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Das «Schiffbrau» entspringt im Aatal

Ein Schulprojekt, Interesse am Experimentieren und gutes Marketing: In Aathal braut der erst 18-jährige Arthur Varnolt mit einigem Erfolg sein Bier.

Im gut gesicherten ehemaligen Aathaler Postlokal braut Arthur Varnholt seit einem Jahr sein Bier. , Das ehemalige Postlokal in der ehemaligen Mühle ist nun eine Brauerei., Im Regal steht Tee: Arthur Varnholt zieht diesen beim Brauen dem Bierkonsum vor., In der Flasche gegärt: Das «Schiffbrau» gibt es in drei Sorten.

Christian Brändli

Das «Schiffbrau» entspringt im Aatal

Ein Jahr und 4000 Liter nach dem Start hat Arthur Varnholt mit dem « Schiffbrau » weiterhin Grosses vor. Der wohl jüngste Bierbrauer der Schweiz – er ist vor kurzem gerade erst 18 Jahre alt geworden – hofft, dass sein Bier schon bald gar  international verkauft wird: « Ich bin mit einem Lokal in London im Gespräch. Wenn das gelingen würde, wäre das schon ein steiler Start für ein Craft Beer – innert so kurzer Zeit! »

Ein Schulprojekt

Die Idee für das eigene Bier ist noch jung. Und entstanden ist sie am Ende seiner Sekundarschulzeit in Herrliberg. « Ich habe das als Abschlussprojekt der Schule angefangen » , erklärt Varnholt, um gleich zu ergänzen: « Ich war da immerhin schon 16. » Damit konnte er seine Brauergebnisse ganz legal degoustieren. Die ersten Versuche lancierte er in der heimischen Küche in der Wohnung über dem Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses. « Im Unterschied zu meinem Vater war meine Mutter nicht so begeistert. » Immerhin hatte die Versuchsphase auch Gerruchsspuren in der Wohnung hinterlassen.

Heute kann dies Varnholts Mutter gelassener sehen, hat Junior Arthur doch die Produktion ins Aatal ausgelagert. Und dank des Biers, das marketingmässig geschickt an den Namen seines Ursprungsortes angelehnt ist, ist die Mutter auch mit Vertretern des Schauspielhauses in Kontakt gekommen und sitzt mittlerweile im Verwaltungsrat der Zürcher Kulturinstitution.

Dank Beziehungen ins Oberland

Den Weg ins Oberland fand das Bier eher zufällig und wie fast immer in der Entwicklung der neuen Marke dank Beziehungen. « Ich kenne den Vermieter der Alten Mühle. Und der hat mir einen sehr guten Preis offeriert. » So werden die drei Sorten, die Varnholt entwickelt hat, in Tanks gebraut und fermentiert. Diese stehen in der historischen Liegenschaft, deren Geschichte bis ins Jahr 1219 zurückgeht.

Das Schiffbrau ist bereits die zweite Brauerei im kleinen Aathal. Nur ein paar Schritte von den Räumen entfernt wird in der ehemaligen Spinnerei an der Hauptstrasse das Aathaler Bräu produziert.

Gut gesicherte Brauerei

Das weniger als 100 Meter vom Aabach entfernte Schiffbrau-Lokal dürfte eine der am besten gesicherten Brauereien sein. Die Fenster sind fest vergittert, denn in den beiden Räumen befand sich einst die Seegräbner Poststelle.

Wie es sich für ein Start Up gehört, sind die Platzverhältnisse ziemlich beengt. Gegenüber dem Start im vergangenen Sommer hat Varnholt aber etwas Platz fürs Brauen gewonnen. So konnte er das Lager mit allen Harassen nach Schlieren auslagern.

Besser als erwartet

Aber wie kommt ein beim Start noch Minderjähriger dazu, mehr Bier als bloss für den Eigenbedarf zu brauen? « Mein Bier war besser als erwartet » , erklärt Varnholt. Und obwohl ihm angesichts der vielen neuen kleinen Brauereien reihum manche abgeraten haben, wagte er den Sprung in « den bissigen Markt » – auch dank der Zusprache seines Lehrers und eines Onkels. Und eines Darlehens von den Eltern, kostete doch die Einrichtung der Kleinbrauerei rund 25‘000 Franken.

« Es ist sehr schwierig, in den Markt reinzukommen. Als Brauer sind wir vom Goodwill der Wirte und Kellner abhängig, da die unsere Biere empfehlen » , unterstreicht der Jungbrauer. Zu haben ist das Schiffbrau, dessen Etikette die Silhouette des Schiffbaus zeigt, an 14 Orten in der Stadt Zürich, aber auch in einem Tessiner Lokal: « 60 Flaschen pro Monat setzen wir dort ab. » Die Wirtin, eine Biersommelière, lässt jeweils ihren Wein aus dem Tessin nach Zürich bringen. Auf dem Rückweg wird das Aathaler Bier in den Süden transportiert. Nur an seinem Ursprungsort in Aathal oder im näheren Umfeld hat Varnholt noch kein Restaurant als Abnehmer gefunden.      

Drei Biere im Sortiment

Der Informatikmittelschüler sieht die Kleinbrauerei nicht etwa als Bieridee. Gereizt hat ihn nämlich nicht nur das Experimentieren mit den Suden, sondern auch das Aufziehen eines eigenen Geschäfts. Als Partner gewann er einen Kollegen von den Jungfreisinnigen, bei denen Varnholt Mitglied ist. Zwar ging diese Verbindung vor kurzem auseinander.

Nun sucht er einen neuen Partner, will er doch mit seinem Schiffbrau durchstarten. Vorbilder sind ihm etwa Kopfab oder das Locherbräu. Bis dahin ist der Weg allerdings noch weit und Varnholt weiss: « Vorläufig springt finanziell nicht viel raus. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es dann wirklich funktioniert, ist nicht gross. »

Davon lässt sich der 18-jährige Jungunternehmer aber nicht beirren. Und so hat er seine Biere in seiner Brauerei in Aathal weiter verfeinert. Im Angebot hat er mittlerweile drei Sorten. Es sind Neuinterpretationen von Klassikern wie dem Kölsch, dem Altbier sowie dem englischen Bitter. Gebraut wird nach dem Reinheitsgebot, also ausschliesslich mit Wasser, Malz und Hopfen. Der erste Hopfen für seine Brauversuche stammte aus dem Innenhof des Schiffbaus, wo das Schauspielhausensemble ihn angepflanzt hatte.

Mit Marketing in die Medien

Um sich im schnell grösser werdenden Markt der Kleinbrauereien Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist das Marketing ein zentraler Bestandteil – « Zürichs heimlicher Star am Schweizer Bier-Himmel » lautet etwa unbescheiden der Slogan . Ein guter Schachzug war sicher schon die Namensgebung.

Doch dann führte er bewusst seine Jugendlichkeit als « jüngster Bierbrauer der Schweiz » ins Feld, um in den Medien einen Platz zu finden. Neben Zeitungen ist nun auch schon das Schweizer Fernsehen zu Besuch gewesen. Demnächst soll der Beitrag im neuen Format « Gesichter und Geschichten » , dem Nachfolger von « Glanz und Gloria » ausgestrahlt werden.

Zu warm zum Brauen

  « Dieses Bier ist jetzt aber schön hell geworden » , wundert sich Varnholt über die Farbe des frisch eingeschenkten Saftes. Selbstverständlich ist dies nicht, wird das Bier, das in der Flasche gärt, doch nicht gefiltert. Deshalb kann sich am Flaschenboden auch ein trüber Bodensatz bilden.

Zurzeit passiert in der kleinen Brauerei in Aathal nicht viel. « Viel zu warm » , meint Varnholt. Das Bier lasse sich in der Kühle besser fermentieren.

Bis er das nächste Mal Bier in seine 5-Deziliter-Flaschen abfüllt, wird es also noch eine Weile dauern. Er führt nur diese Grösse, aus Überzeugung. Ich wollte etwas gegen die 3-Deziliter-Verhunzung der Biere machen. » Und damit ist gleich die nächste Marketingidee geboren.          

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