Der grosse Verlierer wäre der Nachwuchssport
In fünf Wochen stimmen wir über die Halbierungsinitiative ab. An einer spannenden Diskussion der Oberländer SRG-Sektion zeigte sich, was alles auf dem Spiel steht.
Noch nie hat die Jahresversammlung der regionalen SRG-Sektion im Januar stattgefunden. Aber dieses Jahr ist alles anders. Am 8. März wird über die Halbierungsinitiative abgestimmt. Damit sollen die Gebührengelder um 100 Franken auf 200 Franken pro Haushalt und Jahr gesenkt werden. Und weil eine Annahme für SRF und SRG einen «Kahlschlag» bedeuten würde, hat die SRG-Sektion 3 bereits jetzt zur Versammlung eingeladen. «Wir müssen informieren und aufzeigen, was dies bedeuten würde», sagte Sektionspräsident Heinz Gantenbein aus Nänikon.
Die SRG Zürich Schaffhausen setzt sich für die Förderung und Erhaltung eines öffentlichen Medienangebots mit hohen Qualitätskriterien ein. Sie unterstützt in ihrem Tätigkeitsgebiet das nationale Medienhaus SRG SSR im Rahmen seiner medienpolitischen Zielsetzungen und fördert den Austausch zwischen dem Publikum und den Programmschaffenden von Schweizer Radio- und Fernsehen (SRF).
Die SRG Zürich Schaffhausen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde sie am 16. Februar 1924 von Rundfunkpionieren als Radio-Genossenschaft in Zürich (RGZ). Im Handelsregister firmiert sie heute als Radio- und Fernsehgenossenschaft Zürich Schaffhausen (RFZ). Die Sektion 3 umfasst die drei Oberländer Bezirke und den Bezirk Meilen am rechten Zürichseeufer.(zo)
So war denn auch nicht der statutarische Teil spannend, sondern das anschliessende Podiumsgespräch mit der Nationalrätin und Rütner Gemeindepräsidentin Yvonne Bürgin (Die Mitte). Sie ist Mitglied der Finanzkommission und präsidiert seit letztem September die Mitte-Fraktion der Bundesversammlung.
Dass es in erster Linie um die Auswirkungen auf den Sport geht, zeigte die weitere Besetzung der Gesprächsrunde: Michelle Wiki, ehemalige Unihockey-Nationalspielerin und heute SRF-Expertin, sowie Patrick Bloch, CEO von Swiss Unihockey und ein profunder Kenner der Sport- und TV-Szene.
Vinzenz Wyss, Journalistik-Professor an der ZHAW, leitete das Gespräch und war auch dafür besorgt, dass es nicht einfach ein einseitiges Herunterbeten der Kontra-Argumente war, auch wenn kein Befürworter der Initiative auf der Bühne im «Löwen»-Saal in Meilen sass.
Yvonne Bürgin ist eine versierte Medienpolitikerin. Sie räumte an diesem Abend mit einigen Argumenten der Befürworter auf. Zum Beispiel:
Die Haushalte können 100 Franken sparen
- Das stimmt deshalb nicht, weil – gerade im Sportbereich – viele Übertragungen ins Pay-TV abwandern würden. Diese Tendenz ist schon heute im Schweizer Eishockey zu erkennen. Man spart also nichts.
Die Unternehmen würden entlastet
- Bereits beschlossen ist eine Anpassung der Umsatzschwelle für Firmen, die ihren Teil zur SRG beitragen. Heute bezahlen Firmen ab 500'000 Franken Umsatz diese Gebühren. Neu wird diese Schwelle auf 1,2 Millionen angehoben. 80 Prozent aller Firmen zahlen also sowieso nichts mehr.
Auch mit 200 Franken kann man ein tolles Programm machen
- Kann man nicht. Eine Annahme der Initiative hätte tiefgreifende Folgen auf alle Bereiche, nicht nur den Sport. In der Verfassung ist der Auftrag der SRG verankert. Sie muss die Bereiche Information, Bildung, Kultur, Unterhaltung und Sport abdecken – und das in den vier Landessprachen.
Es geht nicht ums Lauberhorn
Immer wieder werden die Lauberhornrennen als Beispiel gebracht. Die würde man vielleicht noch auf SRF zu sehen bekommen. Fussball wohl auch. Aber was ist mit den anderen Sportarten? Unihockey zum Beispiel, wo die Schweizer Nationalmannschaft im Dezember den Weltmeistertitel geholt hat? Michelle Wiki und Patrick Bloch zeigten eindrücklich auf, was die Präsenz im Fernsehen für solche Sportarten bedeutet. «Sichtbarkeit im Fernsehen motiviert den Nachwuchs, man sieht Vorbilder und begeistert sich für eine Sportart», betonte Michelle Wiki. Und Bloch wusste auch, dass sich private Anbieter nicht für Handball, Unihockey oder Reiten interessieren. So etwas könne nur das SRF, und auch hier werde nur ein kleiner Teil der Kosten über Sponsoring abgedeckt.
Ohne Gebührengelder würden diese Sportarten aus dem Fernsehen verschwinden. Nachwuchs zu motivieren, Sponsoren zu finden, würde nicht nur schwieriger, sondern teilweise wohl unmöglich. Die Verlierer wären also die Jungen und die Sportvereine.