Butterbrot statt Burn-out: Beim Znüni ist weniger oft mehr
Tipps zum Schulstart
Viele Eltern, deren Kinder im Sommer ins Schulsystem eintreten, müssen bald gute Znüni liefern. Ernährungsberaterin Franziska Hess, tätig in Uster und Dübendorf, gibt Tipps, was «gut» bedeutet.
Sie ist wohl die unangefochtene Znünibox-Königin der Schweiz: Adelina aus dem Kanton Aargau. Sie hat auf Instagram 184’000 Follower, die ihr dabei zuschauen, wie sie praktisch täglich phantasievolle und bunte Znüni für ihre Kinder zubereitet.
Da sind Häschen-Sandwiches zur Osterzeit, Würstli im Teig als Mumien zu Halloween, Himbeeren mit Samichlaushüten im Advent und das ganze Jahr durch Disney-Prinzessinnen-Sandwiches oder Waffeln in Form von Mickey Mouse zu sehen.
«Doch das Aussehen der Zwischenverpflegung sollte zweitrangig sein», hält Franziska Hess fest. Sie bietet in Uster und Dübendorf Ernährungsberatungen und Ernährungstherapien für Familien, Kinder und Jugendliche an und weiss, was zu einem gesunden Znüni gehört.
«Solche Boxen sehen zwar sehr ansprechend aus, können für Kinder aber auch überfordernd sein», sagt Hess. Da sei einerseits die Menge des Inhalts: Oftmals werde viel zu viel eingepackt. «Wir sind gesellschaftlich so programmiert, dass wir aufessen wollen – für Kinder, die ihr Sättigungsgefühl noch trainieren, ist das keine gute Ausgangslage.»
Andererseits brauche es gar nicht möglichst viele verschiedene Komponenten. «Und schon gar nicht etwas, das das Kind zuvor noch nie gegessen hat.» Ein Apfel mit ein paar Blévita oder anderem Knäckebrot sei bereits ein guter Znüni. «Und wenn ein Kind etwas gerne isst, dann ist es auch egal, ob es zu einem Bärchen geschnitzt ist oder nicht.»
Denn ihrer Erfahrung nach bedeutet ein aufwendiger Znüni vor allem eines: Stress für die Eltern. «Die Kinder vergleichen ihre Snacks zwar auch, aber die Erwachsenen sind viel kritischer. Vor allem mit sich selbst», sagt die Ernährungsberaterin. «Viele Mamis – oder auch Papis – sind bereits am Rand eines Burn-out. Da muss dieser zusätzliche Stress nicht auch noch sein.»
Früchte und Gemüse als Basis
Grundsätzlich sei der Znüni eine Ergänzung zum Zmorge. «Wenn ein Kind bereits ein grosses Frühstück im Bauch hat, braucht es gar keine grosse Zwischenverpflegung vor dem Mittag.» Eine Handvoll saisonales Obst oder Gemüse und ein paar Nüsse seien schon genug. «Bei sehr aktiven Kindern oder einem strengen Programm darf auch gerne mit Getreide- oder Milchprodukten ergänzt werden.»




Für kleine Kinder sei es enorm wichtig, einen Znüni dabeizuhaben. «Sie haben weniger Muskeln und können Energie noch nicht so gut speichern wie Erwachsene.» Je älter die Kinder würden, desto unwichtiger werde darum die Zwischenverpflegung. «Zudem hat das gemeinsame Essen zu Beginn der Schulzeit auch eine soziale Komponente», sagt Hess. «Gerade im Kindergarten wird meist im Morgenkreis zusammen gegessen – auf dem Pausenplatz verschiebt sich dann der Fokus auf andere Gruppentätigkeiten.»
Viele Schulen haben auf ihrer Website den Znüni-Flyer der Gesundheitsdirektion des Kantons verlinkt. Ähnliche gibt es von der Gesundheitsförderung Schweiz oder den Schulgesundheitsdiensten der Stadt Zürich. Obwohl diese im Grunde vorbildlich seien, müssten sie mit einem Hinweis gelesen werden. «Diese Merkblätter wurden praktisch alle von Fachpersonen aus der Zahnprophylaxe erarbeitet», sagt Franziska Hess.
Was darauf stehe, sei nicht falsch, im Gegenteil. «Es ist wichtig, auch an die Zahnhygiene zu denken und sich nach dem Verzehr von getrockneten und stark zuckerhaltigen Früchten den Mund mit Wasser auszuspülen.» Darum sollten etwa exotische Früchte nicht zu oft eingepackt werden. Aber man dürfe durch die Empfehlungen Früchte wie die Banane auch nicht allzu sehr verteufeln.
Ebenfalls als nur «ab und zu» empfehlenswert werden in diesen Richtlinien Fleischprodukte bezeichnet. «Das hat einerseits ökologische Gründe», sagt Hess. Andererseits wird aktuell empfohlen, maximal einmal pro Tag Fleisch oder Fisch zu essen und maximal einmal pro Woche Wurstwaren. «Im Znüniböxli landen aber nun einmal eher Wurstwaren wie Minipic.»

Dass gewisse Aufsichtspersonen in Kindergarten und Schule den Eltern tadelnde Rückmeldungen geben, was den Inhalt des Znüniböxli des Kinds angeht, sieht die 46-Jährige kritisch. «Auch ich habe von der Kindergärtnerin meines Sohns einst die Kritik erhalten, dass Salzstängeli mit Weissmehl übrigens keinen guten Znüni darstellen.» Mittlerweile sind ihre Söhne 18 und 15 Jahre alt und verpflegen sich selbst.
«Als Elternteil kennt man sein Kind am besten und weiss vor allem auch, was es zum Frühstück bereits gegessen hat», sagt Hess. Als Mutter oder Vater darf und soll man auf sein Bauchgefühl hören und dann entscheiden, was man dem Kind mitgeben will. «Und wenn jemand absolut begeistert kreative Boxen macht, soll er oder sie das auch tun – Hauptsache, es löst keinen Stress aus.» Aufsichtspersonen empfiehlt sie, lieber das Gespräch mit den Eltern zu suchen, als direkt Kritik zu üben.
Für Franziska Hess stellen Speisen mit zugesetztem Zucker praktisch das einzige No-Go im Znüniböxli dar. Am Ende sei es wichtig, dass das Kind überhaupt etwas esse. «Natürlich ist Vollkorn gesünder, aber lieber ein Brötli aus Weissmehl zum Znüni als gar nichts.»
Das ist ein guter Znüni
Ein gesunder Znüni enthält immer eine Frucht und/oder ein Gemüse und ist abwechslungsreich und zuckerfrei. Er kann durch Milch- und/oder Getreideprodukte (am besten Vollkorn) sowie Nüsse ergänzt werden. Nur ab und zu sollten Fleisch und Fleischprodukte sowie Trockenfrüchte und exotische Früchte mitgegeben werden. Zu trinken gibt es Wasser oder ungesüssten Tee.
Nicht empfehlenswert sind Schokoladen-, Milch- und Getreideriegel sowie Guetsli und fettige oder stark gesalzene Produkte wie Chips oder Salznüssli. Auch gesüsste oder aromatisierte Getränke, Smoothies oder Fruchtsäfte sollten nicht Teil einer Zwischenmahlzeit sein.