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Die Reinkarnation der Brockenstube

Der Züriost-Redaktor sinniert über die Wiedergeburt der Brockis und verrät, warum die Tösstaler vielleicht bald ihre Pläne für sanften Tourismus sausen lassen können.

Brockis sind nicht nur schwer im Trend, manche scheinen sie gar in ihrer DNA zu tragen.

Seraina Boner

Die Reinkarnation der Brockenstube

Tösswegs

Brockenstuben sind im Aufwind. Oder sollte ich eher «Thrift Shops» schreiben? Angesichts der Tatsache, dass die Läden mit dem zuweilen schwer definierbaren ältlichen Raumduft gerade so etwas wie eine Wiedergeburt, ja ein Revival erfahren, wahrscheinlich schon.

Gerade auf der Kurzvideo-Plattform Tiktok zeigt sich das Ausmass dieses Trends: Mieke Fraatz, eine Influencerin aus Deutschland, nimmt ihre Follower fast täglich mit in Secondhand-Boutiquen und Brockenhäuser, um später daraus neue, meist doch eher knapp geschnittene Kleidung zu schneidern.

@miekefraatz Supertolles ehren #upcycling #diy für euch meine sössen #liebe #ehre #foryou #foryoupage #fy #xyzbca ♬ She Share Story (for Vlog) - 山口夕依

Dem Publikum scheint es zu gefallen: Über 700 Tausend Menschen folgen der Näh-Influencerin, die mit einem Buch mit dem Beinamen «Back to the 80s» seit neustem auch in der Offline-Welt um Aufmerksamkeit buhlt. Spinnt man den Gedanken weiter, dürften also bald auch die Umsätze von Nähmaschinen in die Höhe schnellen. Hallo, Bernina, wo ist euer Tiktok-Account?

Um das Wiederverwenden von Alltagsgegenständen «cool» zu machen, haben die ach so fortschrittlichen Skandinavier keine App aus China gebraucht.

Wer schon einmal auf schwedischen Landstrassen unterwegs war, weiss, was ich meine. In fast jedem Dorf fährt man an handgemachten Schildern am Strassenrand vorbei.

Der Kanton Zürich hat bereits seine eigene Brocki-Influencerin: Sie heisst ‹mengisch› und hat mehr als 17'000 Follower.

Darauf steht «Loppis» geschrieben, schwedisch für «Flohmarkt». Mit diesen privaten Mini-Trödelmärkten versuchen die Anwohner vielbefahrener Strassen, sich einen Batzen dazuzuverdienen.

Dass ich noch nie einen solchen Markt betreten habe, hat nicht etwa mit einer Aversion gegen Brockenstuben zu tun. Sondern vielmehr mit den 80 bis 100 Sachen, die man auf dem Tacho hat, sodass man die Hinweistafeln meist erst im Rückspiegel als solche erkennt.

Dem Trend entsprechend hat der Hashtag «#ThriftShop» nicht weniger als 4,5 Milliarden Aufrufe auf der Kurzvideo-App. Und der Kanton Zürich hat bereits seine eigene Brocki-Influencerin: Sie heisst «mengisch», hat mehr als 17'000 Follower und schreibt sich nichts Geringeres als einen «brocki fetish» zu.

@mengisch meh brocki videos soon #brocki #brockenhaus #secondhand #thrifting ♬ Enjoy the Silence - Depeche Mode

Wenn sie nicht gerade ein «get ready with me» postet, besucht sie Brockenhäuser und filmt sich dabei. Auch die Heilsarmee-Brocki in Wila und die Brocki Turbenthal hatten schon die Ehre. Letzteres berzeichnete sie gar als ihr neues «Lieblingsbrocki». Auch wenn es «irgendwo im nirgendwo» ist.

Meine Mitbewohnerin hat unlängst den Persönlichkeitstypus der «Brockenhaus-Frau» geprägt. Sie bevorzugen Städte als Habitat und tragen das Shoppen in Brockenstuben quasi schon in ihrer DNA.

Vielleicht, liebe Freunde des sanften Tourismus, erübrigen sich eure Projekte bald und es kommt zum Social-Media-induzierten Sturm auf die Tösstaler Brockenhäuser.

Pluspunkt: Heruntergekommene Beizen müssten sich keine neue Einrichtung leisten, denn schwere, karierte Vorhänge und kotfarbene Fliesen im Bad sind ja jetzt wieder cool.

Einzig an der Aussprache der Ortsnamen müssten wir dann noch etwas feilen: Man stelle sich 17000 Follower vor, die vor dem Heilsarmee-Brocki in «Villa» Schlange stehen.

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