Spektakulärer Einbruch: Profis stehlen teure Velos aus Fachgeschäft in Uster
Wie im Krimi
Was sich in der Nacht auf Donnerstag in einem Velofachgeschäft in Uster ereignete, gleicht einem Krimi. Die teuersten Velos wurden gestohlen, und von den Tätern fehlt jede Spur.
Als Pascal Fornallaz am Donnerstagmorgen die Tür des Velofachgeschäfts Chälbli AG an der Seestrasse in Uster aufschliesst, traut er seinen Augen nicht. Es fehlen Velos, eine Ecke ist komplett leer geräumt. Das Glasdach ist eingeschlagen, der Scherbenhaufen liegt noch am Boden. «Da musste ich mich erst kurz hinsetzen», sagt der Geschäftsführer. Kurz darauf alarmiert er die Polizei.




Zu diesem Zeitpunkt ist es schon zu spät. Die Einbrecher sind bereits über alle Berge verschwunden. Die wertvollen Velos sind wahrscheinlich für immer weg. Trotz Alarmanlage und mehreren bewohnten Häusern in der Umgebung hat niemand den Einbruch bemerkt. Doch wie konnte es nur so weit kommen?
Fornallaz führt einen Tag nach dem Einbruch hinter das Gebäude. Das Geschäft liegt direkt an der Aa. Normalerweise steht dort eine Leiter im Wasser. Diese nahmen die Einbrecher höchstwahrscheinlich heraus und stellten sie an die Aussenwand des Velofachgeschäfts.
Oben auf dem Dach befinden sich dreieckige, kuppelartige Glasfenster. Fornallaz vermutet, dass die Täter dort erst ein Fenster aufhebelten, um sich Zugang zur Kuppel zu verschaffen. Danach zerstörten sie das Glasdach. Ebendiese Scherben entdeckte der Geschäftsführer am nächsten Morgen.
Teure Beute
Schleierhaft erscheint dabei aber, wie die Einbrecher vom Dach aus unversehrt in die Filiale kamen. Denn dieses befindet sich einige Meter über Boden.

Aus dem Velofachgeschäft stahlen die Täter dann nur das Wertvollste. 13 Luxusfahrräder der Marken Specialized und Koba – darunter Mountainbikes, Renn- und Elektrovelos. Jedes Gefährt hat einen Verkaufswert von 8000 bis 14’500 Franken. Zudem entwendeten die Einbrecher vier Velorahmen, die für den individuellen Zusammenbau von Velos benötigt werden. Insgesamt beläuft sich der Wert des Diebesguts auf 160’000 Franken.
Für die Flucht suchten sich die Täter offenbar einen anderen Weg als beim Einstieg. Sie entschieden sich für die Fensterfront, die auf die Seestrasse führt, wie Fornallaz erzählt. Der erste Versuch, ein Fenster aufzuhebeln, scheiterte vermutlich. Denn am Rahmen sind noch Hebelspuren zu erkennen.
Ein weiterer Versuch gelang den Tätern dann jedoch bei einem Kippfenster in über zwei Metern Höhe. Der Fluchtweg war nun frei, um das Diebesgut aus dem Fenster zu hieven.
Während der ganzen Aktion wurde kein Alarm ausgelöst, obwohl ein Teil der Ladenfläche mit Bewegungssensoren ausgestattet ist. Die Anwohner bemerkten den Einbruch ebenso wenig – zumindest ging bei der Notrufzentrale kein Anruf ein, wie diese bestätigt.
Weshalb es sich um Profis handeln muss
Es sprechen viele Gründe dafür, dass es sich um Profis handelt. «Die Täter wussten genau, was sie stehlen», erklärt der Geschäftsführer. Sie nahmen lediglich die wertvollsten Velos mit. Die restlichen Fahrräder interessierten sie offensichtlich nicht.
Wenige hundert Meter vom Geschäft entfernt entdeckte ein Kunde am Donnerstagnachmittag in der Nähe des Strandbads Uster drei Velos neben einem Gehweg. Und tatsächlich: Diese drei Fahrräder gehören der Chälbli AG. «Von den gestohlenen Velos waren diese die drei günstigsten», sagt Fornallaz. Anscheinend hatten die Täter die Velos systematisch aussortiert oder verzichteten aus Platzgründen auf diese Velos. Jedenfalls nahmen sie nur die 13 teuersten mit. Den Wert der Fahrräder kannten sie offenbar.
Zudem beobachtete Fornallaz am Mittwochnachmittag zwei Männer im Laden. Sie machten auf den Geschäftsführer einen «dubiosen» Eindruck, interessierten sich besonders für den Ladenteil mit den teuren Fahrrädern. Ausserdem sprachen sie gebrochen Deutsch und schienen den Eindruck erwecken zu wollen, sich gegenseitig nicht zu kennen.
Die Kantonspolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, wie sie auf Anfrage bestätigt. Weitere Angaben möchte sie derzeit nicht machen.
Viele Einbrüche in Velofachgeschäfte
Wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, werden Velofachgeschäfte immer wieder Opfer von Einbrüchen. Beispielsweise stahlen Einbrecher im letzten September in Neftenbach Velos im Wert von 110’000 Franken. Auch hier nahmen die Täter lediglich die wertvollsten Modelle mit. Im Mai 2024 ereignete sich ein ähnlicher Vorfall in Stäfa. Das Diebesgut: 30 Velos im Wert von 170’000 Franken. Das Vorgehen ähnelt dabei jenem in Uster.
2020 brachen Diebe in ein kleines Museum am Hauptsitz des Profiradherstellers Specialized in Kalifornien ein. Dabei wurden besondere Ausstellungsstücke entwendet. Darunter auch das Rennvelo des Schweizer Sportlers Fabian Cancellara, mit welchem er 2010 an der Tour de France mehrere Etappen als Gesamt-Leader fuhr, wie mehrere Fachmagazine damals berichteten.
In der Region machte eine Einbruchsnacht Anfang Februar jedoch Schlagzeilen. Gleich in einer Nacht stiegen Einbrecher in mehrere Unternehmen in Mönchaltorf ein. Ob diese Einbrüche in einem Zusammenhang mit dem jüngsten in Uster stehen, ist gemäss Kantonspolizei unklar.
Mehr Sicherheitsmassnahmen
Bei der Chälbli AG geht der Alltag jedenfalls trotz Einbruch weiter. Anfangs war zwar noch ein grösserer Teil der Ladenfläche durch die Spurensicherung der Polizei gesperrt, mittlerweile weist jedoch nur noch die leere Verkaufsecke auf den Vorfall hin. Die Einstiegsluke wurde mit einem Holzbrett verschlossen.
Glücklicherweise ist das Geschäft laut Fornallaz gut versichert. Allerdings benötige es viel Zeit, den Einbruch zu dokumentieren. Zudem rüstet das Geschäft in den kommenden Wochen seine Alarmanlage auf.
Und trotzdem ist der Schock noch nicht verdaut. «Als ich am nächsten Morgen das Geschäft öffnete, hatte ich noch ein mulmiges Gefühl.»
