Der Tag danach: Warum über die Explosion bei Illnau niemand reden will
Bild der Verwüstung
Einen Tag nach der Explosion im Tätsch bei der Aussenwacht Luckhausen sind noch viele Fragen offen – doch die Polizei, die Stadt und die Nutzerin des Areals blocken ab.
Es ist ein sonniger, warmer Vorfrühlingstag in Luckhausen, keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Die Fernsicht ist atemberaubend – die Alpen wirken so nah, als wären sie nur einen Katzensprung entfernt. Über dem Wald zieht ein Mäusebussard seine Kreise, ein paar Vögel zwitschern um die Wette.
Dass hier in unmittelbarer Nähe vor nur einem Tag mehrere hundert Kilogramm Sprengstoff detoniert sind, darauf lässt nur das Absperrband der Polizei schliessen, das nach wie vor weite Teile des Areals Tätsch umschliesst. Doch auch aus mehreren hundert Metern Entfernung kann man zahlreiche Beamte der Kantonspolizei Zürich sehen, die auf dem Gelände umherlaufen – manche von ihnen befinden sich im riesigen Krater, den Explosion und Druckwelle hinterlassen haben. Immer wieder hört man es laut knallen: Die Spezialisten des Zürcher Entschärfungsdiensts des Forensischen Instituts Zürich sind dabei, den restlichen Sprengstoff kontrolliert zu vernichten, der am Vortag nicht in die Luft gegangen ist.
Auf dem Areal offenbart sich ein Bild der Verwüstung
Wer durch den Maschendrahtzaun blickt, der das Gebiet eingrenzt, dem offenbart sich ein noch deutlicheres Bild der Verwüstung: Mehrere Aussenwände eines grossen Wellblechgebäudes sind komplett herausgeflogen, manche sind noch lose mit dem Bauwerk verbunden. Auch mehrere kleinere Baracken in unmittelbarer Umgebung, mehr Hütten als richtige Gebäude, sind infolge der Druckwelle zerstört worden: Man sieht lose Ziegelsteine und heruntergefallene Wellblechplatten und Dachlatten.
Eine Sache ist heil geblieben: Fahnenstange und Fahne vor der grossen, teils eingestürzten Haupthalle – «Geo Rock AG – Spreng- und Tiefbauberatung» ist dort zu lesen. Ob es auch die Geo Rock AG war, die am vergangenen Mittwoch dort den Sprengstoff kontrolliert abbrennen wollte, ist nicht bekannt, die Firma will dazu auf telefonische Anfrage keine Angaben machen.
Und auch die Kantonspolizei hüllt sich in Schweigen. «Die Personen gehören zu einer privaten Organisation. Nähere Angaben zu Beteiligten machen wir grundsätzlich nicht», sagt Mediensprecher Alexander Renner, der am Donnerstagmittag vor Ort ist. Er könne auch nicht sagen, wo genau die beiden Personen sich während der fehlgeleiteten Sprengung befunden hätten. «Man kann aber mit Sicherheit von Glück reden, dass sie bei einer Explosion dieses Ausmasses nicht schwerer verletzt sind.» Die Polizei habe die beiden bereits befragt, man werte aktuell noch die Ergebnisse aus.
Unverständnis bei den Anwohnern
In der Aussenwacht Luckhausen, die unmittelbar an das Areal grenzt, ist man die Knallerei zwar gewohnt, weil regelmässig Sprengungen auf dem Tätsch stattfinden. Die Heftigkeit der Explosion vom Mittwoch überstieg aber das zuvor Gewesene deutlich. Eine Anwohnerin, die in unmittelbarer Nähe einen Pferdehof betreibt, zeigt nur wenig Verständnis dafür: «Wie kann man denn so viel Sprengstoff kontrolliert abbrennen lassen?», fragt sie.
Und fügt hinzu: «Ich verstehe generell nicht, warum man so etwas überhaupt machen muss.» Vor allem, dass der Vorfall im Nachhinein von den Behörden aus ihrer Sicht als Lappalie abgetan wird, macht sie wütend. «Aber ich erwarte sowieso nicht mehr viel von der Menschheit.» Immerhin hätten ihre Pferde den lauten Knall den Umständen entsprechend gut verkraftet.
Wie kann man denn so viel Sprengstoff kontrolliert abbrennen lassen?
Anwohnerin
Einen zehnminütigen Fussmarsch von ihrem Hof entfernt, unterhalb des Tätsch-Areals, liegt der Hof Guggenbüel. Auch dort hat die Kantonspolizei ein Auto mit zwei Beamten postiert.
Die Pächter des Hofs haben wenig Lust, ausführlicher mit der Presse zu sprechen. «Schon gestern waren wir den ganzen Tag nur damit befasst, jetzt sind wir mit der Arbeit im Rückstand», entgegnet die Bäuerin, während sie Stroh auf dem Anhänger festspannt. Ihr Schafe seien zwar kurz erschrocken, mittlerweile sei aber alles wieder in Ordnung, gibt sie preis.
Die wichtigen Fragen bleiben ungeklärt
Am Ende des Tages bleiben trotz dem Augenschein vor Ort die wirklich drängenden Fragen im Zusammenhang mit der Explosion offen: Wer waren die Beteiligten? Im Auftrag von wem haben sie gehandelt? Weshalb war es überhaupt nötig, eine solch grosse Menge Sprengstoff zu vernichten? Was lief schief? Auch die Stadt Illnau-Effretikon, auf deren Gebiet das Tätsch-Areal liegt, gibt sich bedeckt. Ob und wann die Kantonspolizei weitere Erkenntnisse aus ihren Ermittlungen preisgibt, bleibt offen.