Kultur

Lara Stoll auf Tour

«Denen, die mich noch nie gesehen haben, wünsche ich viel Glück»

Eklektisch, dadaistisch und für Slam-Poetry zu verrückt. Lara Stoll ist mit ihrer fünften Show auf Tour und beehrt am Freitag Dübendorf.

Lara Stoll, eine der lustigsten Personen der Schweiz, kommt ins Oberland für ihre neue Show.

Foto: Fiona Murtaj

«Denen, die mich noch nie gesehen haben, wünsche ich viel Glück»

Eklektisch, dadaistisch und für Slam-Poetry zu verrückt. Lara Stoll ist mit ihrer fünften Show auf Tour und beehrt am Freitag Dübendorf.

Frau Stoll, Sie sind eine der lustigsten Personen der Schweiz. Sie müssen weder Witze erzählen noch gross auf Pointen hinarbeiten. Und trotzdem bringen Sie Ihr Publikum zum Lachen. Wie schaffen Sie das bloss?

Lara Stoll: Ich versuche, Themen zu finden, bei denen sich die Menschen wiedererkennen. Das ist für mich auch das Schwierigste im Prozess, wenn ich ein neues Programm konstruiere. Ich bin selbständig erwerbend und führe ein unkonventionelles Leben, arbeite viel am Abend. Eine gemeinsame Schnittmenge an Themen zu finden, kann herausfordernd sein. Letzten Endes möchte ich den Leuten Bilder in den Kopf setzen, das Kopfkino passieren lassen und sie damit zum Schmunzeln und Lachen bringen.

Gibt es denn etwas, das Sie nicht lustig finden?

Bei zu vielen Wortspielen und Schenkelklopfern steige ich ehrlich gesagt aus. Ich mag es auch nicht so gern, wenn die Leute über ihre eigenen Witze lachen. Humor ist etwas wirklich sehr Individuelles. Recht machen kann man es nicht allen, aber ich finde, Spitzen gehören generell nicht nach unten ausgeteilt.

Wie meinen Sie das?

Ich habe im aktuellen Programm einen Text, der über die Schweiz handelt. Dabei geht es um Dinge, hinter denen ich nicht stehen kann und die ich als heuchlerisch empfinde. Das muss man ansprechen können, und gerade in so einem Land wie der Schweiz darf man das auch.

Sie üben in Ihrer neuen Show also Kritik an der Schweiz?

Es ist lediglich ein Text. Man muss nicht mit einem politischen Programm rechnen. Eigentlich ist meine Show total eklektisch und dadaistisch. Es geht um Salat, ums Autofahren, um das Älterwerden und um die mentale Gesundheit.

Ein Foto von Lara Stoll.
Als eklektisch und dadaistisch beschreibt Lara Stoll ihr Bühnenprogramm.

Wie unterscheidet sich diese Show von Ihren bisherigen?

Es ist recht abwechslungsreich, und es gibt immer wieder Überraschungsmomente. Die Show unterscheidet sich in dem Sinn, weil ich zuvor eher Lesungen abhielt. Dieses Mal bin ich etwas direkter, spreche mit meinem Publikum. Ich trage auch ein Bühnenkostüm, spiele Instrumente und gestalte es etwas interaktiver.

Worauf können sich die Menschen freuen, die Sie bereits kennen?

Sie können sich auf eine Lara Stoll freuen, die zu ihnen spricht. Es ist nicht so, dass ich als Privatperson dort stehe. Aber ich sitze nicht einfach am Tisch und lese einen Text. Es ist auch viel Wahnsinn dabei.

Und worauf können sich die freuen, die Sie vielleicht noch nie gesehen haben?

Denen wünsche ich viel Glück. (Lacht.) Es ist schwierig, Leuten zu erklären, was für ein Genre ich hier mache. Es ist nicht Slam-Poetry, auch wenn es Lyrik enthält, aber es ist auch nicht Stand-up-Comedy. Kabarett ist es auch nicht. Es kamen bereits solche, die mich nicht kannten, und ich denke, dass es ihnen gefallen hat.

Ihre Texte und Aufführungen wirken manchmal wie ein Hirngespinst. Trotzdem tragen sie so viel Wahrheit. Wie schaffen Sie es in diesem Wahnsinn, den Sie vorher erwähnt haben, die Nähe zum Publikum zu bewahren?

Ich glaube, genau weil ich die Wahrheit erzähle. Die Leute glauben es manchmal nicht, aber es stimmt. Was ich auf der Bühne erzähle – zum Beispiel von meinen Erlebnissen, die ich in der Kleinkunstwelt so erlebe. Und das muss man mir dann glauben. So wird es ja lustig, auch wenn man nicht dabei war. Würde ich mir etwas aus den Fingern saugen und erfinden, würde ich viel verrücktere Dinge erzählen. Gleichzeitig ist das, was ich erzähle, schon absurd genug. Und wenn man dazu weiss, dass es sich um die Wahrheit handelt, ist es eben lustig und interessant.

Sie stehen mittlerweile 20 Jahre auf der Bühne, haben Preise gewonnen, machen Filme, Musik und haben sogar ein Buch geschrieben. Sie erwähnten in einem Interview mal, dass Sie viele Träume hätten, die Sie sich erfüllen möchten. Konnten Sie sich diese nun erfüllen? 

Also Träume, die ich geträumt habe? Oder Träume, die ich habe?

Träumen Sie denn Dinge, die Sie tatsächlich verwirklichen wollen?

Nein, das ist meistens ziemlicher Quatsch. Aber wenn es um Ziele geht, bin ich eigentlich happy. Selbstverständlich gibt es immer etwas zu tun oder zu erreichen, aber im Moment bin ich eher etwas demütig. Würde ich meine Ziele zu hoch setzen, würde mich das vielleicht lähmen. Trotzdem würde ich gerne mal noch einen Film machen oder eine Serie schreiben – ich habe ja Film studiert. Zurzeit versuche ich, meinen Job als Drehbuchautorin aufzubauen, denn ich weiss nicht, ob ich mit 50 Jahren noch durch die Schweiz touren will, wie ich es heute tue. Obwohl ich das sehr gerne mache.

Was machen Sie normalerweise nach einer Show?

Meistens versuche ich, so schnell wie möglich aus meinem total bescheuerten Kostüm herauszukommen und mich dann meinem Publikum zu widmen. Ich will ja vielleicht Bücher verkaufen oder einfach mit den Menschen sprechen. Im Anschluss muss ich aufräumen und nach Hause fahren, damit es nicht zu spät wird. Ich mache alles allein, darum sind die Auftritte ziemlich intensiv.

Ich verstehe, wieso Sie das nicht bis 50 machen wollen.

Ja, es kann heftig sein. Wenn ich beispielsweise in Bern auftrete, dann sind das schon mal acht Stunden inklusive Auf- und Abbau, Hin- und Rückfahrt und so weiter. Wenn ich nach Hause komme, streichle ich bloss noch meine Katze. Aber Dübendorf ist ja zum Glück gleich ums Eck. 

Waren Sie schon mal hier?

Ja, und es war total geil. Deshalb freue ich mich sehr. Ich weiss nicht, warum ich mich überhaupt daran erinnern kann, weil ich ja schon an vielen Orten war. Doch an Dübendorf habe ich eine total schöne Erinnerung. Hoffentlich kommen alle wieder und bringen jemanden mit. Es wird bestimmt schön.

Lara Stoll mit «Volume 5: Die Rückkehr!»

Am Freitag, 27. Februar, kommt Lara Stoll mit ihrer fünften Show in die Obere Mühle nach Dübendorf. Die Show beginnt um 20 Uhr und dauert etwa 70 Minuten, Türöffnung ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 35 Franken und ist auf eventfrog.ch zu kaufen. Es gibt nur noch wenige Tickets!

Wer die Show in Dübendorf verpasst, kann sie auch am Samstag, 18. April, im Scala in Wetzikon sehen. Der Vorverkauf läuft bereits.

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