Das ist der neue Reitstallbesitzer in Rüti
Rund vierzig Jahre hat Heinrich Honegger mit seiner Frau Yvonne das Gestüt Moos in Rüti betrieben. Die Anlage war sowohl für ihre Reitschule und die eigene Zucht im Oberland bekannt. Mit dem Angebot ist nun allerdings Schluss. Im Juni beschloss Honegger, mit 63 Jahren in Pension zu gehen. «Sein Lebenswerk» gab er in neue Hände – mit gemischten Gefühlen. «Aber irgendwann ist es an der Zeit, aufzuhören», sagt er.
Mit Heinz Marty aus Hombrechtikon habe er einen würdigen Nachfolger gefunden, der mit viel Herzblut bei der Sache sei. In diesem Sommer hat der 53-Jährige in Rüti die Zügel in der Hand genommen – und gleich viel Geld in die Anlage investiert.
Behandlung von Problempferden
Der Besitzerwechsel hat die Reitanlage verändert. So züchtet Marty keine Pferde und setzt nicht mehr auf den klassischen Reitunterricht, bei dem Kinder und Jugendliche ihre ersten Erfahrungen im Sattel machen. Auch das Springreiten gehört der Vergangenheit an.
Stattdessen fokussiert er auf eine Reitphilosophie, die er vom Reitmeister Manuel Jorge de Oliveira lernte. Es ist laut Marty eine alte klassische Dressur, die in Vergessenheit geriet und heute hierzulande kaum mehr praktiziert wird. «Die Mehrheit der Reiter orientiert sich am Spitzensport, bei dem oftmals zu Lasten der Tiere trainiert wird.»
Er hingegen konzentriere sich auf die Ausbildung zwischen Pferd und Reiter und deren Balance. «Wir kümmern uns auch um verrittene Pferde mit gesundheitlichen Problemen.» Seine Kunden kommen aus der ganzen Schweiz. «Wir haben auch Leute, die aus Kanada oder Deutschland anreisen, um ihre Pferde hier behandeln zu lassen», sagt Marty.
«Ich will mindestens zehn Jahre bleiben.»
Heinz Marty, aus Hombrechtikon
Dass es keinen Reitunterricht für Anfänger mehr gebe, findet Honegger schade. «In der Region gibt es dafür nur wenige Möglichkeiten», sagt er. An der Neuausrichtung des Stalls störe er sich aber nicht. «Die Hauptsache ist, dass der Betrieb weitergeführt wird. Uns war es wichtig, eine langfristige Lösung zu finden. Deshalb haben wir vordergründig jemanden gesucht, der den Hof über lange Zeit führen wird.»
Mit Marty sei dies gegeben. So sagt dieser: «Ich will mindestens zehn Jahre bleiben.» Der 54-jährige, der seit über 30 Jahren reitet, schwärmt von der Anlage im Moos. «Die Lage ist wunderschön und die Infrastruktur ist gut. Hier kann man etwas aufbauen», sagt er. Und das hat er in den letzten Monaten auch getan.
Viel Geld investiert
Die alten Holzstallungen beim Eingang sind noch vorhanden. Neu ist dafür der Pflastersteinplatz vor der Reithalle, in dessen Mitte eine alte Eiche aus Norddeutschland steht. Marty hat keine Kosten gespart und sie extra aus Hamburg liefern lassen. Gleich nebenan sind neue Luxusstallungen entstanden, die Platz für seine zehn Lusitanos, eine portugiesische Pferderasse, bieten. Alle Boxen haben einen Auslauf und verfügen über eine automatische Fütterungsanlage. «Das erleichtert uns die Arbeit und ist gesünder für die Pferde, weil sie regelmässiger essen.»
Auch das Ausmisten der Boxen hat Marty vereinfacht. Statt einer Schubkarre gibt es neu ein mobiles Gefährt. Kronleuchter hängen im Neubau an der Decke, ebenso wie in der Reithalle, die Marty aufgewertet hat. Es gibt eine kleine Tribüne und eine Bewässerungsanlage. Auch der Sandplatz verfügt über einen neuen Zaun und einen neuen Untergrund.
Investiert hat Marty sehr viel Geld in dieses Millionenprojekt. Den genauen Betrag will er nicht nennen. Aber e r bezahlte alles aus eigener Tasche, wie er sagt. Notwendig seien die Luxusgüter nicht. «Aber mir war es das wert. Schliesslich verbringe ich hier täglich sehr viel Zeit.» Noch ist der Umbau nicht fertig: Die letzte Bauetappe folgt voraussichtlich Anfang 2020. Marty sagt: «Die alten Holzstallungen werden noch modernisiert und ein Seminarraum ist geplant. Dann ist unser Projekt abgeschlossen.»
Eröffnungsanlass im Untermoos
Am Samstag, 28. September, veranstaltet Heinz Marty mit Manuel Jorge De Oliveira ein Eröffnungssoirée im Untermoos in Rüti. Der Anlass ist kostenpflichtig und beginnt um 19.30 Uhr. Details dazu gibt es auf www.marty-stables.ch. (tis)