Cyberangriff – Blackout im Stromnetz?
Tribüne
Die Schweiz ist durch Angriffe auf Infrastrukturen wie die Energieversorgung bedroht. Wir alle sollten uns deshalb auf solche Szenarien vorbereiten, mahnt «Tribüne»-Autor Jean-Philippe Pinto.
Zum Autor: Jean-Philippe Pinto ist Gemeindepräsident (Die Mitte) und wohnt in Volketswil
Im Dezember 2025 kam es in Polen zu einem Cyberangriff, der beinahe die Stromversorgung ausfallen liess. Im Januar 2026 liess ein Anschlag einen Teil Berlins in Dunkelheit versinken. Die Ausführung bei tiefen Temperaturen deutet auf die Absicht hin, möglichst schwerwiegende Auswirkungen für die Zivilbevölkerung herbeizuführen. Wäre dies in der Schweiz ebenfalls möglich?
Künftig drohen im gesamten Europa Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie die Energie- oder die Wasserversorgung. In den letzten Jahren war ein intensives Auskundschaften der IT-Systeme solcher Infrastrukturen zu beobachten. Die geopolitische Entwicklung führt dazu, dass sich die Bedrohungslage weiter verschlechtern wird. Die Behörden und die Stromunternehmen müssen sich darauf einstellen und den Schutz der Infrastruktur verstärken. Spezielle Aufmerksamkeit verdient dabei die Gefahr durch Drohnen.
Einen absoluten Schutz gibt es nicht. Diese Erkenntnis mag banal klingen, sie ist in ihrer Konsequenz aber weitreichend. Die Gesellschaft muss sich auf einen möglichen Stromausfall einstellen. Durch die Digitalisierung vernetzt sich die Welt. In sämtlichen Bereichen, auch der Energieversorgung, läuft bereits vieles über das Internet. Gerade bei kritischer Infrastruktur, wie dem Stromnetz, kann dieses hohe Mass an Digitalisierung jedoch auch zur Gefahr werden. Zum Beispiel dann, wenn Hacker versuchen, ins Stromnetz einzugreifen.
Die nötigen Vorbereitungen für den Krisenfall liegen nicht allein in der Verantwortung der Behörden. Die Wirtschaft und die Privathaushalte stehen ebenfalls in der Pflicht, ihren Anteil für die Vorsorge zu leisten. Um eine Gesellschaft resilient zu machen, müssen alle ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Die Schweizer Behörden und die Stromversorger nehmen die Möglichkeit eines Cyberangriffs auf das Stromnetz (endlich) ernst. Das Risiko wird als sehr hoch eingeschätzt.
Im Dezember 2024 führte die Gemeinde Volketswil die gross angelegte Übung «NOX» mit allen kommunalen Notfallorganisationen und dem Szenario «Blackout» durch. Ziel war es, die Verbesserung der interorganisatorischen Zusammenarbeit, die ganzheitliche Übung des Führungsprozesses und die Stärkung der Resilienz der Gemeinde zu trainieren. Die Übungsbesprechung zeigte eine grosse Einsatzbereitschaft aller Beteiligten, zeigte aber auch gewisse Schwachstellen auf. Es bleibt die Erkenntnis, dass ohne Strom der Alltag zum Erliegen kommt!