Einen vollen Teller oder doch lieber den Lohn ausgleichen?
Tösswegs
Um Punkt 12 Uhr öffnet sich in jedem Büro ein Fächer an Entscheidungen rund um das Mittagessen. Soll man die konzentrierten Mitarbeitenden ihrem Arbeitsfluss entreissen und sie an den Esstisch locken oder doch noch ein paar Minuten warten? Wohin soll es gehen: Pizzeria, Bäckerei oder Metzgerei? Und was gibt es überhaupt, Fleisch oder Vegi?
Die Mittagszeit ist mir heilig. Man lässt das Hirn etwas verschnaufen und versüsst sich die Zeit mit harmlosen Gesprächen unter Kolleginnen und Kollegen. Das Wichtigste ist jedoch zweifellos die Mahlzeit selbst. Um zwölf wird mein Körper wieder vollgetankt. Oder sollte er zumindest.
Denn wenn ich mit meinen Kollegen in der Schlange beim Buffet stehe und sehnlichst auf mein warmes Mittagessen warte, werde ich nicht selten enttäuscht. Für die Männer gibt es zwei Stücke Fleisch, richtig viele Kartoffeln und ein paar Karottenscheiben, die so aussehen, als hätten sie sich auf dem Teller verirrt.
Meine Portion sieht hingegen ganz anders aus. Es gibt viel Gemüse, bei den Kartoffeln wird etwas gespart, und das Fleisch ist so hauchdünn, dass es schon fast durchschimmert. «En Guete», sagt der Schöpfende und grinst mich wie ein Honigkuchenpferd an.

