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Neue Einheitsflotte der Rega

Wie in drei Wochen aus einem leeren Heli der «Dübendorfer Rega-Heli» wurde

Jetzt ist er da, der neue Rettungshelikopter in Dübendorf. Was es brauchte, bis es soweit war.

Die Kabine ausgeräumt, Teile der Verschalung entfernt: So stand der «Dübendorfer» Heli noch vor ein paar Tagen im Rega-Hangar auf dem Flughafen Zürich.

Foto: Ernst Hilfiker

Wie in drei Wochen aus einem leeren Heli der «Dübendorfer Rega-Heli» wurde

Neue Einheitsflotte der Rega

Das Team der Rega-Basis in Dübendorf hat ein neues Arbeitsgerät: einen Helikopter, der nach den Bedürfnissen der Retter ausgebaut wurde.

 

«Wir räumen einen neuen Heli innen komplett aus und bauen dann unser Equipment ein.» Wenn Timo Inauen beschreibt, was er als Helikoptermechaniker zusammen mit seinen Arbeitskollegen machen musste, damit seit heute Freitag auf der Basis Zürich der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) in Dübendorf ein neuer Heli steht, ist das eine recht grosse Untertreibung. Denn bis die Maschine zu ihrem ersten Einsatz abheben kann, hat sie schon einen langen Weg hinter sich.

Zwischenlandung beim Zoll

Das Leben des HB-TIK, wie die neue Immatrikulation des im Glattal stationierten Heli lautet, begann bei der Firma Airbus im deutschen Donauwörth. Dort wurde der Helikopter vom Typ H145 D3 gebaut. Eine Maschine auf dem modernsten Stand der Technik, europaweit geschätzt in der Rettungsfliegerei.

Noch bevor der «Neue» erstmals Schweizer Luft schnuppern darf, wird er durch Schweizer geprüft: Erst wenn Rega-Experten im Herstellerwerk nach einer technischen Abnahme nichts mehr zu bemängeln haben, fliegen sie den Heli in die Schweiz – mit Zwischenlandung in Friedrichshafen, wo die millionenteure Importware zuerst verzollt werden muss.

Dann geht es weiter an den Flughafen Zürich, wo der Heli drei Wochen lang im Hangar der Rega verbringt. Und dort wird dann eben ausgeräumt und eingeräumt, sprich: der Helikopter exakt auf die Bedürfnisse der Betreiberin umgebaut.

Ein zusätzliches Rotorblatt

Aussen ist nicht viel zu machen, denn der H145 D3 wurde bereits in Donauwörth im rot-weissen Rega-Look gespritzt – mit einer minimen Designänderung in Form einer grösseren weissen Fläche an der Seite. Wer genau hinschaut, sieht auch weitere Neuerungen gegenüber dem sehr ähnlichen bisherigen «Dübendorfer» Modell H145 D2: einen Rotor mit fünf statt vier Blättern und zusätzliche Scheinwerfer für sichereres Arbeiten in der Nacht.

Ein Rotorblatt mehr: Was für den Laien nach Peanuts oder technischer Spielerei tönt, bringt in der Praxis viel. Denn der Heli kann so mit viel weniger Vibrationen bewegt werden, was wiederum erlaubt, auf ein Anti-Vibrationssystem zu verzichten, womit 100 Kilogramm Gewicht gespart werden. 100 Kilo sind in der Heli-Fliegerei, wo vor jedem Einsatz die Treibstoffmenge und Zuladung fast aufs Kilo genau berechnet werden müssen, eine bedeutende Grösse.

Innen alles neu

Die Hauptumbauarbeit findet im Inneren der Maschine statt. Sie wird vollständig leergeräumt, Decken und Seitenverkleidungen kommen weg, Kabelstränge werden freigelegt. Damit ist der Weg frei für den Einbau all der Rega-spezifischen, von technischem wie medizinischem und fliegerischem Personal zusammen entwickelten Komponenten in der Kabine, also im Teil hinter dem Cockpit.

Das ist zum Beispiel ein griffigerer Bodenbelag oder neue Steckdosen. Vor allem aber sind es extra produzierte Schubladen- und Fächerelemente, in denen die medizinische Einrichtung untergebracht wird, ergänzt durch Halterungen, etwa für das Beatmungsgerät.

Die Leichtbauelemente, für deren Montage Mechaniker des Produzenten in den Rega-Hangar kommen, sind einerseits so platziert, dass der in der engen Kabine arbeitende Notarzt die Ausrüstung gut erreichen kann, andererseits, dass das Gewicht ausgeglichen ist. Laut Timo Inauen wurde im etwas hecklastigen D3 generell versucht, das Gewicht und damit die Einbauten von hinten nach vorne zu verlagern, sodass die fast 14 Meter lange Maschine mit einem maximalen Startgewicht von 3,8 Tonnen ruhiger zu fliegen ist.

Einrichtungsprobe im Holzmodell

Ist der Umbau, der während der Projektierungsphase unter anderem in einem 1:1-Holzmodell optimiert wurde, fertig, erfolgen eine Schlussabnahme durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt und diverse Testflüge.

Erst jetzt darf der Heli an die Basis ausgeliefert werden. Dort übernimmt ihn die zuvor umgeschulte Crew sogleich, räumt noch ein paar Dinge vom alten in den neuen Heli um – und ist eine halbe Stunde nach Ablieferung parat für den ersten Einsatz.

Sieben Austauschmaschinen

Der neue Heli für Dübendorf gehört zu einer 21 Exemplare umfassenden Sammelbestellung der Rega, die ab Anfang 2027 auf all ihren 14 Basen mit demselben Typen arbeitet. Die sieben «zu viel» georderten Exemplare braucht es laut der Rettungsflugwacht vor allem als Austauschmaschinen, wenn ein Heli in die vorgeschriebene Wartung muss. Und das ist oft: Auf eine Flugstunde kommen fünf Stunden Wartung. Das heisst, es stehen immer etwa vier Helis zur Überholung im Hangar.

Trotzdem verspricht man sich von der Einheitsflotte einen günstigeren Betrieb und vor allem eine viel grössere Flexibilität im Tausch von Maschinen und Crews als bisher mit den zwei verschiedenen Heli-Typen. Die ganze Neubeschaffung kostet die Rega über 200 Millionen Franken. Ein Betrag, der wie üblich bei der Rettungsflugwacht ohne einen Franken Fremdkapital finanziert wurde.

Alte Helis bleiben im Rettungseinsatz

Der bisherige «Dübendorfer» Heli wird verkauft – und zwar nach Neuseeland. Dort wird er mit drei weiteren bei der Rega ausgemusterten H145 ebenfalls für Rettungen eingesetzt. So, wie vier Maschinen desselben Typs, die bereits in Marokko sind. Was mit den elf von der Rega auf ihren Gebirgsbasen betriebenen Agusta-Westland Da Vinci passiert, ist gemäss einem Sprecher der Organisation noch unklar. (ehi)

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