Der Captain, der sein Team von ganz hinten leitet
Er ist Identifikationsfigur und Leader beim FC Dübendorf. Wenn Labinot Bytyci im Tor des Glattaler Interregio-Klubs steht, sind die Erfolgschancen gross.
Es ist ein lauer Sommerabend. Einige wenige Minuten verspätet kommt Labinot Bytyci zum Treffpunkt vor dem Restaurant des Sportplatzes Zelgli. Er entschuldigt sich gleich mehrfach dafür und begrüsst den Mitarbeiter der Pizzeria Wändli mittels Handschlag.
Der langjährige Torhüter schätzt das familiäre Ambiente rund um den Verein. Die ganze Anlage des FC Dübendorf mag ihre besten Tage hinter sich haben, doch genau das verleiht ihr diesen besonderen Charme. «Etwas Nostalgisches», findet Bytyci sogar, während sein Blick über die beiden Rasenplätze schweift und er auf die verwitterte Tribüne zeigt. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das ihn seit Jahren an den FCD bindet.
Eine Respektsperson für alle
Wer ihm gegenübersitzt, erlebt einen ruhigen, überlegten Gesprächspartner, der seine Aussagen genau abwägt. Kein schlechtes Wort über einen ehemaligen Mitspieler oder Trainer geht ihm über die Lippen. Ganz anders präsentiert er sich auf dem Rasen, wo der 1,85 Meter grosse Torhüter lautstark dirigiert und in der Kabine gerne mal klare Ansagen macht, wenn ihm etwas nicht passt. «Ich erwarte nie etwas von jemand anderem, das ich nicht von mir erwarten würde. Und es ist nie böse gemeint», betont er.
Gerade das Coaching seiner Mitspieler ist etwas, das ihn besonders auszeichnet. Viele mögliche gefährliche Situationen könnten so verhindert werden, ist er überzeugt. «Der Goalie sieht alles von hinten», sagt er. Er geniesst den uneingeschränkten Respekt des Teams. Nicht von ungefähr steigt Bytyci schon in seine vierte Saison als Captain. Für seinen Trainer Shaip Krasniqi ist er schlicht «brutal gut und ein echter Leader».
Bytyci fühlt sich als Dübendorfer durch und durch. Geboren wurde er im kosovarischen Prizren, wuchs dann aber ab seinem dritten Lebensjahr in Schwerzenbach auf – und machte dort als Kind seine ersten Schritte als Fussballer beim Verein aus der Nachbargemeinde. In der Stadt Dübendorf selbst wohnte er nie. Seit geraumer Zeit lebt er mit seiner Familie in einer Eigentumswohnung in Brütten.
Dennoch hütet Bytyci bereits seit mittlerweile elf Saisons das Tor der Glattaler – nur unterbrochen von einem halbjährigen Abstecher nach Effretikon. In Dübendorf hatte er auch seine Ausbildung zum Detailhandelsangestellten absolviert. «Im Denner an der Strehlgasse», wie er anfügt.
Aus der Komfortzone raus
Als Torhüter war Bytyci kein Senkrechtstarter. Weder als Junior noch bei den Aktiven. Sein Goalie-Know-how erarbeitete er sich vornehmlich im Nachwuchs des FC Blue Stars. Als Jugendlicher fuhr er einige Zeit mit dem Zug von seinem Heimatort Schwerzenbach nach Zürich. «Das hat mir gutgetan, um aus der Komfortzone zu kommen», findet Bytyci.
Später fällt ihm der Erfolg auch beim FC Dübendorf nicht in den Schoss. Eine Zeit lang hütet er vornehmlich das Gehäuse der zweiten Mannschaft. 2019 packt er dann die Möglichkeit beim Schopf, beim FC Effretikon in der 2. Liga zu spielen. Doch nachdem FCD-Stammkeeper Thierry Ursprung den Klub Richtung Volketswil verlassen hatte, musste er nicht lange über eine mögliche Rückkehr nachdenken, als Präsident Markus Herzog ihn kontaktierte. «Die Verbundenheit ist viel zu gross», sagt Bytyci.
Für Herzog ist ohnehin klar: «Er ist einer der besten Goalies der gesamten Liga.» Der Klubboss, früher selbst Torhüter, streicht insbesondere Bytycis Stellungsspiel und Präsenz heraus. «Bei 1:1-Situationen bleibt er sehr lange stehen», sagt Herzog. Und er könne sich gar nicht erinnern, ob Bytyci über all die Jahre schon einmal verletzt gewesen sei.
Eine Statistik, die keine Zweifel offenlässt
Gefehlt hatte Bytyci in der abgelaufenen Saison dennoch einige Male. «Er war zu viel in den Ferien», moniert Herzog nicht von ungefähr. Ein Blick auf die Statistik der letzten Meisterschaft genügt, um zu erkennen, wie wichtig Bytyci für den FC Dübendorf ist.
Der Interregio-Klub holte in den 23 Partien mit ihm im Tor 36 der insgesamt 39 Punkte. Diese reichten auch, um letztlich relativ souverän den Klassenerhalt sicherzustellen. Bytyci nimmt es unaufgeregt. «Bei einem Goalie ist es wie beim Wein. Er wird erst mit den Jahren richtig gut.»
31 ist er mittlerweile. Und beim FCD eigentlich nicht wegzudenken. An einen möglichen Rücktritt verschwendet Bytyci noch keinen Gedanken. «Solange es Spass macht und ich das Niveau halte, mache ich weiter», sagt er. Dafür stehen privat für ihn Veränderungen an – im kommenden Jahr will er heiraten.
Und Bytyci hat sich offensichtlich auch die Worte seines Präsidenten zu Herzen genommen. In den Ferien weilte Bytyci nämlich dieses Mal bereits vor dem Start in die Meisterschaft. Es sind vielversprechende Perspektiven für den FC Dübendorf.
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