Der Hinwiler Paul Nyffeler lebte für die Musik
Nachruf
Paul Nyffelers Liebe und Leidenschaft für die Musik kam nicht von Ungefähr. Seine letzte Melodie konnte jedoch nicht mehr gespielt werden.
Der Hinwiler Musiker, Dirigent, Arrangeur, Musiklehrer und Komponist Paul Nyffeler ist am 11. Mai nach schweren und schmerzhaften Altersbeschwerden und kurzem Aufenthalt im Unispital Zürich friedlich eingeschlafen, fünf Wochen vor seinem 91. Geburtstag. Musik war sein Leben, von Anfang an.
Das kam nicht von ungefähr. Vater Paul Nyffeler senior und Mutter Frieda, gebürtige Oswald, Tochter der Wirtsleute im «Frohsinn» Wald, erteilten dort in der Musikschule Nyffeler Unterricht. Klein Paul lernte damals schon durch Zuhören autodidaktisch diverse Instrumente. Als Kindergartenknirps sammelte er auf der Bühne des Hotels Schweizerhof in Wald bereits Bühnenerfahrung.
Vom 12. Altersjahr an ging Paul zum Walder Organisten Jakob Egli in die Klavier- und Orgelstunde. Während der Schuljahre spielte er in den inzwischen zahlreich vom Vater gegründeten Handharmonikaklubs ohne Noten gekonnt die sogenannte Obligatstimme. Er improvisierte und hatte Spass dabei, der ihn aber nicht befriedigte.
Pauls grosse Faszination galt schon als kleiner Knirps den rassigen Militärmärschen in den Blasmusiken. Und da sein Vater auch Bläser unterrichtete, war der Entscheid seiner musikalischen Weiterentwicklung klar. Dazu kam, dass Paul senior im Auftrag der Harmoniemusik Wald auch den Nachwuchs in den Knabenmusiken Wald und Wetzikon unterrichtete. Paul senior selbst spielte in der Harmoniemusik Wald den B-Bass. Es war klar, dass Paul in der Knabenmusik auch den B-Bass spielte. Dazu kam, dass sich Pauls Lippen nicht für die Trompete eigneten.
Am Konservatorium und an der Musikakademie Zürich belegte Paul die Fächer Musiklehre, Harmonielehre, Klavier, Posaune und Klarinette. 1952 folgten in der Trossinger Musikschule in Deutschland die Kurse für Akkordeonlehrer.
Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Paul damals mit Musikstunden, Probenleitung und Akkordeonreparaturen. Als 18-Jähriger hatte Paul mit dem Handharmonikaklub Bäretswil seinen ersten grossen Auftritt mit Marschmusik im Umzug und Konzert auf der Bühne.
1953/1954 erfüllte sich Pauls Bubentraum als «Militärmusiker» mit seiner Ausbildung als Posaunist in der Rekrutenschule. Zwei Wochen nach dem Abverdienen in der Unteroffiziersschule zum «Führen einer Militärmusik», am 12. Dezember 1954, starb sein Vater Paul senior nach einem Herzinfarkt. Sechs Handharmonikaklubs standen verwaist da, ebenso die Knabenmusik Wald, der Musikverein Weisslingen und ein voller Stundenplan mit Musikschülern.
Für Paul, der noch in der Ausbildung stand, war klar: Musikstudium abbrechen, Prüfung für Akkordeonlehrer bestehen, Handharmonika-Klubs zusammenlegen und Mutter Frieda als Musiklehrerin wieder aktivieren.
Bereits 1956 konnte Paul an der Walderstrasse 45 in Hinwil Musikhaus und Musikschule Nyffeler eröffnen. Inzwischen hatte er auch durch Umbesetzungen und Einbezug weiterer Instrumente die Handharmonikaklubs zu Akkordeonorchestern mit einer Klangvielfalt sondergleichen umgebaut.
1960 heiratete Paul die Primarlehrerin Agathe (Hadly) Bürgisser aus Bürg.
Hadly hatte sich in den erforderlichen Lehrkursen mit den Brevets für Akkordeon, Gitarre und Klavier als Musiklehrerin erfolgreich eingefügt. Sohn Reto wurde im Frühjahr 1964 geboren, Tochter Gaby folgte ein Jahr später.
Stolz war Paul auf seinen Sohn Reto und dessen musikalische Ausbildung mit einer lückenlosen militärischen Laufbahn bis zum Adjutanten im vierten WK. Mit 18 Jahren übernahm Reto Pauls Akkordeonorchester. Mit 22 Jahren war Reto eidgenössisch diplomierter Blasmusikdirigent, 1987 folgte der eidgenössisch diplomierte Klavierlehrer.
Neben der Ferag-Musik kam 1987eine weitere neue Formation dazu, die Nyffeler-Oldies, deren Spielerinnen und Spieler ursprünglich ehemalige Schüler von Paul Nyffeler senior waren. Im Herbst 1994 gab Paul den Taktstock der Oldies an Helmut Fröhlich weiter. Mit den meist von Paul arrangierten Melodien hatten die Oldies viele erfolgreiche Auftritte.
Plötzlich fühlte sich Paul verbraucht. Er spürte schmerzhaft den Raubbau, den er mit seinem Körper betrieben hatte. Als sich seine Familie auflöste, war er am Boden zerstört. Er wollte nur noch weg. In Spanien fand er Unterschlupf. Aber wie es so ist: Kaum in Spanien eingelebt, musste er zurück nach Hinwil.
Als Kollege Fredy Kaufmann in Magadino TI Ersatz für eine Silvestermusik suchte, sagte Paul zu. Das Duo spielte 16 Jahre im Tessin, bis die Gesundheit Paul zwangen, wieder nach Hinwil zu kommen.
Nach drei Monaten Spital und Reha im Rollstuhl hat Paul in seiner neu geschenkten Zeit Musikarrangements für sich und andere geschrieben. Pauls letzte Komposition vom 27. Oktober 2023 für die Nyffeler-Oldies, der Marsch «Erinnerung an Vater Paul Nyffeler senior», konnte nicht mehr gespielt werden. Uns bleibt die Erinnerung.