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Schulhaus Unterbach

Darum schliesst Hinwil eine Schule in einer Aussenwacht

Das Schulhaus Unterbach geht im Sommer 2026 zu. Kinder und Mitarbeitende stehen vor einer ungewissen Zukunft. Mitverantwortlich ist die finanzielle Situation der Schulgemeinde.

Das Schulhaus Unterbach bei Hinwil: Hier wird nur noch bis im Sommer 2026 unterrichtet.

Foto: Simon Grässle

Darum schliesst Hinwil eine Schule in einer Aussenwacht

Schulhaus Unterbach

Das Schulhaus Unterbach geht im Sommer 2026 zu. Kinder und Mitarbeitende stehen vor einer ungewissen Zukunft. Mitverantwortlich ist die finanzielle Situation der Schulgemeinde.

«Schulpflege Hinwil passt Schulstrukturen an», so lautete die trockene Mitteilung vom Dienstag. Der Inhalt des Schreibens hat es aber in sich. Per Ende des nächsten Schuljahrs im Sommer 2026 geht das Schulhaus Unterbach zu.

Ausserdem ändert die Schule das Unterrichtsmodell in der Schule Oberdorf. Künftig werden nur noch zwei statt wie bisher drei Jahrgänge pro Klasse unterrichtet. Damit will die Schulpflege schwankende Schülerzahlen ausgleichen und Ressourcen gezielter einsetzen.

Grosse Auswirkungen wird vor allem die erste Massnahme haben. Von den bisher sechs Schulhäusern in den Aussenwachten betreibt die Schule Hinwil künftig nur noch fünf.

Vor allem der Zeitpunkt der Ankündigung der Schliessung lässt aufhorchen. Die Schule Hinwil arbeitet seit Jahresbeginn mit einem Notbudget, weil die Gemeindeversammlung das vorgeschlagene Budget mit einer Steuererhöhung um 10 Prozentpunkte für das laufende Jahr abgelehnt hatte.

Jeden Rappen muss die Schule deshalb umdrehen, nur noch dringliche Ausgaben sind erlaubt. Schneesporttage und Sanierungen sind vorläufig gestrichen. Die Anschaffung von neuem Mobiliar ebenfalls. Dies noch bis mindestens 19. März. Dann steht die nächste Schulgemeindeversammlung an, bei der neuerlich über ein Budget und einen Steuerfuss entschieden wird.

Notbudget in Hinwil – so geht es weiter

Bereits in der kommenden Woche trifft sich die Schulpflege zu einer nächsten Sitzung. Am 23. Januar will sie über die zweite Vorlage eines Budgets und eines Steuerfusses entscheiden. Anschliessend wird die Öffentlichkeit informiert. Bis spätestens 21. Februar soll auch eine Empfehlung der Rechnungsprüfungskommission vorliegen. (lel)

Einen direkten Zusammenhang der Schulhausschliessung mit dem aktuellen Notbudget schliesst Schulpräsident Thomas Ludescher (parteilos) in einer schriftlichen Stellungnahme aus. Der Entscheid sei bereits vor der Ablehnung des Budgets im letzten Dezember gefallen. Man habe aber mit der Kommunikation bis nach den Festtagen zuwarten wollen.

Allerdings habe die allgemein angespannte finanzielle Situation eine Rolle bei den strukturellen Entscheiden gespielt, so Ludescher. Bereits im Mai 2023 hatte die Schule deshalb eine Arbeitsgruppe beauftragt, die Kleinschulhäuser in den Aussenwachten zu analysieren. Dabei berücksichtigte sie pädagogische Werte, Schülerzahlen, den Zustand der Schulgelände und eben wirtschaftliche Aspekte.

Mit den letzten beiden Punkten wird denn auch die Schliessung des Schulhauses Unterbach hauptsächlich begründet. Eine Sanierung des alten Gebäudes sei nicht mehr tragbar.

Luftaufnahme eines Schulhauses.
Das Gebäude der Schule Unterbach ist sanierungsbedürftig. Der Schulgemeinde sind die Baumassnahmen aber zu teuer.

Spätestens bis 2029 wären eine Radon- und eine Innensanierung nötig geworden. Die Schulpflege rechnet mit Kosten in Höhe von 720’000 Franken. Sie will das Geld lieber in die anderen Standorte in den Aussenwachten investieren, um deren Betrieb aufrechtzuerhalten, wie sie mitteilt.

Massnahmen für Einsparungen

Die Überprüfung der Schulliegenschaften geht auch aus einer im November 2024 publizierten externen Finanzanalyse hervor. Darin sind 20 kurz- und langfristige Handlungsfelder definiert, mit denen die Schule ihre finanzielle Situation langfristig wieder in den Griff bekommen soll.

Zu weiteren möglichen Massnahmen, welche die Schule prüft, gehören kurzfristig die Kürzung von Zusatzentschädigungen für Lehrpersonen, Einsparungen bei Kopier- und Druckkosten sowie die jährliche Überprüfung der Lizenzen und damit der Ausgaben im ICT-Bereich.

Langfristig stehen grössere Klassen, die Einstellung von jüngeren Lehrpersonen oder Mindestpensen bei Anstellungen sowie die Nutzung von Synergien über Schuleinheiten hinweg zur Debatte. Auch der vermehrte Einsatz von digitalen Lehrmitteln ist eine Idee.

Kosteneffizienz schlägt Tradition

Die erste einschneidende Massnahme hat die Schule mit der Schliessung des Schulhauses Unterbach nun bekannt gegeben. Ein Schritt, der ihr nicht leichtfällt, wie Thomas Ludescher betont. Die Schulen in den Aussenwachten seien Bestandteil einer langjährigen Hinwiler Tradition, die Schulhäuser mindestens 150 Jahre alt.

«Das wirft man nicht leichtfertig über den Haufen», so der Schulpräsident. Die Kleinschulhäuser würden nicht nur den sozialen Zusammenhalt in der Bevölkerung, sondern auch die Attraktivität der Aussenwachten als Wohnort steigern.

Elf Kinder und sechs Mitarbeitende betroffen

Aktuell gehen im Schulhaus Unterbach 16 Schülerinnen und Schüler in den Unterricht, vier davon aus Wald. Bis zur Schliessung im Sommer 2026 werden es noch elf Schülerinnen und Schüler sein, davon ein Kind aus der Nachbargemeinde. Noch offen ist, wo sie künftig zur Schule gehen werden.

Auch die Zukunft der sechs Mitarbeitenden in der Tagesschule ist noch weitgehend ungeklärt. Betroffen sind neben zwei Lehrpersonen eine Fachperson für integrative Förderung, eine Klassenassistenz, eine Köchin sowie ein Hauswart. Eine Person wird Mitte 2026 pensioniert. Die Stelle der Köchin wird gestrichen. Für die beiden Lehrpersonen sucht die Schule eine Anschlusslösung in anderen Schulhäusern.

Offen ist auch die Zukunft des renovationsbedürftigen Gebäudes. Thomas Ludescher verweist auf die Abstimmung über die Bildung einer Einheitsgemeinde, die im kommenden Mai ansteht. Bei einer Annahme wäre dann 2026 der Gemeinderat für den Entscheid über die künftige Nutzung der Liegenschaft zuständig.

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