Das Kafi Dampf in Bäretswil hat seinen Sonntagsbetrieb aufgenommen
Kaffeeduft am Gleis
Pünktlich zum Start der Dampfbahnsaison ist Bäretswil um einen Treffpunkt reicher: Am Bahnhof Bäretswil hat Rahel Straub in einem kleinen Anhänger ihr Pop-up-Café eröffnet.
Als am Sonntagmorgen die erste Dampfbahn des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) mit einem kräftigen Pfiff aus dem Bahnhof Bäretswil rollte, zog auch ein Dampf der anderen Art durch die Luft: der Duft von frisch gebrühtem Kaffee.
Direkt neben dem Gleis hat Rahel Straub mit ihrem rollenden Kafi Dampf einen neuen Treffpunkt eröffnet. Hinter dem aufgeklappten Verdeck des Wagens verbirgt sich ein kompaktes, aber erstaunlich gut ausgestattetes Café: zwei Kaffeemaschinen, ein Tiefkühler für Glace, frische Früchte auf dem Tresen, eine Soft-Ice-Maschine und sogar ein kleines Lavabo.

Sowohl das Logo als auch die Einrichtung hat Straub selbst gestaltet. «Ich liebe es, meine Kreativität auszuleben», sagt sie. Inspirieren liess sie sich dabei von den Kaffeesäcken ihrer Lieferanten, die heute die Innenwände schmücken und dem kleinen Caféwagen seinen nostalgischen Charakter verleihen.
«Mir hat schon lange hier etwas gefehlt»
Straub kommt ursprünglich aus einem ganz anderen Arbeitsumfeld. Während ihres Jurastudiums arbeitete sie nebenbei in der Gastronomie. Dort entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Cafékultur. Gleichzeitig begleitet sie die Faszination für Dampfbahnen schon seit ihrer Kindheit. «Mein Vater war schon immer ein grosser Eisenbahnfan.»
Die ausgebildete Juristin trug die Idee für das Café lange mit sich herum. Sie wollte einen Ort schaffen, an dem man sich begegnen, austauschen und die besondere Atmosphäre rund um die Dampfbahn geniessen kann. Deren Fahrten ziehen regelmässig Ausflügler, Zugbegeisterte und Familien nach Bäretswil. «Mich würde es unglaublich freuen, wenn sich Bekannte hier treffen, aber auch neue Leute vorbeikommen und dann einen Kaffee oder eine Glace geniessen können», sagt Straub.

Bisher habe in Bäretswil genau das gefehlt, meint sie, vor allem am Sonntag. Eine direkte Zusammenarbeit mit dem DVZO bestehe zwar nicht. «Ich freue mich aber sehr, dass sie dem Projekt wohlgesinnt sind.» So, wie die Besucherinnen und Besucher an diesem Premierensonntag.
Kinder packen mit an
Das Kafi Dampf ist ein echtes Familienprojekt. Straub ist es wichtig, dass ihre Kinder verstehen, was es bedeutet, zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und mit Menschen umzugehen. «Ich fände es schön, wenn meine Kinder verstehen, wie man Geld verdient und wie viel Arbeit dahintersteckt», sagt sie. Es gehe nicht nur ums Kassieren, sondern auch darum, freundlich zu sein, mit Gästen zu sprechen und eigene Ideen einzubringen.

Tatsächlich helfen ihre Kinder am Eröffnungstag bereits kräftig mit. Sie bedienen Gäste und packen beim Aufräumen an. «Es macht sehr viel Spass, den Besucherinnen Glace oder Kaffee zu verkaufen», sagt die 12-jährige Sol.
Neben ihrer Familie wird Rahel Straub auch von einer Nachbarin unterstützt. «Wir werden einen kleinen Pool an Mitarbeitenden haben», sagt sie. Da das Café jeweils nur an Sonntagen geöffnet habe, brauche es keine grosse Belegschaft.
Nicht nur Dorfbewohner fanden am Eröffnungstag den Weg ins Kafi Dampf. Auch Besucherinnen und Besucher von ausserhalb landeten etwa nach einer Wanderung hier. «Wir sind eigentlich nur für die Bahn hierhergewandert, aber solch ein Café ist eine sehr nette Überraschung», sagt ein Besucher.

Später will Rahel Straub vielleicht noch Käseplatten von regionalen Produzenten oder hausgemachte Snacks aus dem Dorf anbieten. «Schritt für Schritt», sagt Straub. Zuerst wolle sie ihre Kundschaft kennenlernen und verstehen, was wirklich gefragt sei.
Irgendwann soll das Kafi Dampf sogar Raum für kleine Veranstaltungen bieten. Denkbar wären etwa Zusammenarbeiten mit regionalen Essensanbietern, vielleicht auch Musikern sowie ihrer eigenen Familie. «Meine Kinder hätten auch sehr viel Freude, mal allein Zuckerwatte zu verkaufen», sagt sie und lächelt.
Ihr Ziel sei kein Ort, an dem man stundenlang sitzen bleibe, sondern einer, an dem man kurz durchatme, jemanden treffe und gerne wiederkomme. Vor allem aber soll das Café ein fester Bestandteil des Dorflebens werden. «Wenn das Café zu einem selbstverständlichen Treffpunkt wird», sagt Straub, «dann habe ich mein Ziel erreicht.»
Das Kafi Dampf hat jeweils an den Sonntagen geöffnet, an denen auch die Dampfbahn fährt. Weitere Informationen und aktuelle Öffnungszeiten finden sich auf dem Fahrplan des DVZO.