Das Batzhaus in Wila soll in seiner ursprünglichen Schönheit glänzen
Sanierung zum Mehrzweckhaus
Die Pläne für die Sanierung des Batzhauses stehen. Gemeindepräsident Simon Mösch präsentierte an einer Informationsveranstaltung in Wila das Siegerprojekt.
Rund 40 Personen haben an diesem Abend den Weg in den Wilemer Eichhaldesaal gefunden. Sie alle wollen sehen, wie es mit dem Batzhaus weitergeht.
«Kein anderes Liegenschaftsprojekt scheint die Wilemer Bevölkerung mehr zu berühren als das Batzhaus.» Mit diesen Worten begrüsste Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) die Anwesenden. Um sich gleich darauf zu korrigieren: «Ich meine natürlich das Mehrzweckhaus Zentrum.»
Denn das wird die neue Ausrichtung des Hauses sein. «Es soll eine zentrale Bedeutung für die Belebung der Gemeinde spielen», sagte Mösch. Dadurch sollen in Wila mehr Möglichkeiten für Veranstaltungen geboten werden.
«Neun Architekturbüros haben bei der Ausschreibung ihre Ideen eingereicht, fünf davon kamen in die nächste Runde», erzählte Simon Mösch.
«Schwesterhaus» steht im Ballenberg
Stolz präsentierte der Gemeindepräsident nun das Siegerprojekt, das einstimmig von der Jury gewählt wurde. Dass sich das Architekturbüro Tropeano Architekten AG um Christiane Illing und Serafina Wojciechowska-Jurek auf die Sanierung von alten Gebäuden spezialisiert hat, kommt dem historischen Bauwerk entgegen.
Illing zeigte in Visualisierungen, wie das neue Mehrzweckhaus nach der Sanierung aussehen wird. Bei ihren Recherchen hätten sie festgestellt, dass das «Eglische Haus», wie das Batzhaus auch genannt werde, bauhistorisch wertvoll sei. «Das Haus musste sein Erscheinungsbild zwar des Öfteren ändern und sich neuen Situationen anpassen, doch im Kern ist es immer noch ein gut erhaltener Bohlenständerbau.» Ein solcher steht seit Ende der 1970er Jahre als Exemplar im Freilichtmuseum Ballenberg und kommt ursprünglich aus Wila.

Damit spricht die Architektin die Trennwand zwischen Wohnhaus und Tenn an. Hier ist der Bohlenständerbau mit dicken Bohlenbrettern und seinen über Jahrhunderte entstandenen Spuren noch gut sichtbar und soll erhalten bleiben. Dem Architekturbüro ist es ein Anliegen, bei den Renovationsarbeiten die «ursprüngliche Authentizität» des Hauses hervorzuholen.
Eine Unterschutzstellung des Inventarobjekts ist geplant und wird laut Gutachten dem Wert der historischen Bausubstanz gerecht.
Wünschen der Bevölkerung nachgekommen
Das in die Jahre gekommene Haus beherbergt aktuell das Ortsmuseum und sollte ursprünglich abgerissen werden. Das Museum hätte man dann ins «Peterhaus» gezügelt. Die Bevölkerung allerdings stellte dieses Vorhaben infrage. Sie wollte nicht, dass das historische Haus verschwindet.
Also rollte der Gemeinderat das Projekt neu auf. Im Juni 2023 konnten sich die Wilemer an einem Workshop aktiv mit Ideen einbringen, wie das altehrwürdige Haus im Zentrum künftig genutzt werden könnte. Und auch darüber, wie es visuell daherkommt.
Die öffentliche Nutzung sowie ein Begegnungsraum in Kombination mit Museum oder Bibliothek, diese Attribute waren der mitwirkenden Begleitgruppe besonders wichtig. Die Gruppe besteht aus zehn Einwohnern, unter anderen einem pensionierten Architekten oder einer Hochbauzeichnerin.
Laut den Architektinnen ist die Unterbringung der Bibliothek und auch des Ortsmuseums im neuen Mehrzweckhaus möglich. Für beide Nutzungen wird eine «zweckmässige Infrastruktur» zur Verfügung stehen.
Im Erdgeschoss hat das Architektenteam einen Gemeinschaftsraum geplant, der für Veranstaltungen aller Art genutzt werden kann. Im Teil des ehemaligen Tenns wird sich über die drei Ebenen die Bibliothek erstrecken – ein kleiner Kinosaal ergänzt das Angebot.



Im Wohnhaus sind im ersten Obergeschoss variabel nutzbare Räume geplant. Das zweite Obergeschoss ist für das Ortsmuseum vorgesehen.
Kritische Stimmen aus der Bevölkerung
Bei der anschliessenden Fragerunde sprach einer der Anwesenden die geplante Heizung an. «Über die haben wir heute nichts erfahren», meinte er. Mösch erklärte, dass das Haus an die Fernwärme angehängt werde und gewisse energetische Massnahmen angedacht seien.
Während in der Bibliothek für eine konstante Raumtemperatur gesorgt werde, könne das Ortsmuseum explizit zu den Öffnungszeiten temperiert werden. «Werden wir dann wie bisher gleich viel Wärme rauspuffen, wie wir ins Haus reinstecken?», lautete die kritische Frage eines Anwesenden zur Isolation. Illing bestätigte, dass es einen Wärmeverlust geben werde, da das Haus kein Neubau sei.
Ein weiterer Votant sprach die Statik an. Denn im Moment ist der Wohnteil mit Drahtseilen an der Scheune befestigt. Die Architektin beruhigte ihn mit der Information, dass sich ein Holzbauingenieur um den Aufbau einer soliden Rahmenkonstruktion kümmern werde.
Abschliessend nutzten die Anwesenden die Möglichkeit, alle fünf eingereichten Projektstudien zu begutachten. Ein älterer Mann, der seit 80 Jahren in Wila wohnt, äusserte sich kritisch zur Sanierung: «Es wäre günstiger und einfacher gewesen, das Haus abzureissen und ein neues Gebäude aufzustellen.» Er habe schon andere Beispiele gesehen, wo die alten Sichtbalken einfach als Dekoration integriert gewesen seien.

Auch zwei jüngere Frauen fanden, man hätte das Haus besser abgerissen, «es wird recht viel Geld ausgegeben für ein vergleichsweise kleines und unpraktisches Gebäude». Sie scheinen nicht zu jenen Einwohnern zu gehören, die sich einst für die Erhaltung des Batzhauses eingesetzt haben.
Die geplanten Sanierungsarbeiten dürften sich auf rund 2,5 Millionen Franken belaufen. An der Gemeindeversammlung vom 18. Juni wird die Bevölkerung über den Projektierungskredit von 250’000 Franken abstimmen. «Wenn alles nach Plan läuft, können wir unser Mehrzweckhaus 2026 eröffnen», freute sich Gemeindepräsident Mösch.