«Das hat die Schulgemeinde stark getroffen»
Die Schulgemeinde Volketswil steht 2020 vor einigen Herausforderungen. Macht Ihnen die Arbeit als Schulpräsident eigentlich noch Spass?
Yves Krismer: Absolut. Wir leben in einer spannenden Zeit und können die Zukunft aktiv gestalten. Wir haben den Überblick über die einzelnen Themen und können so schrittweise mit Massnahmen agieren. Die Herausforderungen sind sehr unterschiedlich und doch geht es immer wieder um das Gleiche – eine gute Schule Volketswil. Hierfür setze ich mich gerne ein.
Miese Finanzen und marode Gebäude – viele Schulgemeinden haben ähnliche Probleme. In Volketswil werden im Rahmen des Projekts Schulraum 2020 bereits seit mehreren Jahren die Schulhäuser im Gemeindegebiet saniert. Planen Sie in Volketswil besser als in anderen Gemeinden?
Die Schulraumstrategie wurde vor rund 15 Jahren erfolgreich implementiert und seither laufend den neuen Voraussetzungen angepasst. Es ist eine rollende Pendenzenliste, welche ein Agieren mit Weitsicht ermöglicht. Wir versuchen auf die unterschiedlichen Veränderungen, beispielsweise die steigenden Schülerzahlen, frühzeitig zu reagieren. Wir denken in vielen Bereichen vier bis sechs Jahre voraus. Aktuell reicht der Schulraum noch. Für uns stellt sich aber die Frage, was ist im Jahre 2025?
Trotzdem fehlen der Schulgemeinde wichtige Steuereinnahmen. Die Jahresrechnung 2018 schloss mit einem Minus von über drei Millionen Franken. Zehren die Sanierungen langsam am Budget der Schule?
Die Rechnung 2018 war geprägt von überraschenden Steuerausfällen, welche uns als Schulgemeinde enorm stark getroffen haben. Im Vergleich zur Politischen Gemeinde haben wir keine Erträge aus der Grundstückgewinnsteuer. Entsprechend sind wir auf eine verlässliche Finanzplanung angewiesen. Ein Ertragsüberschuss von zwei Millionen Franken wird benötigt, um die mittelfristigen Investitionsziele erreichen zu können. Dies ist und bleibt eine grosse Herausforderung, denn sparen kann die Schule kaum mehr.
«Nach heutigen Erkenntnissen ist noch von keiner Steuerfusserhöhung auszugehen.»
Die Volketswiler Schulgemeinde beharrt seit rund 17 Jahren auf dem gleichen Steuerfuss. Ist eine Steuererhöhung bei den aktuellen Herausforderungen nicht zwingend notwendig?
Wir setzen unsere finanziellen Ressourcen sehr weitblickend ein und machen gemeinsam mit der Politischen Gemeinde jeweils eine Finanzplanung der nächsten vier Jahre, aktuell für die Jahre 2020 bis 2024. Nach heutigen Erkenntnissen ist noch von keiner Steuerfusserhöhung auszugehen.
«Die Schere zwischen stagnierenden Einnahmen und steigenden Schülerzahlen ist ein grosses Thema.»
In Volketswil steigen die Schülerzahlen jährlich um durchschnittlich drei Prozent. Wie wollen Sie diesen Anstieg ohne Steuererhöhung bewältigen?
Eine gute und berechtigte Frage. Die Schere zwischen sinkenden Einnahmen und steigenden Schülerzahlen ist tatsächlich ein grosses Thema. Wir haben diverse Projekte zurückgestellt und versuchen durch mehr Zeit etwas Luft zu kriegen. Wichtig ist die Attraktivität von Volketswil zu erhöhen und gemeinsam mit der Politischen Gemeinde gute Steuerzahler für unsere Gemeinde begeistern zu können.
Im Mai entscheiden die Volketswiler Stimmberechtigten an der Urne über die Einheitsgemeinde ab. Wie steht die Schulpflege zu einer allfälligen Fusion?
Wir haben die Einzelinitiative «Einheitsgemeinde» von Klaus Näder gutgeheissen und sind nun aktiv an der Bearbeitung der einzelnen Punkte. Für den Stimmbürger von Volketswil ist es entscheidend, über die Vor- und Nachteile einer Einheitsgemeinde informiert zu sein. Dieser Vergleich wurde bislang nicht gemacht und ist entsprechend ein Anliegen der Bevölkerung, welche wir in umfassender Weise Rechnung tragen werden.
Die Gespräche zwischen den beiden Volketswiler Behörden verliefen in der Vergangenheit harzig. Wie wollen Sie den Austausch verbessern?
Wir haben einen klaren Auftrag mit zwei Einzelinitiativen erhalten. Eine davon wurde zwischenzeitlich zurückgezogen, die andere bearbeiten wir derzeit mit Hochdruck. Die Schulgemeinde ist dabei im Lead und setzt alles daran, dass die Zusammenarbeit konstruktiv und erfolgreich ist. (Anmerkung: Das Interview wurde schriftlich geführt)