Vergoldeter Pups-Zucker
Ich muss mich ein bitzeli aufregen. Zwar probiere ich es gerade ziemlich aktiv mit Achtsamkeitsübungen, innerer Ruhe und all dem Zeug. Aber irgendwann muss auch wieder mal eine Portion Dampf raus.
Da ich zu Weihnachten am liebsten kulinarische Geschenke verteile und erhalte (!!!), habe ich mich kürzlich auf der Website eines Gewürzherstellers herumgetrieben. Die Folge: Egal auf welcher Website ich mich danach aufhielt, mir blinkten Werbungen besagter Firma entgegen.
So lachte mir da irgendwann eine Werbung für Zimtzucker entgegen. Nicht etwa magischer Einhornpups-Zimt-Zucker, sondern stinknormaler Zimtzucker. Habe dann sogar draufgeklickt. Irgendetwas Spezielles muss es ja mit diesem Gemisch auf sich haben, dass man es kaufen muss und nicht einfach selber mischen kann. Aber nein. Würzmischung bestehend aus: Rohrohrzucker, Zimt gemahlen. 100 Gramm für 5.50 Franken.
Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch. Auch ich kaufe ab und zu eine Backmischung für Brownies, wenn ich weder die Zeit noch die Geduld für einen ausgedehnten Backspass habe. Und eigentlich ist jeder selber dafür verantwortlich, was er sich ins Einkaufskörbli schmeisst. Aber irgendwo hat die Ausbeutung des Kunden Grenzen.
If only nature would find a way to cover these oranges so we didn't need to waste so much plastic on them. pic.twitter.com/00YECaHB4D
— Nathalie Gordon (@awlilnatty) March 3, 2016
Es reicht, dass im grossen Amerika, von wo aus wir regelmässig neue, immer abstrusere Trends erhalten, geschälte und wieder in Plastik eingeschweisste Orangen verkauft werden. Macht ja auch völlig Sinn, die Schale, die ein Produkt von Natur aus besitzt, zu entfernen, und mit einer neuen, synthetischen Schale zu ersetzen. Ähä.
Da hätte ich auch noch ein paar gute Geschäftsideen: Gesalzenes Wasser für die Spagetti im 10-Liter-Kanister. Vorgekaute Chräbeli– einzeln in Tütchen verschweisst – gerade in der Weihnachtszeit für Omi ohne Gebiss sicher superpraktisch. Oder vorgetrockenes Brot für die Entenfütterung. Irgend ein Depp wird das Zeug wohl kaufen.
Ein Mischverhältnis von 1 zu 10 reicht beim Zimtzucker übrigens völlig. Also kaufen Sie sich ein Kilo Zucker für einen Franken, 100 Gramm Zimt für zwei Franken und werden sie von mir aus reich damit, andere Menschen, die diesen Blog nicht gelesen haben, mit ihrem Zimtzuckergemisch über den Tisch zu ziehen. Sie können dann auch Einhornpups drauf schreiben.
Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.
