Znüni-Notfall im Illuster
Jene Viertelstunde des Tages, zu deren Beginn du beim Zahlen in der Migros im Ustermer Illuster deine Mutter auf der Combox hast, das grosse Kind habe sein Znüniböxli zuhause vergessen; wo du als Neo-Chindsgimutter keine Ahnung hast, wie das so läuft, ob dein Kind in so einem Fall hungern muss, und du deshalb mit durch den Adrenalinstoss geschärftem Blick feststellst, dass es bis zur Znünipause noch 10 Minuten sind, sodass du mit dem Wägeli in die Parkgarage buchstäblich fährst statt läufst, um das Ticket zu zahlen, es im Schlitz zu vergessen und nach 10 Metern wieder umzudrehen, um es zu schnappen, bevor es eingezogen wird; worauf du Poschtisäcke voller Glitzerservietten, Goldpapier und Lego für die nahende Bescherung auf den Rücksitz zwischen die Kindersitze schleuderst, um dann mit quietschenden Reifen und dem allzu passenden Mission Impossible-Sound, der gerade auf SRF 3 läuft, Richtung Kindergarten zu rasen, wo du nicht mal halblegal auf dem Trottoir parkierst und von weitem siehst, dass auch die Oma entschlossen gehandelt hat und mit dem Znüniböxli in der einen und dem jüngeren Kind an der anderen Hand den Chindsgiweg entlang marschiert; worauf du, weil du trotzdem 100 Meter Vorsprung hast, atemlos mit Doppelstufentechnik die Treppen zum Kindergartenraum hochrennst und, ein Semmeli aus deinen Einkäufen schwenkend wie eine Kapitulationsflagge, in die Znüniphase platzt, worauf dich 22 Kinder mitsamt deinem eigenen plus Kindergärtnerin verwirrt anstarren und dich dein Kind schliesslich strahlend und mit verschmiertem Mäulchen ansieht und sagt: « Mami, d’Yelda hett hüt Geburtstag, ich han zwei Schoggichüechli dörfe ha! »
Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

