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Politik

«Der Weihnachtsmann ist der Gute und der Samichlaus der Böse»

Am sechsten Dezember bringt der Samichlaus den Kindern Schoggi, Mandarinli und Nüssli. Ob Oberländer wissen, wie dieser Brauch entstanden ist, zeigt eine Strassenumfrage in Effretikon und Uster. Dieser Artikel erschien bereits einmal auf züriost.ch. Um Ihnen die Festtage zu versüssen, gibt es eine Auswahl der besten Geschichten des letzten Jahres.

Symbolbild: Nicolas Zonvi

«Der Weihnachtsmann ist der Gute und der Samichlaus der Böse»

«Am sechsten Dezember kommen der Samichlaus und der Schmuzli bei uns zuhause vorbei», sagen zwei kleine Mädchen. Auch wenn alle von Züriost befragten Personen den Samichlaus kennen, feiern nur wenige den sechsten Dezember. «Wir essen am Morgen jeweils einen Grittibänzen», so ein älteres Ehepaar.

«Sein Gedenktag am sechsten Dezember entwickelte sich zu einem Tag der Beschenkung für Kinder.»
Georg Otto Schmid, Religionsexperte 

Die Gebäckfigur aus Hefeteig, die zum sechsten Dezember gegessen wird, ist dem typischen Erscheinungsbild des Samichlaus nachempfunden. Rosinen für die Knöpfe am Gewand und manchmal eine Pfeife sind seine Erkennungsmerkmale. Dazu, wie der Brauch des Samichlaus entstanden ist und wer der alte Mann mit dem roten Gewand eigentlich ist, gibt es verschiedene Legenden. 

Viele der Befragten verbinden den Samichlaus mit der Legende des Sankt Nikolaus. «Das war ein älterer Herr, der den Menschen, die damals in Not waren, Gaben verteilt hat», sagt ein junger Mann. Dass es sich dabei um einen Bischof aus Myra  – eine Ortschaft in der heutigen Türkei – gehandelt habe, weiss nur eine ältere Frau. Gemäss Georg Otto Schmid, Religionsexperte und Leiter der Evangelischen Informationsstelle Relinfo in Rüti, hätte dieser Nikolaus aus dem 4. Jahrhundert damals sein Vermögen an Bedürftige verschenkt. «Sein Gedenktag am sechsten Dezember entwickelte sich so zu einem Tag der Beschenkung für Kinder», sagt er.

Samichlaus versus Weihnachtsmann

Dieser Brauch habe sich später im Mittelalter etabliert, wie in der Fachliteratur zu lesen ist. Dazu beigetragen habe ein Klostervorsteher von Sion, der ebenfalls Nikolaus geheissen hätte. Er habe am Nikolaustag an die Tore des Klosters geklopft und die Schüler nach ihren guten wie auch schlechten Taten des vergangenen Jahres gefragt. Zum Schluss habe er allen ein kleines Geschenk übergeben. Mit der Zeit hätten sich die beiden Nikolausfiguren miteinander vermischt.

«Jahrhundertelang war das Nikolausfest und nicht Weihnachten der Tag der Geschenke.»
Christoph Uehlinger, Professor für Religionswissenschaft

Viele Menschen kennen heute auch den Weihnachtsmann. Inwiefern sich dieser aber vom Samichlaus unterschiedet, ist nicht allen klar. «Das ist der gleiche», sagt eine Passantin. Gemäss einer älteren Frau gibt es aber einen charakterlichen Unterschied: «Der Weihnachtsmann ist der Gute und der Samichlaus der Böse.»

Eine andere ältere Passantin sagt, dass der Samichlaus im Vergleich zum Weihnachtsmann nichts mit Weihnachten zu tun hätte. Während in den USA der Weihnachtsmann für die Bescherung zuständig sei, gäbe es in der Schweiz dafür das Christkind.

Der Weihnachtsmann ist fiktiv

«Jahrhundertelang war das Nikolausfest und nicht Weihnachten der Tag der Geschenke», sagt Christoph Uehlinger, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Zürich, zum Nikolausbrauch. Die Beschenkung der Kinder sei aber oftmals von Bedingungen abhängig gemacht worden, fügt Georg Otto Schmid hinzu. So begleite vielerorts der strafende Schmutzli den Samichlaus auf seiner Tour. In anderen Gegenden der Schweiz strafe der Samichlaus laut Schmid bei Bedarf selbst.

«Der Weihnachtsmann ist der, den wir von der Coca-Cola-Werbung kennen.»
Ein Passant

Da Protestanten «Heilige», wie der Sankt Nikolaus einer war, nicht verehren, aber auf den Brauch des Beschenkens nicht verzichten wollten, hätten sie den Tag der Bescherung irgendwann auf die «Christnacht» verlegt. So sei die Rolle des Bescherens gemäss Uehlinger auf das Christkind übertragen worden.

Auch wenn seine optische Darstellung mit seinem roten Mantel und Bart dem Sankt Nikolaus nachempfunden wurde, könne der Weihnachtsmann gemäss Uehlinger im Gegensatz zum Samichlaus auf keine historische Figur zurückgeführt werden. «Der Weihnachtsmann ist der, den wir von der Coca-Cola-Werbung kennen», fasst es während der Umfrage ein Mann zusammen.

Weihnachtsbräuche
Züriost fragt bei den Oberländern nach, wie viel sie über die Weihnachtsbräuche wissen. Passanten erzählen, wie sie die Weihnachtszeit selbst feiern.

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