Entlastung für Grüningen: Calatrava-Brücke wird konkreter
Es ist ein Balanceakt zwischen technischer Innovation und kulturellem Erbe. Die Umfahrung für das Stedtli steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Nun ist es der Realisierung aber immerhin einen Schritt näher gekommen.
Darin, was Geduld in Sachen Verkehrsplanung betrifft, ist das schöne Städtchen Grüningen inzwischen ziemlich erprobt. Auch hinsichtlich der Verkehrsbelastung ist man im Zentrum gestählt: 5500 Fahrzeuge passieren den Ortskern täglich. Dabei sind die Gassen einst für Kutschen gebaut worden.
Nun könnte es mit der geplanten Umfahrungsstrasse samt Brücke über das Aabachtobel jedoch endlich vorangehen. Zumindest hat die kantonale Baudirektion zu Beginn der Woche die öffentliche Auflage des nötigen Vorprojekts bekannt gegeben.
Sofern das Projekt alle politischen Hürden nimmt und keine Rekurse eingehen, sollte der Verkehr in und um Grüningen schon 2032 über die neue Umfahrung rollen können. Ab dann wäre das Stedtli grösstenteils autofrei. Zudem dürfte das Freiraumkonzept der Gemeinde zur Aufwertung des gewonnenen Raums dem historischen Kern zu mehr Aufenthaltsqualität verhelfen.
Lösung seit 2018 klar
Eine längst geplante und 680 Meter lange Umfahrungsstrasse soll das historische und vom Durchgangsverkehr stark geplagte Stedtli in Grüningen entlasten, ohne das geschützte Ortsbild zu verändern. Gelingen soll dies mit einer 94 Meter langen Brücke, an die eine 250 Meter lange Unterführung anschliesst.
Schon 2018 ging in einem Konkurrenzverfahren das Vorhaben der international tätigen Architektur- und Ingenieurfirma Calatrava Valls SA als Siegerprojekt hervor. Die Umfahrungsstrasse inklusive Brücke über das Aabachtobel wurde also längst als beste Lösung eingestuft.


Im Juni 2021 beauftragte die Regierung die Baudirektion schliesslich mit der Erarbeitung eines Vorprojekts, das nun bis zum 4. November 2025 in der Gemeindeverwaltung von Grüningen aufliegt. Verwirklicht wurde es vom Stararchitekten Santiago Calatrava, der schon im November 2023 vom Kanton den Auftrag dafür erhielt.
Trotz Mehrkosten klarer Favorit
Dass das Projekt auch in einem zweiten Schritt an Calatrava vergeben wurde, freute auch die Gemeinde. Mindestens genauso froh war Gemeindepräsident Carlo Wiedmer (SVP) darüber, dass bisher kein Rekurs gegen das Projekt eingegangen war. Ein solcher hätte das Projekt womöglich nochmals um Jahre verzögert. Klar war hingegen schon damals, dass es nochmals eineinhalb bis zwei Jahre bis zum Vorprojekt dauern würde. Nun ist dieser Zeitpunkt gekommen.
Die Ausarbeitung des Vorprojekts kostet rund 1,6 Millionen Franken, das Bauprojekt inklusive Bauleitung rund 4 Millionen. Die gesamten Kosten für den Bau werden auf rund 24 Millionen Franken geschätzt und sind damit deutlich höher als die einst vorgeschlagenen Projekte der Konkurrenten. Dennoch sei Calatravas Projekt die beste Lösung für die Umfahrung gewesen, betonte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) schon 2018.
Ohne Brücke geht es nicht
Um den historischen Ortskern wieder aufblühen zu lassen, ist der Bau der Calatrava-Brücke die Grundvoraussetzung, wie der Gemeindepräsident in der Vergangenheit unterstrich. «Unsere Gemeinde hat eines der wenigen historischen Stedtli, die heute noch mit Durchgangsverkehr zu kämpfen haben.»
Erst wenn der Verkehr umgeleitet werde, entstünden für Grüningen neue Möglichkeiten. Mit der Umfahrung würde die noch im Besitz des Kantons befindliche Stedtligass nämlich in die Hände von Grüningen übergehen. Dies würde der Gemeinde neuen Gestaltungsraum wie beispielsweise eine Begegnungszone mit stark verlangsamtem Verkehr bieten.
Die Brücke soll quer über das Aabachtobel diagonal zur Talrichtung führen. Auf der Westseite schliesst die Umfahrungsstrasse beim Restaurant Bahnhöfli ans bestehende Strassennetz an. Auf der Ostseite mündet die Brücke in einer rund 220 Meter langen Unterführung, die bis zur Wetzikerstrasse führt. Damit wird die Engstelle zwischen dem Friedhof und dem kulturhistorisch wertvollen Haus Wirz umgangen, welche oberirdische Lösungen erschwert.
Bis es definitiv so weit ist, werden nochmals Jahre ins Land ziehen. Doch Grüningen kommt der für die Ortsentwicklung so eminent wichtigen Angelegenheit immerhin ein weiteres Stück näher. Allerdings ist noch nicht klar, ob sich Regierungs- und Kantonsrat zu einem späteren Zeitpunkt für die Finanzierung und Notwendigkeit der Umfahrung tatsächlich positiv aussprechen.
Der Zeitplan
Parallel zur Umfahrung sind weitere Projekte geplant: der Ausbau der Esslingerstrasse von 2027 bis 2028 sowie die Errichtung einer öffentlichen Parkierungsanlage Mösliwis mit bis zu 50 Plätzen im Nordosten. Beide Vorhaben werden aufeinander abgestimmt. Der Baustart des Umfahrungsprojekts ist – in Koordination mit dem Ausbau der Esslingerstrasse – frühestens 2028 vorgesehen. Die Bauzeit dürfte rund drei bis vier Jahre betragen, sodass eine Inbetriebnahme 2031 oder 2032 realistisch wäre. Dies jedoch nur, wenn der Finanzierung der Segen erteilt wird.