Das ist der nächste Schritt im Projekt Oberlandautobahn
Bund prüft Boden
Das Bundesamt für Strassen erkundet ab August in mehreren Gemeinden den Untergrund. Auch geophysikalische Untersuchungen sind geplant – mit Vibrationswellen und Strom.
Noch ist unklar, welche Variante für die Lückenschliessung der Oberlandautobahn dereinst zum Zug kommt. Zur Debatte stehen ein Anschluss an die Forchautostrasse in Ottikon mit einem langen Tunnel, das sogenannte Richtplanprojekt oder die Variante «Tunnel tief» zum Betzholzkreisel.

«Zur Grundlagenerarbeitung für die Projektierung der Lückenschliessung» führt das Bundesamt für Strassen (Astra) nun an mehreren Stellen ab August Sondierbohrungen durch, wie es in einer Mitteilung heisst. Dabei wird der geologische Untergrund in Bezug auf die möglichen unterirdischen Linienführungen untersucht.
Neben Abschnitten im Richtplanprojekt werden auch zwischen Wetzikon und dem Betzholzkreisel direkt verlaufende Linienführungen untersucht. Auch im östlichen Abschnitt werden im Aatal zwischen Uster und Wetzikon Bohrungen durchgeführt und Projektoptimierungen geprüft.
«Das Vorhaben im Zürcher Oberland mit seinen schützenswerten Landschaften und verschiedenen Naturschutzgebieten erfordert eine umfangreiche, sorgfältige Planung», schreibt das Astra. Das Bundesamt erhofft sich durch die Bohrungen insbesondere Erkenntnisse zum Verlauf der Felsoberkante sowie zu deren Eigenschaften.
Weiter sollen Kenntnisse über die Grundwasserverhältnisse erarbeitet werden. Bereits im Juli 2022 hatte Otto Noger, Chef der Infrastrukturfiliale Winterthur des Astra, angedeutet, dass das Grundwasser beim Bau für Probleme sorgen könnte. Das Problem sei dabei weniger die Strecke im Fels, sondern die Teilstrecke beim Betzholzkreisel, wo ein möglicher Tunnel wieder an die Oberfläche komme.
Bis zu 90 Meter tief
Die geplanten Sondierbohrungen sollen bis im Frühling 2024 dauern und in den Gemeinden Uster, Wetzikon, Gossau, Hinwil und Bubikon durchgeführt werden. Das Konzept sei durch den Kanton bewilligt worden, schreibt das Astra.
Insgesamt sind 37 Sondierbohrungen vorgesehen. Dabei wird in eine Tiefe zwischen 30 und 90 Metern gebohrt. Der Grossteil der Bohrungen findet ausserhalb des Siedlungsgebiets und ausschliesslich werktags statt.
Vergleichbar mit einem Raupenbagger
Neben den Bohrungen werden auch geophysikalische Untersuchungen durchgeführt. Dafür werden zwei verschiedene Methoden angewandt.
Einerseits kommt ein spezielles Fahrzeug zum Einsatz, das für diese Untersuchungen Vibrationswellen erzeugt. Diese sind gemäss Astra mit den Vibrationen eines auf der Strasse fahrenden Raupenbaggers oder eines Zugs auf einer Weiche vergleichbar. Die Wellen werden von den verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert, zurück an die Oberfläche gesandt und dort gemessen.
Entscheid zur Linienführung 2025
In jenen Gebieten, die das Fahrzeug nicht erreichen kann, kommt die zweite Methode zum Zug. Dort wird der Untergrund mit Strom erkundet. Dieser habe die Leistung einer Autobatterie und sei weder hör- noch spürbar, schreibt das Astra.
Mittels dieser sogenannten geoelektrischen Untersuchung werden die Gesteinsschichten auf ihre elektrische Leitfähigkeit geprüft. Beide Untersuchungsmethoden seien seit Jahrzehnten im Einsatz und stellten keine Belastung für Mensch und Umwelt dar.
Der Entscheid über den Verlauf der Linienführung soll erst im Jahr 2025 gefällt werden. Das Astra rechnet mit einer Genehmigung des generellen Projekts durch den Bundesrat bis 2027. Mit einem Baustart ist nicht vor 2038 zu rechnen.