Aber Bubikon will trotzdem kein Windrad über sich
Energie für 2000 Haushalte
Ein Rechtspassus, eine Petition, Einwendungen und nun noch zwei Studien: Die Bubiker wehren sich mit allen Mitteln gegen eine Windenergieanlage.
Fast 200 Leute marschierten am Donnerstag in den Geissbergsaal. «Das sind deutlich mehr als an der letzten Gemeindeversammlung», meinte Bubikons Gemeindepräsident Hans-Christian Angele (FDP) zufrieden, zumal es an diesem Abend gar nichts zu entscheiden gab.
Doch das Hauptthema, die mögliche Windenergieanlage am Hombergchropf, vermochte auch so zu mobilisieren. Der Gemeinderat präsentierte die Ergebnisse von zwei Gutachten, die er eigens in Auftrag gegeben hatte. Eines untersuchte die möglichen Auswirkungen eines 220 Meter hohen Windrads auf Landschaft und Tierwelt. Eines prüfte die technische Machbarkeit und das Windpotenzial. Beide hat die Gemeinde am Freitag auch auf ihrer Homepage aufgeschaltet.
Energie für 2000 Haushalte
«Wir wollen mit den beiden Studien sachliche Faktengrundlagen liefern», hielt Seraina Billeter (SVP), Ressortvorsteherin Hochbau und Planung, fest. Und so hatte sie denn auch gleich eine Überraschung für das Publikum. Mit einem Ertrag von bis zu zwölf Gigawattstunden pro Jahr hat die eine Studie ein noch höheres Potenzial ergeben als die vom Kanton geschätzten neun. Erbracht werden kann dieser Ertrag von dem einen Rad, das auf dem Hombergchropf überhaupt Platz fände. Damit könnten 2000 Bubiker Haushalte mit Strom versorgt werden.
Aufgrund der Lärmbelastung müsste ein Windrad dieser Dimension einen Mindestabstand von 300 Metern zu bewohnten Gebäuden haben. Die Studien zeigen, dass das auf dem Hombergchropf schwerlich eingehalten werden kann. Im Extremfall beträgt die Distanz sogar nur gut 200 Meter.
Weit herum sichtbar
Die vom Gemeinderat beigezogenen Fachleute haben errechnet, dass für die eine Anlage rund 7500 bis 8000 Quadratmeter Wald gerodet werden müsste, die Hälfte davon allerdings nur temporär. Beeinträchtigt würde auch die Tierwelt. Allerdings fänden sich dort kaum geschützte Arten. Konflikte kann es laut Billeter vor allem mit Rotmilanen geben.





Unter die Lupe genommen wurde auch der Schattenwurf und die Sichtbarkeit der Anlage im Umkreis von fünf Kilometern. Daraus resultierten auch einige Visualisierungen, «die auf fachmännischen Berechnungen basieren», betonte Billeter. «Der Gemeinderat ist der Auffassung, dass ein solches Windrad nicht in die Gegend passt», hielt Angele fest. Die optische Beeinträchtigung sei für ihn die Kernfrage.
Aufruf zu Einsprachen
Hier erhielt er Unterstützung von Harry Letsch, dem Präsidenten der lokalen FDP, der aber im Namen der Bubiker Ortsparteien sprach. «Die meisten finden es unpassend, an dieser Lage ein Windrad aufzustellen.» Die Beeinträchtigungen durch die Anlage stünden in keinem Verhältnis zum Energieertrag.
Die Parteien werden gemeinsam eine Einwendung gegen die nun aufliegende Revision des kantonalen Richtplans Energie sowie gegen die ebenfalls zur Diskussion stehende Revision des kantonalen Energiegesetzes einreichen. Sie stellen Interessierten auch Mustereinwendungen zur Verfügung. «Es ist wichtig, dass möglichst viele Einwendungen nach Zürich gehen.»
Solche Musterbriefe sind ebenfalls auf der Website der Gemeinde Bubikon aufgeschaltet. «Wir wollen eine solche Anlage nicht», unterstrich Angele. Das habe der Gemeinderat schon früh nach Zürich signalisiert und werde mit einer eigenen Vernehmlassungsantwort nachdoppeln. Vom Publikum im Saal erhielt er mehrheitlich Unterstützung für diese Haltung. Nur Einzelne hielten dagegen und setzten sich für die Windkraft auch in Bubikon ein.
Ein Artikel gegen das Windrad
Und sollten all die auch mit Studien unterlegten Einwendungen gegen die kantonalen Pläne und die von Privaten lancierte Petition keinen Eindruck hinterlassen, so setzt die Gemeinde noch auf das Ass im Ärmel: In die kommunale Bau- und Zonenordnung soll ein Passus gegen das ungeliebte Windrad aufgenommen werden. 1000 Meter soll der Mindestabstand zu einem bewohnten Gebäude betragen. Damit wäre das Rad vom Hügel.
Der Gemeindepräsident schränkte aber ein, dass diese Karte, die Mitte nächstes Jahr der Gemeindeversammlung vorgelegt wird, kaum stechen wird. Denn der Kanton ist nicht gewillt, einen solchen Artikel in der kommunalen Bau- und Zonenordnung zu genehmigen.
Kaum Fernwärme für Wolfhausen
An diesem «energiegeladenen Abend», wie Martin Kurt (FDP), Vorsteher des Ressorts Tiefbau und Werke, scherzhaft meinte, kamen noch zwei weitere Themen zur Sprache. Die Gemeinde will die öffentliche Beleuchtung optimieren. Geprüft wird, wo welche Art von Lampen zum Einsatz kommen soll. Zudem könnten auch die Ausschaltzeiten angepasst werden, erklärte Kurt. Dabei müssten Sicherheitsaspekte und die Bedürfnisse von Anwohnern und Natur berücksichtigt werden.
Die Weihnachtsbeleuchtung werde dieses Jahr wieder montiert. Offen sei, wie lange die vorhandenen Sterne noch zum Einsatz kämen.
Klarheit in einem Jahr
Nicht ums Licht, sondern um die Wärme ging es beim letzten Punkt. Ernst Uhler von der Energie Zürichsee Linth hatte für die Bubiker nicht nur gute Nachrichten. Seine Firma erstellt das rund 40 Millionen Franken teure Fernwärmenetz, das von der Kezo in Hinwil bis nach Rapperswil-Jona führt. Die Hauptleitung wird knapp zehn Kilometer lang und führt unter Dürnten hindurch.
Deshalb haben Dürnten, Rüti und auch Bubikon Interesse angemeldet, sich an die Leitung anzuhängen. Da die Erschliessungskosten relativ hoch seien, lohnt sich Fernwärme laut Uhler primär im dicht besiedelten Gebiet. «Bubikon ist punkto Wirtschaftlichkeit eine Herausforderung», meinte der CEO der Energie Zürichsee Linth. Wolfhausen bleibt deshalb nach heutigem Stand aussen vor. Auch in Bubikon selbst dürften nicht alle Quartiere erschlossen werden. Bis im Herbst 2025 soll nach einer Umfrage bei Liegenschaftenbesitzern Klarheit herrschen, wie weit das Netz gesponnen werden kann. Und falls Bubikon wirklich daran angeschlossen sein wolle, müsse die Gemeinde einen finanziellen Beitrag leisten.