Das Millionenprojekt zum neuen Dorfkern spaltet die Gemüter
Abstimmung in Lindau
Lindau stimmt im September über ein neues Gemeindehaus mit Dorfplatz für 13,5 Millionen Franken ab. Das Projekt polarisiert. Die Rechnungsprüfungskommission lehnt es wegen zu hoher Kosten ab.
Die Verwaltung in Lindau platzt schon lange aus allen Nähten. Das Gemeindehaus ist zu alt und zu klein. Es gab schon mehrere Anläufe, dies zu ändern. Jetzt bringt der Gemeinderat am 22. September das sogenannte Generationenprojekt für 13,5 Millionen Franken an die Urne.
Es geht um ein neues Gemeindehaus und einen neuen Dorfplatz. Dem neuen Gebäude für die Verwaltung steht ein kleineres Holzhaus mit Sitzungszimmer, einem Saal und öffentlichen Toiletten zur Seite. Der Platz davor, der sich im Dreieck zwischen Verwaltung, altem Schulhaus und Kirche erstreckt, soll laut Gemeinderat zu einem «Raum mit hoher Aufenthaltsqualität» aufgewertet werden.

Alles zusammen soll 13,5 Millionen Franken kosten. Abzüglich der Projektierungskosten müssen nun noch 12,3 Millionen Franken bewilligt werden. Würde die Vorlage an der Urne scheitern, müssten 1,6 Millionen Franken abgeschrieben werden, erklärt der Gemeinderat in der Abstimmungsbroschüre. So viel wurde bis jetzt für den Wettbewerb und die Projektierung ausgegeben.
Doch das Projekt ist umstritten: Die Kosten seien zu hoch, kritisiert die Rechnungsprüfungskommission, die Finanzaufsicht der Gemeinde. Sie empfiehlt, das Projekt abzulehnen. Der Gemeinderat habe die «zwingende Kostendeckelung» auf 11,9 Millionen Franken nicht eingehalten.
Das Ganze koste jetzt zwei Millionen Franken mehr als beim Projektierungskredit. Nur zehn Prozent davon seien auf die Teuerung und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zurückzuführen.
Ärgernis für Bevölkerung
Auch aus der Bevölkerung bläst dem Projekt Gegenwind entgegen, wie etwa ein Leserbrief im Mitteilungsblatt zeigt. Dort lassen der ehemalige SVP-Gemeinderat Peter Kostrz und weitere Unterzeichnende bis auf die Fotovoltaikanlage kein gutes Haar am Projekt.
Sie werfen dem Gemeinderat «ideologische Selbstverwirklichung» vor. Die Kosten bezeichnen sie als «unsinnig hoch», das Nebenhaus und der Gestaltungsplan als unnötig und die Entsiegelung des Bodens als Ärgernis für mehrere Bevölkerungsgruppen, wie sie unter anderem schreiben.
Dem Gemeinderat wird ausserdem «Sturheit» vorgeworfen, da er nicht getrennt über das Gemeindehaus und die Dorfkernplanung abstimmen lasse, wie es an einer Infoveranstaltung gefordert worden sei.
SVP: Keine Empfehlung
Die SVP Lindau hat laut Präsident Patrick Friedli Stimmfreigabe beschlossen. An der SVP-Versammlung hätten Gegner und der Gemeinderat ihre Argumente vorgetragen. «Gegen das Gemeindehaus und die Gestaltung der Umgebung bestehen grundsätzlich keine Einwände.» Das Projekt sei aus der Sicht der Gegner aber zu teuer und überladen.
Einzelne Mitglieder der SVP seien deshalb auf eigene Initiative an die Öffentlichkeit getreten. «Das haben sie intern angekündigt, und das ist aus unserer Sicht völlig in Ordnung», sagt Friedli. «Als sich Widerstände zum Projekt abzeichneten, haben wir dem Gemeinderat empfohlen, eine grosse und eine schlankere Variante zu präsentieren.» Das sei nicht erfolgt. «Jetzt muss der Gemeinderat damit rechnen, dass das Projekt scheitern könnte.»
FDP und SP dafür, GLP noch offen
Grünes Licht erhält die Vorlage hingegen von der FDP Lindau, die mit Bernard Hosnang den Gemeindepräsidenten stellt. Die Partei wirbt auf ihrer Website für ein überzeugtes Ja zur ihrer Meinung nach «weitsichtigen Lösung». Eine solche brauche es angesichts der fortschreitenden Bevölkerungszunahme.
Das Zwei-Häuser-Projekt erhält von der FDP gute Noten: Die Gemeindeverwaltung habe in den letzten Jahren leider wiederholt Bedrohungssituationen erlebt. Viele Büros seien nicht sicher, weil es keinen Fluchtweg gebe und sie manchmal unbeaufsichtigt seien. Das sei in der neuen Verwaltung kein Thema mehr. Und das Holzhaus sei für die Bevölkerung frei zugänglich.
«Klar dafür» spricht sich auch die SP Illnau-Effretikon/Lindau aus. «Es ist zwar nicht billig, aber wenn man etwas Rechtes will, muss man auch etwas dafür bezahlen», sagt Präsident Peter Reinhard. Das Generationenprojekt sei ein gutes Projekt und sehe gut aus. «Es entspricht unseren Bedürfnissen.» Das sei bereits der vierte Anlauf für eine neue Verwaltungslösung, sagt Reinhard. «Es ist an der Zeit, die Leidensgeschichte zu beenden.»
Die GLP Illnau-Effretikon hat noch keine Parole beschlossen.