Das wünschen sich die Zeller von ihrem «neuen» Dorfkern
Mehr Hochwasserschutz, mehr Begegnungsorte
Um Überschwemmungen vorzubeugen, will die Gemeinde den Zellerbach verbreitern. Gleichzeitig soll der Dorfplatz umgestaltet werden. An einer Veranstaltung äusserten die Zeller ihre Anliegen.
Schon länger ist den Zeller Einwohnern klar: Es braucht mehr Hochwasserschutz im Dorf. Das Hochwasser im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie ein unscheinbarer Dorfbach wie der Zellerbach grosse Teile des Orts überschwemmen kann – und hat entsprechenden Forderungen Nachdruck verliehen.
Damit der Bach künftig mehr Wasser aufnehmen kann, will die Gemeinde diesen auf seiner gesamten Länge verbreitern. Zudem soll er geöffnet und so revitalisiert werden. Aktuell verläuft er eingedolt unterhalb des Dorfplatzes. Das Bauprojekt dazu wird derzeit ausgearbeitet.
Kreide zur Veranschaulichung
Vergangenen Mittwoch hat die Gemeinde gemeinsam mit der Gemeindeentwicklerin Cornelia Alb zu einer öffentlichen «Mitwirkungsveranstaltung» eingeladen. Das Ziel: mögliche Varianten der Bachöffnung diskutieren und die Bedürfnisse der Bevölkerung abholen.
Zur Diskussion stehen verschiedene Möglichkeiten – von einer kleinen Öffnung mit Zaun und steil abfallendem Ufer bis hin zu einer grösseren Variante mit zugänglichem Uferbereich.
Zwei mit Kreide auf den Dorfplatz gezeichnete Linien zeigten dabei die minimale und die maximale Breite des «neuen» Zellerbachs in Originalgrösse. «Wobei die maximale Variante mehr zur Veranschaulichung diente. Diese wird so sicherlich nicht realisiert», sagt Susanne Stahl (SP), Gemeinderätin und Werkvorsteherin in Zell.
Die anwesenden Einwohner – etwa 60 Erwachsene und 20 Kinder waren gekommen – sprachen sich mehrheitlich für eine Variante mit Zugängen aus.
Fehlende Infrastruktur im Dorf
An der Veranstaltung ging es aber nicht nur um den Bach, sondern auch um das Drumherum. «Da wir sowieso den ganzen Dorfplatz aufreissen müssen, macht es Sinn, diesen gleich im selben Atemzug neu zu gestalten», sagt die Gemeinderätin.
Man habe sich gesagt: «Wenn wir schon etwas Neues machen, wollen wir auch die Bevölkerung fragen, was sie dazu denkt.»
Damals wie heute wünscht sich die Bevölkerung mehr Begegnungsorte und eine höhere Aufenthaltsqualität.»
Susanne Stahl (SP), Gemeinderätin und Werkvorsteherin in Zell
Forderungen nach einer Umgestaltung stünden nämlich schon länger im Raum. Bereits in den frühen 2000er Jahren gab es entsprechende Bemühungen. Inzwischen sei das Dorf merklich gewachsen, die Infrastruktur lasse aber nach wie vor zu wünschen übrig.
«Heute muss man für fast alle Besorgungen das Dorf verlassen», bemängelt Stahl. «Damals wie heute wünscht sich die Bevölkerung ausserdem mehr Begegnungsorte, eine höhere Aufenthaltsqualität und eine Entschleunigung des Verkehrs.»

Nur wenige Forderungen konnten dazumal erfüllt werden. «Auch, weil der Autoverkehr da noch mehr Priorität genossen hat», erklärt Stahl. Das höchste der Gefühle war die Einführung einer Tempo-30-Zone im Zeller Dorfkern. Diese gilt seit 2010.
«Öde Wiese» beleben
Mit der Resonanz aus der Bevölkerung ist die Gemeinde sehr zufrieden. «Wir konnten sehr viele Wünsche aufnehmen», sagt Susanne Stahl. Weit oben auf der Liste stehen etwa eine Tempo-20-Zone, ein Spielplatz, gemütliche Sitzmöglichkeiten und Begegnungsorte.
Die Vorschläge, die nicht auf dem Dorfplatz realisiert werden, finden allerdings auf der Dorfwiese nebenan Platz. An der Veranstaltung wurde diese denn auch mehrere Male als «öde Wiese» bezeichnet.
Möglich ist laut Stahl auch, dass private Initianten die Idee eines Spielplatzes an die Hand nehmen.
Man sei derzeit dabei, die Vorschläge zu gewichten. «Was wir im Rahmen der Bachöffnung nicht umsetzen können, merken wir uns für die Zukunft», versichert Stahl.
Aus den Ideen der Bevölkerung erarbeitet der Landschaftsarchitekt Alexander Heinrich nun Vorschläge für die Umgestaltung von Bach und Dorfplatz. Diese will die Gemeinde an einer Info-Veranstaltung am 31. Mai im Schulhaus Zell präsentieren. Im Anschluss können die Anwesenden die Vorschläge diskutieren und bewerten.
Bis im kommenden Oktober soll das Bauprojekt ausgearbeitet sein. Frühestens 2026 sollen der Zellerbach und der Dorfplatz dann in neuem Kleid daherkommen.