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Gesellschaft

Das Geheimnis unter den Grüninger Kirschblüten

Dieses Jahr feiert das Zentralschulhaus in Grüningen sein 100-jähriges Bestehen. Lehrerin Mirjam Sackmann hat dazu das Stück «Das Geheimnis unter den Kirschblüten» geschrieben und inszeniert, ab dem 7. Juli und Oktober wird es aufgeführt.

Beim Stück «Das Geheimnis unter den Kirschblüten» geht es um die Entstehung des Zentralschulhauses vor 100 Jahren., Zentralschulhaus, erbaut 1921., Die Schulklasse 1934/35. Im Zentralschulhaus war erstmals genügend Platz und Tageslicht vorhanden, um im Zimmer zu fotografieren, Primarschule im Stedtli 1915. Bis 1917 gab es in Grüningen drei Schulgemeinden, jede davon besass ihr eigenes Schulhaus.

Grüningen Chronik - Markus Brühlmeier

Das Geheimnis unter den Grüninger Kirschblüten

« Ihr habt es bis jetzt sehr gut gemacht, vielleicht geht es noch ein bisschen schneller » , wendet sich Mirjam Sackmann an die 24 Mittel- und Oberstufenschülerinnen und Schüler. Erstmals wird mit Kostümen und Headsets geprobt, kleine und grosse Komparsen zupfen an ihren Gewändern und setzen ihre Mikrofone auf.

« Wenn wir die erste Szene spielen, müssen alle von der zweiten Szene schon bereit sein, das ist ganz wichtig » , betont Sackmann, « und bitte kein Geläuf und Geschwätz » . Mirjam Sackmann arbeitet seit vier Jahren als Lehrerin und Heilpädagogin an der Schule Grüningen und leitet das Freifach Theater. Sich selber bezeichnet sie als Theater-Begeisterte und hat schon mehrmals Stücke geschrieben und inszeniert. Jetzt tragen die kleinen und grösseren Schauspieler Requisiten auf die Bühne und grosse Bühnenbilder werden platziert, der Gong erklingt und das Stück beginnt.

Eine vergessene Liebesgeschichte

Unter einem grossen Kirschbaum sitzen Jugendliche, reden über das Schulhaus, das sein 100-jähriges Jubiläum feiert und über den neuen Schüler Nando, den coolen Amerikaner, den alle bewundern, ausser Anna, die ihn eingebildet findet. Es kommt zum Streit zwischen Nando und Anna und zur Strafe müssen die beiden unter dem Kirschbaum jäten.

Dort machen die beiden einen unerwarteten Fund, der sie auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt, zu einer längst vergessenen Liebesgeschichte zwischen dem reichen Mädchen Susanna aus dem Stedtli und dem armen Bauernjungen Ferdi aus Itzikon. « Ihr dürft ruhig lauter sprechen » , mahnt Sackmann die beiden Jugendlichen, « zeigt eure Überraschung, wenn ihr das Tagebuch findet. »

Beim Stück « Das Geheimnis unter den Kirschblüten » geht es um die Entstehung des Zentralschulhauses vor 100 Jahren. Geschickt blendet Sackmann von der Neuzeit in die Vergangenheit und erzählt eine rührende Geschichte rund um das Schulhaus. « Für mich war klar, damit es die Jugendlichen interessiert, musste es eine Liebesgeschichte sein » , sagt die Regisseurin. Eigentlich sei ihr der Corona-Lockdown sehr entgegen gekommen, so hätten sie und ihr Mann den Plot mit der nötigen Ruhe entwickeln können.

Sackmann hat dafür in den Archiven der Heimatschutzgesellschaft Grüningen recherchiert und war begeistert, wie viele Zeitdokumente und Protokolle sie zum Zentralschulhaus finden konnte. « Wie es damals in ihrer Schule zu und her ging, können sich die Jugendlichen kaum mehr vorstellen.

Nicht nur drängten sich unzählige Schülerinnen und Schüler in einem Raum, es herrschte Zucht und Ordnung und bei Strafen kam auch schon mal die Rute zum Einsatz » , weiss sie. Ihr ging es aber auch darum, die soziale Schicht und die Einstellung der damals noch drei Schulgemeinden zum neuen Zentralschulhaus aufzuzeigen. « Vor allem die Itziker waren nachweislich gegen ein neues Schulhaus und auch über den Bauplatz gab es grosse Diskussionen » , sagt die Lehrerin.

Heimatschutzgesellschaft als Fundus

Sie habe lange gezweifelt, ob das Ganze etwas werde, jetzt aber sei sie begeistert vom Einsatz aller, auch von den kleineren Schauspielenden.

Sackmann hat schon während ihrer eigenen Schulzeit Theater gespielt und aufgeführt.  Unterstützt wurde sie beim Grüninger Stück auch von ihrem Vater Armin Sierszyn, einem bekannten Schweizer Theologen und Historiker.

Von 1973 bis 2013 war er Dozent und Professor für Historische und Praktische Theologie an der STH Basel sowie langjähriger Pfarrer in Bauma und Dekan im Zürcher Oberland. « Mein Vater war mit Emil Gehri, dem Verfasser unzähliger Jahrhefte der HSG und langjährigen Gemeindeschreiber, bekannt und kennt deshalb auch die Grüninger Geschichte sehr gut » . Ihm konnte sie ihr Stück vorlegen und er konnte Historisches ergänzen oder korrigieren.

« Ich arbeite jetzt seit vier Jahren in Grüningen und bin begeistert von diesem hübschen Landstädtchen und seiner langjährigen Geschichte » , sagt Sackmann. Die Heimatschutzgesellschaft sei ein wahrer Fundus an Historie und für die tatkräftige Unterstützung von Präsidentin Bea Althaus sei sie sehr dankbar gewesen.

« Das Stück handelt von der Zeit, als noch die Wetzikon-Meilen-Bahn durchs Stedtli ratterte und die wichtigsten Männer der Herr Pfarrer und der Herr Lehrer waren » , erzählt Sackmann, die es geschafft hat, sowohl Primar- als auch Sekundarschüler in das wunderschöne Stück miteinzubeziehen und das Beste aus ihnen rauszuholen.

Als Mutter von fünf Kindern, weiss sie genau, was es braucht, damit alle mitziehen. « Ja, es war nicht immer einfach, vor allem, weil mein Mann ja die Technik des Stückes macht und wir immer noch unsere eigenen Kinder organisieren mussten » , lacht sie. Wenn sie dann jeweils nach einer langen Probe nach Hause gekommen seien, überall Schuhe und Turnsäcke auf dem Boden lagen und keiner etwas für das Abendessen vorbereitet habe, habe sie manchmal schon geseufzt.  Während die Eltern beim Stück Regie führten und die Technik machten, mussten die Grösseren oft auf die Kleineren aufpassen. Alle haben kräftig beim Requistenbau mitgeholfen.  

Umso mehr freut sie sich jetzt auf die Aufführungen für die Eltern der Kinder, die ab dem 7. Juli dreimal stattfinden. Eigentlich hätte das Theater an der 100-Jahrfeier des Zentralschulhauses aufgeführt werden sollen. Diese Feier wurde jedoch wegen Corona auf den Oktober verschoben. Stattdessen wird es nun eine professionelle Filmaufnahme des Theaters geben, die im Oktober dann auf einer grossen Leinwand an der 100-Jahrfeier des Zentralschulhauses gezeigt wird. Ergänzt wird das Ganze mit Fotos und Interviews mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern. 
(Martina Gradmann)

Das Grüninger Zentralschulhaus

Die Geschichte des Zentralschulhause dreht sich um den bildungspolitischen Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der die kleinen Dorfschulen an ihre Grenzen brachte. In Grüningen gab es damals drei verschiedene Schulgemeinden und deren Vereinigung ging ein langes Hin und Her voraus. Als 1916 die Vorlage endlich abstimmungsreif war und von den Grüningern (Stedtli) und Binzikern begrüsst wurde, lehnten die Itziker die Vorlage ab. Weil man sich nicht einigen konnte, ordnete der Kantonsrat 1917 schliesslich die Vereinigung an. Auch das Feilschen um den richtigen Bauplatz ist historisch belegt. Am 24. Juli 1921 konnte das neue Zentralschulhaus schliesslich in Binzikon eingeweiht werden.

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