oder gibts noch einen Schub? 
Stefano Paoli*: Leider haben sich viele Teams entschieden, kein Trainingslager durchzuführen. Oder sie haben es auf 2023 verschoben. Vereinzelt gibt es Klubs, die sich kurzfristig umentschieden haben. Es bleibt aber im kleinen Rahmen.

Und wo zieht es die Klubs ins Trainingslager hin? 
Aktuell ist Gran Canaria die angesagteste Destination. Natürlich schon rein vom Klima her, aber ebenso, weil die Hotels alles inklusive anbieten. Doch auch die Südtürkei, Benidorm und Torremolinos in Spanien werden gut gebucht. Dazu kommt die Algarve in Kombination mit ein bis zwei Nächten in Lissabon. 

Ist nicht gerade das Tessin in einer unsicheren Zeit wieder verstärkt angesagt?
Tatsächlich haben sich diverse Vereine dazu entschieden. Te­nero und Ascona sind gut gebucht, wobei wir selbst nur Trainingslager im Ausland anbieten.

2021 ging bekanntlich gar nichts. Dieses Jahr sind Trainingslager wieder möglich. Wie viele machen von dieser Möglichkeit wieder Gebrauch?
Es sind viele Klubs noch sehr zurückhaltend. Ich schätze, wir haben im Vergleich zu 2020 etwa 35 bis 40 Prozent der Buchungen. Dies vor allem wegen der ständig ändernden Einreisebestimmungen der Länder. 

Sie bieten auch eher exotische Trainingslager an, beispielsweise nach Brasilien und Thailand. Doch machen diese Trips mit dem langen Flug und einer Zeitverschiebung Sinn?
Diese Destinationen werden fast ausschliesslich von Interregio-­Klubs und höher gebucht. Also von Vereinen mit einem grösseren Budget. Vom Preis-Leistungs-­Verhältnis her empfehle ich Dubai.

Nicht alle Vereine wollen gleich eine ganze Woche in ein Trainingslager. Ist da ein Trend erkennbar?
Es läuft verstärkt in Richtung ­Minicamps. Sprich: mit fünf Tagen und vier Übernachtungen. In den meisten Fällen sind die Kosten dafür entscheidend. (dsc)

* Paoli ist Inhaber des Reisebüros Promo-one GmbH in Uster

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