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Ich, der Immigrant

Wie fühlt man sich als Immigrant im Kanton Zürich? Der Züriost-Redaktor weiss es.

Jeden Morgen wird der Autor von der Aussicht aus seiner Heimat willkommen geheissen.

Noah Salvetti

Ich, der Immigrant

Tösswegs

Frisch in den Kanton Zürich eingewandert, macht sich der Züriost-Redaktor Gedanken über seine Integration. Und offenbart, dass er so einiges aufs Neue lernen musste.

Noah Salvetti

Tössthaler

Jeden Morgen strahlen mich die Churfirsten an – zwar nicht von meinem Schlafzimmerfenster aus, dafür auf meinem Computerbildschirm. Sie erinnern mich an meine Wurzeln. Denn ich bin Immi­grant.

Ohne Rücksicht auf Verluste trat ich die Flucht nach vorn, vom St. ​Galler Rheintal ins ­urbane Zürich, an, liess alles hinter mir und startete ein ­neues ­Leben.

Okay, ganz so dramatisch wars dann doch nicht. Aber ich finde durchaus, dass ein Kantonswechsel in der kleinen und doch so facettenreichen Schweiz ­einen Mini-Kulturschock nach sich ziehen kann.

Schliesslich war Zürich für mich nie mehr als eine ferne Stadt, ein Ziel für die alljähr­liche Schulreise vielleicht, und das «Züribiet», einschliesslich des Tösstals, kam in meiner ­Realität so gut wie gar nicht vor.

Gäbe es einen Einbürgerungstest für Immigranten aus anderen Kantonen, beim Thema Politik wäre ich wohl glatt durchgefallen.»

Seit ich hier residiere, sind es kleine wie grosse Unterschiede, die mir auffallen. Das fängt bei meinem Dialekt an, der bei Zürcherinnen und Zürchern direkt ein sehnsüchtiges «Bisch du vo Graubünde?» auslöst, sobald ich den Mund öffne.

«Weisch, mir händ ebe es Feriehuus dööt.» Und hört bei politischen Unterschieden auf – die in meinem Beruf ja alles andere als unwichtig sind.

So musste ich etwa zuerst lernen, was der Bezirksrat ist, und dass ein Gemeindeammann – dort, wo ich herkomme die Bezeichnung des Gemeindepräsidenten – hier einem anderen Amt entspricht.

Gut, gibt es auch Parallelen – so ist die Beizendichte im Töss­tal etwa gleich klein wie in meinem Dorf und die – zumindest geistige – Entfernung zur Stadt gleich gross. Und doch: Gäbe es einen Einbürgerungstest für Immigranten aus anderen Kantonen, beim Thema Politik wäre ich wohl glatt durchgefallen.

Immerhin: Einen spannenderen Zeitpunkt für meine «Einbürgerung» hätte ich wohl kaum wählen können. Kaum nach Zürich übergesiedelt, darf ich bereits an die Urne. Obwohl ich mir schon etwas kriminell vorkomme, wenn mir gewisse Kandidaten die Eindämmung der Zuwanderung versprechen.

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