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Der halbnackte Brad Pitt

Muss zuhause bleiben: Der Gerahmte Brad Pitt ist im Büro unerwünscht.

Foto: David Marti

Der halbnackte Brad Pitt

Glattwegs

Wieso stellen die meisten Büromenschen (Homo tastaturus krampfus) Fotos ihrer Liebsten auf den Tisch? Einige als Motivation, um länger im Büro zu bleiben, denn zuhause warten ja eh nur diese unausstehlichen Gremlins aus dem Bilderrahmen auf einen.

Andere wollen damit ihre Arbeitskollegen beeindrucken. «Wow, was für eine attraktive, junge, grossbusige Frau du doch hast. Ist das eine Rettungsboje, die sie da in der Hand hält?» Natürlich mogeln manche und rahmen einfach eine Baywatch-Schauspielerin ein.

Genauso handhabt es auch meine Partnerin. Zwar nicht mit einem blonden Busenwunder, dafür mit dem Hollywood-Schönling Brad Pitt. Doch das Foto war ihrem Chef zu freizügig. «Ein Foto eines halbnackten Mannes hat hier nichts verloren», sagte er. «Auch wenn er dein Freund ist, muss es verschwinden.»

Nun ist das Bild bei uns zuhause. Beim Betrachten sticht mir meine Ähnlichkeit mit Brad Pitt ins Auge. Wieso fällt das eigentlich sonst niemandem auf? Ich guck mir das Foto nochmal an: Der Mann trägt ein ärmelloses Shirt und schaut verträumt. Also ähnlich wie ich, wenn ich auf dem Klo sitze.

Und der Chef meiner Partnerin hat recht. Der Mann ist tatsächlich halbnackt. Denn das Foto zeigt den Schauspieler nur von der Hüfte aufwärts. Ergo muss der ganze Unterkörper nackt sein, ist doch logisch. Wie bei mir, wenn ich auf dem Klo sitze.

Meine Freundin ist traurig, dass der Hollywood-Gott nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz sitzt. Ihr Chef zeigt sich unnachgiebig, obwohl er davon ausgehen muss, dass sich noch mehr halbnackte Männer in seinem Umfeld tummeln. Ist doch allgemein bekannt, dass männliche Mitarbeiter bei jeder sich bietenden Gelegenheit ohne Hosen arbeiten, etwa im Homeoffice.

Ich habe ihr geraten, einfach ein Bild von Donald Duck aufzustellen, der ist zwar auch halbnackt, aber als Ente darf er das sein. Natürlich verpufft damit die Angeberei. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch mit einem Foto auf ihren Schreibtisch – natürlich komplett angezogen.

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