Österlicher Leidensweg in der Migros Uster
Drama drei Akten, geschehen in einem anderen Jahr, in einem anderen Leben, als man noch ohne Restriktionen einkaufen konnte.
1. Akt: Auftritt Mutter und Tochter:
« Mami? Ich wett die Schoggi-Eili. »
« Hmmm. Mmmmh. Nei nei, mir hend gnueg Schoggi dihei. »
« NEI! MAMI! Ich wett die JETZT esse! »
« Nei, Serena. Mir chaufed nöd jedes Mal Schoggi. »
(Beginn Tobsuchtsanfall. Kind wirft sich auf den Boden und schreit)
« Schätzeli, ich… »
(Kind brüllt weiter. Mutter aktiviert das erprobte “Mami bliib cool”-Mantra und steht leicht gelangweilt daneben. Auftritt ältere Dame)
« Sie…Ihres Chind brüelet! »
« Aha… ja, ich ghörs. Es isch hässig uf mich. »
« Ja, aso… das arme Chind! Arms Chind, hallo, bisch so fescht trurig? Muesch am Bode ligge? De isch so dreckig! »
(Kind brüllt ungerührt weiter. )
« Ja, wend Sies denn nöd tröschte?! »
« Das nützt nüt. Wenn mer jetzt mit ihre redt oder sie alangt wird’s nur no schlimmer. »
(Dame berührt Kind liebevoll an der Schulter. Kind brüllt lauter).
« Aso, das… Irgendwie müesst mer doch dem Chind helfe! »
« Ja, das hani au scho denkt… »
(Dame geht kopfschüttelnd davon)
2. Akt: Kind am Boden, Mutter steht daneben.
(Auftritt zweite ältere Dame)
« Sie! Ihres Chind brüelet! »
« Ja was… ja, jetzt wo Sies säged! Nei, Gspass uf d Siite, s Chind isch hässig uf mich und mues sich zerscht mal beruhige. »
« Aso Sie! Wend Sie denn nüt mache? »
« Mer chan nüt mache, es wird suscht no schlimmer. Mer mues warte. »
« Aber Sie! Aso zu eusne Ziite hett mer sones Chind packt und scharf zrecht gwiese! Und suscht halt hei demit! »
« Ja, aber ich mues halt no poschte und zalle, ich wett jetzt nonig hei, suscht hend s andere Chind und de Ma du ich denn kein Znacht. Das gaht ja au nöd! »
« Aber Sie! Das Chind stört doch alli! »
« Bim Poschte? Entschuldigung. Es gaht verbi! »
« Ja… aso… d Kassierin zum Bieschpiel, die wott doch in Rueh schaffe! »
(Mutter schaut Kassierin an. Kassierin zur Dame:)
« Sie, ich han au Chind! Ich finds ganz normal, stört mich überhaupt nöd. Es gaht meischtens schnell verbi. »
(Dame geht kopfschüttelnd davon)
3. Akt: Kind immer noch am Boden
(Kind hört auf zu Brüllen)
« Mami, jetzt gömer go Milch hole und denn ad Kasse und denn hei? Gell, Mami? De Oschterhaas bringt mir denn scho no gnueg Schoggi! »
Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

