Da wohnen, wo einst Schaggi Streuli schlief
Einst wohnte Schaggi Streuli in Schmidrüti. Das Haus befindet sich etwas ausserhalb, in Richtung Sitzberg, im so genannten Chrinnenberg oder Krinnenberg. Das 1923 erbaute Landwirtschaftsgebäude wurde in den 1940er-Jahren von Eduard Furrer-Berger gekauft, mit dem Hintergedanken, später selber dort einzuziehen. Was nie passierte, weshalb das Haus mehrfach vermietet wurde.
Nun wohnen Maria und Albert Camenzind schon seit gut zwölf Jahren darin. Sie tragen Sorge zu dem Gebäude, das einen besonderen Charme hat. Aussen fällt es durch die Schindeln an der Fassade auf und aktuell durch den prächtigen Blumenschmuck. Innen strahlt jetzt ein Kachelofen eine behagliche Wärme aus.
«Es gibt immer wieder Kontakt zu den Spaziergängern, die den Schaggi Streuli-Weg gehen.»
Maria und Albert Camenzind
Das Haus erfülle ihre Ansprüche, sagen Camenzinds. Sie seien nicht direkt im Dorf wohnhaft, dennoch aber darin integriert. Während er sich gerne handwerklich betätigt, liebt sie den Garten: «So gibt es auch immer wieder Kontakt zu den Spaziergängern, die den Schaggi Streuli-Weg gehen.»
Beide freuten sich, als jüngst der ehemalige Nachrichtensprecher und Sänger Heiri Müller des Weges kam und einige Worte mit ihnen austauschte. Selbst für einen besonderen Nebenerwerb bietet das Haus einen Platz. Die beiden fertigen währschafte Strassenwischbesen für die Städte Winterthur und St. Gallen an.
Er kam in den «Freihof»
Der jetzige Hausbesitzer Köbi Furrer erinnert sich zurück, als der bekannte Volksschauspieler Schaggi Streuli (siehe Box) hier oben wohnte. Im Jahre 1963 zogen Streulis in das Haus, auch sie mochten den Standort: «Er wollte gerne ausserhalb eines Ortes sein, denn er hatte es eigentlich gerne ruhig.»
«Er hatte innert kurzer Zeit Streit mit den Nachbarn.»
Othmar Breitenmoser, ehemaliger Gemeinderat Wila
An den Vormittagen kam Schaggi Streuli jeweils in den «Freihof». War dann in der Gaststube der Stammtisch zu voll, verzog er sich zu Furrers Mutter in die Küche. In diese Zeit fiel auch der Bau des Lenkwaffenstützpunktes auf dem Chapf, der sich unmittelbar neben dem Wohnhaus Chrinnenberg befindet. Die Bauzeit war laut und das mag einer der Gründe gewesen sein, weshalb Streulis 1973 ins Tal hinunter in das «untere Bogenhaus» bei Steinen auf Gemeindegebiet Wila zogen.
Der ehemalige Gemeinderat Othmar Breitenmoser hatte dazumal mit dem Schauspieler zu tun: «Ich habe ihn als arroganten Kerl kennengelernt. Er hatte innert kurzer Zeit Streit mit den Nachbarn.» Breitenmoser kannte Streuli von den früheren Wohnorten Oberlangenhard sowie vom Pirg.
Allerlei Tiere gehabt
Die nicht immer umgängliche Art Streulis war offensichtlich bekannt. Seine Frau sagte 1999 in einem Interview zum «Tößthaler», ihr Mann habe sich vor dem Tode bei ihr entschuldigt für all die unschönen Momente. Aber natürlich hatte auch er eine andere Seite.
«Dann sagte er zu mir: ‹So, jetzt gehe zu meiner Frau und hole dir den Lohn›.»
Köbi Furrer, Hausbesitzer
Köbi Furrer spannt noch einmal den Bogen in die Zeit, als das Ehepaar im Pirg gewohnt hat. Sie hätten allerlei Tiere gehabt, vor allem auch Hühner und Fasane. Für diese habe der Schauspieler selber Gehege gemacht. Der damals neunjährige Köbi konnte ihm beim Befestigen der Drahtgitter auf die Holzrahmen helfen. «Dann sagte er zu mir: ‹So, jetzt gehe zu meiner Frau und hole dir den Lohn›.»
Die Familie Furrer war stets herzlich verbunden mit Schaggi Streuli und lud 2004 zur Einweihung des nach dem Schauspieler genannten Weges ein. Prominente waren auch mit dabei, so die beiden einstigen Weggefährten Toni Vescoli und Walter Roderer. Der Rundweg ist übrigens ausgestattet mit vier Informationstafeln, die einiges über Schaggi Streuli erzählen. (Renate Gutknecht)
Schauspieler und Autor
Emil Kägi, wie Schaggi Streuli mit bürgerlichem Namen hiess, wurde 1899 in Bauma geboren, wo er 1980 auch starb – im damaligen Spital. Hedi Streuli hatte eigentlich eine stille Beerdigung geplant, sah sich dann aber richtigen Polizisten gegenüber, die «ihrem» Berufskollegen, «Polizischt Wäckerli», die letzte Ehre erweisen wollten.
Schaggi Streuli war zweimal verheiratet, ab 1939 mit Hedwig Obrist. Nach Nebenrollen in den Spielfilmen «Füsilier Wipf» (1938) und «Gilberte de Gourgenay» (1941) wurde er mit der Figur von «Polizischt Wäckerli» (1955/1966) bekannt. Die Kriminalstücke waren Strassenfeger.
Christian Arm, ein enger Vertrauter von Streuli, war damals stellvertretender Gemeindeschreiber in Zell und erinnert sich, dass man an den Austragungstagen keinesfalls eine Sitzung einberufen durfte. Andere bekannte Rollen von Streuli waren «Taxichauffeur Bänz» oder in der «Oberstadtgasse». Streuli war vielseitig, er bewegte sich auf der Bühne, in Filmen und betätigte sich als Autor von Theaterstücken. Ab den 1950er-Jahren lebte das Ehepaar im Tösstal. (rg)