Der «Gmögige» des Trio Eugster ist zuerst gegangen
« Ich kenne die ganze Familie Eugster von Kindsbeinen an. Aber am besten wohl Guido. » Heinz Jauch, langjähriger Dübendorfer Stadtpräsident, hat denn auch eine spezielle, sogar familiäre Beziehung zum ältesten der drei Eugster-Trio-Brüder, der am Karsamstag verstorben ist. Guido Eugster war der Schwiegervater von Jauchs Tochter. Und eigentlich wäre jetzt dann wieder ein Familientreffen anlässlich der Konfirmation eines der Kinder dieses Paares vorgesehen gewesen.
Jauch verfolgte den Aufstieg des Trio Eugsters von Beginn an – « ich bin ein richtiger Fan » , schon damals, als das spätere Trio mit Guido, Alex und Vic noch ein Quartett war und den ältesten Bruder Paul miteinschloss. Dieser stieg aus, bevor das Dreiergespann ab 1967 mit ihren heute noch bekannten Hits wie «Läck Du mir am Tschööpli», «Jetzt muess de Buuch weg», «Söll emal cho» oder «Ganz de Bappe» über 20 Jahre lang Erfolge feiern konnten.
Das « Buuch-weg » -Lied war dem fülligen Spassvogel Guido auf den Leib geschrieben worden. Die Brüder erhielten im Jahr 1982 gar mit «Iischtige bitte!» eine eigene TV-Sendung im Schweizer Fernsehen. Mit ihren Showgästen wurden sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Dübendorf schweizweit bekannt gemacht
Von diesem Ruhm habe auch die Stadt Dübendorf profitiert, meint Jauch, der dem Trio als Präsident der Kulturkommission Mitte der 1980er Jahre die Kulturmedaille überreichen durfte: « Für unsere Stadt waren das ganz prägende Künstler. Sie trugen den Namen Dübendorf in die ganze Schweiz hinaus. »
Auch wenn Guido schon länger krank war und seit Jahren wegen Diabetes Mühe mit dem Gehen hatte, sei sein Tod für ihn überraschend gekommen, meint Jauch. « Er hat jetzt mit Bauchspeicheldrüsenkrebs ein paar schlimme Wochen erlebt und musste zuletzt ins Spital Uster. »
Während Vic ein guter Sänger und Alex der Komponist gewesen sei, habe der 84 Jahre alt gewordene Guido als « gmögige » und lustiger Sympathieträger des Trios gegolten.
Nächtliche Idee zum ersten Lied
Dass Guido der Lustige der drei gewesen sei – « obwohl er ein Geschäftsmann war » – , bestätigt auch Hans Ludwig Oestreicher. Der Inhaber der Plattenfirma Turicaphon war ganz am Anfang der Eugster-Karriere mit dabei. Die einzige Schweizer Schallplattenfabrik, die seit 1936 in der Ustermer Aussenwacht Riedikon domiziliert ist, presste bis 1991 Vinyl-Platten und war auch Musikproduzentin von nationalen und internationalen Stars.
« Als sie zu singen begannen, setzte ich mich mit ihnen in Verbindung und brachte danach auch ihre Platten raus » , erinnert sich Oestreicher. Er weiss noch, wie der erste Hit entstand. In einer nächtlichen Besprechung in Riedikon habe einer der drei gemeint « Oh läck Du mir, ich habe Kopfweh und muss nach Hause » . Die Idee war geboren und rasch entstand der Text zum Lied – statt « Füdli » wurde das massentauglichere « Tschööpli » angehängt – , das den Durchbruch brachte.
Wie Vic Eugster (heute 81) im Lunchtalk bei der Zürcher Oberland Medien AG Mitte 2017 erklärte, sei dies der einzige Liedtext der drei Brüder geblieben. Die weiteren hätten sie von Dritten geholt, während Alex diese Texte vertont habe.
Kein Trio Rollator
Für Vic Eugster war der denkwürdige Höhepunkt des Trios, das rund zwei Millionen Tonträger verkaufte, der Auftritt an den Olympischen Spielen 1972 in München. Nach ihrem Rücktritt gab es nur noch wenige Bühnenauftritte. Vor vier Jahren meinte Vic Eugster: «Gesanglich ginge es schon, das haben wir schliesslich richtig gelernt, aber körperlich nicht.»
Vor allem Guido war schon damals auf Stock und Rollator angewiesen. Das Altern bereite ihnen keine Mühe. «Wir nehmen das nicht so ernst, und machen uns über unsere Beschwerden sogar lustig», erzählte Eugster im Lunchtalk. Der Kontakt unter den Brüdern blieb bis zuletzt sehr eng.
Der letzte gemeinsame Auftritt des Trios fand 2013 im Kultur- und Kongresszentrum Luzern statt. «Es war uns allen klar, wenn das gut geht, ist definitiv Schluss.» Im Lunchtalk fügte er dann mit einem schallenden Lachen hinzu: «Als ‹Trio Rollator› wollen wir nicht auf die Bühne.»
Musik und Curling
Vor heimischem Publikum – rund 700 Personen waren dabei – in Dübendorf ging 2012 der zweitletzte grosse Einsatz über die Bühne und zwar in der Curlinghalle. Gefeiert wurde damals das 50jährige Bestehen des Curlingclubs. Und dieser Anlass ist auch das Bindeglied zum grossen Hobby von Guido. Bernhard Attinger, die Nummer drei im legendären Attinger-Familienteam aus Gockhausen, das 1984 zuerst den Schweizer-Meister-Titel, danach WM-Silber und schliesslich Curling-EM-Gold gewann, erinnert sich: « Wir Attingers waren eine Curlingfamilie und die Eugster-Brüder haben gesungen. Aber das Curling hat uns zusammengeführt, interessierten sich die Eugsters doch für unseren Sport. »
Daraus entwickelte sich eine Freundschaft und auch ein Eugster-Engagement auf dem Eis: Von 1989 bis 1996 präsidierte Guido Eugster den Curling Club Dübendorf und sponserte auch die Clubfahne. « Wir hatten eine tolle Zeit zusammen » , betont Attinger. Und noch heute ist der 83-jährige Alex Eugster, der mittlere des Gesangstrios, auf einem Rink anzutreffen oder bei einem Jass mit dem ehemaligen Curlingstar.